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Mit „Die Rache der Wikinger“ nimmt sich der italienische Ausnahmeregisseur Mario Bava eines klassischen Abenteuerstoffs an und verwandelt ihn mit seiner unverkennbaren visuellen Handschrift in ein farbenprächtiges, atmosphärisch dichtes Kinoerlebnis. Der Film erzählt die Geschichte zweier Brüder, deren Schicksal durch einen grausamen Überfall auf ihr heimatliches Wikingerdorf an der englischen Küste gewaltsam auseinandergerissen wird. Während Eron in den rauen Norden verschleppt wird und dort zu einem furchtlosen Krieger heranwächst, findet sein Bruder Erik in der Fremde eine neue Heimat und steigt bis zum Herzog von Helford auf. Jahre später führt das Schicksal die beiden auf dem Schlachtfeld wieder zusammen – jedoch nicht als versöhnte Brüder, sondern als erbitterte Feinde, die nichts von ihrer gemeinsamen Herkunft ahnen. Zwischen klirrenden Äxten, Langschiffen, die Kurs auf die englischen Küsten nehmen, und einem Geflecht aus Verrat und verborgener Wahrheit entfaltet sich ein episches Kampfgeschehen um Ehre und Identität, das die Grundfesten der Welt der beiden Protagonisten erschüttert.


Mario Bava – der Farbmagier des italienischen Kinos


Mario Bava zählt zu den einflussreichsten Regisseuren des italienischen Genrekinos und hat mit seinem unverwechselbaren Gespür für Licht, Farbe und Bildkomposition maßgeblich den italienischen Horror- und Abenteuerfilm geprägt. Mit „Die Rache der Wikinger“ nahm sich Bava im Original als „Gli Invasori“ betitelt eines klassischen Abenteuerstoffs an, der nach dem internationalen Erfolg von Richard Fleischers „Die Wikinger“ mit Kirk Douglas entstand, und verlieh ihm mit typisch italienischem Flair sowie seiner charakteristischen visuellen Opulenz eine ganz eigene Note. Auch wenn das Budget im Vergleich zu großen Hollywood-Produktionen deutlich bescheidener ausfiel, gelingt es Bava, mit geschickten Kameratricks und einer ausgeprägten Liebe zur Farbgestaltung eine Atmosphäre zu erschaffen, die den Film weit über das hinaushebt, was man von einer klassischen europäischen Genreproduktion jener Zeit erwarten würde. Gerade die Verstecke und Unterschlüpfe der Wikinger sind hier mit einem Sinn für stimmungsvolle Bildgestaltung inszeniert, der Bavas Ruf als Meister der visuellen Inszenierung eindrucksvoll untermauert.


Cameron Mitchell und Alice Kessler


In der Rolle des Eron brilliert Cameron Mitchell, ein amerikanischer Schauspieler, der sich in den 1960er Jahren zunehmend im europäischen Genrekino etablierte und dort zahlreichen Produktionen mit seiner robusten, präsenzstarken Leinwandpersönlichkeit zusätzliches Gewicht verlieh. Mitchell verkörpert den nach Skandinavien verschleppten Bruder mit einer Mischung aus kriegerischer Härte und innerer Zerrissenheit, die der Figur trotz der actionbetonten Ausrichtung des Films eine gewisse emotionale Tiefe verleiht. An seiner Seite sorgt Alice Kessler, die gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Ellen Kessler als eines der bekanntesten Show- und Entertainment-Duos ihrer Zeit international Bekanntheit erlangte, für einen zusätzlichen Glamour-Faktor der Produktion. Die Kessler-Zwillinge übernehmen im Film die Rollen zweier ebenfalls verwandter Schwestern, in die sich die beiden Brüder im Verlauf der Handlung verlieben, und bringen mit ihrer natürlichen Ausstrahlung und ihrem tänzerischen Hintergrund eine besondere Anmut in das von Kampfszenen dominierte Geschehen. Ergänzt wird die Besetzung durch George Ardisson als Erik sowie durch weitere Darsteller wie Andrea Checchi und Franco Giacobini, die dem Ensemble zusätzliche Klasse verleihen.


