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Michael
Antoine Fuqua | Digital | u. a. Maxdome


Es gibt Lebensgeschichten, die so außergewöhnlich sind, dass selbst das Kino kaum mithalten kann. Michael Jacksons Geschichte gehört zweifellos dazu — und Antoine Fuqua, einer der stilsichersten und energiegeladensten Regisseure Hollywoods, nimmt diese Herausforderung mit vollem Bewusstsein ihrer Größe an. Das Ergebnis ist ein Musikbiopic von seltener Wucht und Eindringlichkeit, das nicht nur das Leben einer Legende dokumentiert, sondern das Publikum in eine emotionale Unmittelbarkeit versetzt, wie sie das Genre selten erreicht. Dass „Michael" weltweit bereits über 846 Millionen Dollar eingespielt hat, ist kein Zufall und kein reines Phänomen der Fan-Loyalität — es ist der Beweis, dass dieser Film etwas trifft, das weit über Nostalgie hinausgeht.


Im Zentrum steht eine Entscheidung, die über Gelingen oder Scheitern des gesamten Projekts entschied: die Besetzung der Titelrolle. Jaafar Jackson, Neffe von Michael Jackson und selbst musikalisch tief verwurzelt, verkörpert die Pop-Ikone mit einer Intensität und körperlichen Präsenz, die schlicht atemberaubend ist. Es ist keine Imitation, keine bloße Mimikry eines weltbekannten Bewegungsrepertoires — es ist eine Verkörperung im tiefsten Sinne des Wortes. Jaafar Jackson bewegt sich, singt, schweigt und zweifelt wie jemand, der die Energie dieser Figur nicht von außen studiert, sondern von innen versteht. Die Szenen auf der Bühne — von den frühen Jackson-Five-Auftritten bis zu den ikonischen Momenten der Solokarriere — sind elektrisierend. Aber ebenso stark sind die leisen Momente: das Zögern hinter der Maske des Entertainers, die Einsamkeit hinter dem Glamour, der unerbittliche innere Antrieb eines Mannes, der niemals aufhörte, sich selbst zu übertreffen.


Fuqua, der mit dem „Equalizer"-Franchise und „The Magnificent Seven" bewiesen hat, dass er große Leinwandspektakel ebenso beherrscht wie menschliche Nahaufnahmen, inszeniert „Michael" mit einer Regiepräzision, die dem Sujet gerecht wird. Er weiß, wann er die Kamera nah heranführt und wann er dem Publikum Raum lässt, die schiere Größe des Moments zu atmen. Die Musiksequenzen sind choreografisch und visuell auf einem Niveau, das im Musikfilm-Genre seinesgleichen sucht — man sitzt buchstäblich in der ersten Reihe, wie es das Versprechen des Films lautet, und fühlt die Energie dieser Auftritte im Kinosaal oder, nun da der Film digital verfügbar ist, zuhause mit einer Unmittelbarkeit, die das große Fernsehbild zur Bühne macht.


Das Drehbuch von John Logan — der mit „Skyfall" und „Hugo" bewiesen hat, dass er sowohl für epischen Kinozauber als auch für feinfühlige Charakterzeichnung das richtige Gespür besitzt — trägt wesentlich dazu bei, dass „Michael" mehr ist als eine Abfolge bekannter Lebensmomente. Logan erzählt Jacksons Weg von den frühen Jahren als Leadsänger der Jackson Five bis zur globalen Übergestalt des Pop mit einer narrativen Disziplin, die dem Stoff seine Würde lässt, ohne die Widersprüche und Dunkelheiten auszublenden. Der Film stellt sich der Komplexität seines Sujets — dem Ruhm und dem Preis, den er fordert, dem kreativen Genie und der menschlichen Verletzlichkeit dahinter — und gewinnt gerade durch diese Bereitschaft zur Vieldeutigkeit an Tiefe und Glaubwürdigkeit.


Das Ensemble ist auf einem Niveau besetzt, das dem Projekt in jeder Szene dient. Nia Long, eine der charismatischsten Schauspielerinnen ihrer Generation, bekannt seit „Boyz n the Hood" und „Friday", bringt Wärme und Stärke in ihr Spiel. Miles Teller, nach „Whiplash" und „Top Gun: Maverick" einer der verlässlichsten Charakterdarsteller Hollywoods, liefert eine Leistung von konzentrierter Intelligenz. Colman Domingo — zuletzt in „Sing Sing" und „Selma" als einer der bedeutendsten Schauspieler des amerikanischen Kinos gewürdigt — verleiht seiner Rolle eine Schwere und Präzision, die jede seiner Szenen zum Ereignis macht. Laura Harrier, aus „BlacKkKlansman" bestens bekannt, vervollständigt ein Ensemble, das keine schwachen Momente kennt. Hinzu kommen Juliano Valdi und KeiLyn Durrel Jones in Rollen, die zeigen, dass die Besetzung bis in die kleinsten Parts mit Sorgfalt erfolgte.


Produziert von Graham King, der mit „Bohemian Rhapsody" bereits bewiesen hat, wie man das Leben einer Musiklegende zum Kinoereignis macht, sowie von John Branca und John McClain — zwei Persönlichkeiten, die dem Erbe Michael Jacksons seit Jahrzehnten verbunden sind —, trägt „Michael" eine Handschrift, die Respekt vor dem Sujet und künstlerischen Ehrgeiz gleichermaßen ausstrahlt. Das ist kein autorisiertes Denkmal aus Marmor, sondern ein lebendiger, atemberaubender Film über einen Mann, dessen Musik und dessen Geschichte die Welt bewegt hat und es bis heute tut.


Seit dem digitalen Release, unter anderem bei Maxdome, ist „Michael" nun auch abseits der großen Leinwand in seiner ganzen Qualität erfahrbar. Der Film verliert im Wohnzimmer nichts von seiner Energie — wer ihn noch nicht gesehen hat, sollte diese Gelegenheit nicht versäumen. Und wer ihn im Kino erlebt hat, wird ihn ein zweites Mal mit neuen Augen sehen wollen.