Ein monumentales Epos mit Bava-Handschrift


Was „Die Rache der Wikinger“ besonders auszeichnet, ist die gelungene Verbindung aus klassischem Abenteuerkino und der unverkennbaren visuellen Sprache seines Regisseurs. Auch wenn die Handlung streckenweise die typischen dramaturgischen Längen aufweist, die man von vielen europäischen Genreproduktionen jener Ära kennt, entschädigen die immer wieder aufblitzenden faszinierenden Bildkompositionen und die für 1961 überraschend drastisch inszenierten Kampfszenen für diese kleinen Schwächen. Bava gelingt es, aus einem vergleichsweise einfachen Abenteuerstoff um Brüderzwist, Verrat und verlorene Identität ein visuell packendes Kinoerlebnis zu formen, das bis heute seinen ganz eigenen Charme bewahrt hat.


Die neue Blu-ray von Wicked Vision


Als Nummer drei der Italo Cinema Collection bringt Wicked Vision „Die Rache der Wikinger“ nun als deutsche HD-Premiere in edler Aufmachung im Scanavo Case auf den Markt. Der deutsche Ton wurde für diese Veröffentlichung sorgfältig restauriert, während zusätzlich auch der italienische sowie der englische Originalton mitsamt passender Untertitel zur Verfügung stehen, sodass Fans den Film wahlweise in seiner deutschen Fassung oder in einer der beiden Originalsprachen genießen können. Das Bonusmaterial dieser Ausgabe lässt keine Wünsche offen und richtet sich klar an anspruchsvolle Sammler und Bava-Enthusiasten. Neben einem attraktiven Wendecover liegt der Veröffentlichung ein 24-seitiges Booklet mit einem fundierten Essay von Dr. Rolf Giesen bei, der den Film in seinen historischen und filmgeschichtlichen Kontext einordnet. Für Fans vertiefender Hintergrundinformationen bietet der Audiokommentar mit dem renommierten Bava-Experten Tim Lucas eine kenntnisreiche Begleitung durch den gesamten Film. Die knapp einstündige Dokumentation „Mario Bava enthüllt die Magie seiner Werke“ gewährt darüber hinaus einen umfassenden Einblick in das Schaffen des Regisseurs, während das gut einstündige Interview mit Cameron Mitchell dem Hauptdarsteller selbst Raum gibt, um von den Dreharbeiten und seiner Zeit im europäischen Genrekino zu berichten. Der zwölfminütige Video-Essay „Die Nachahmer“ von Michael Mackenzie beleuchtet zusätzlich, welchen Einfluss der Film auf spätere Produktionen ausübte. Abgerundet wird das umfangreiche Bonusprogramm durch den deutschen VHS-Vorspann samt Insert und Ende als nostalgisches Zeitdokument, das alternative Originalende des Films, den deutschen Trailer sowie eine Bildergalerie. Diese Fülle an liebevoll zusammengestelltem Bonusmaterial macht die Veröffentlichung zu einer der bislang umfangreichsten Ausgaben innerhalb der Italo Cinema Collection und dürfte sowohl eingefleischte Bava-Fans als auch Sammler klassischen Abenteuerkinos restlos überzeugen.


Fazit


„Die Rache der Wikinger“ ist ein unterhaltsames, visuell bemerkenswertes Stück Abenteuerkino, das Mario Bavas Gespür für Farbe und Atmosphäre eindrucksvoll unter Beweis stellt. Cameron Mitchell und Alice Kessler tragen mit ihren Darbietungen wesentlich zum Charme dieser Produktion bei, die trotz kleinerer dramaturgischer Schwächen bis heute ihren ganz eigenen Reiz entfaltet. Die neue Blu-ray von Wicked Vision präsentiert den Film als deutsche HD-Premiere in einer beeindruckend umfangreichen Ausstattung, die keine Wünsche offenlässt und diese Veröffentlichung zu einem echten Highlight für Sammler und Bava-Fans macht.