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Mit "River City Saga: Journey to the West" wagt sich Arc System Works auf neues Terrain und lässt seine altbekannte Kunio-kun-Truppe erstmals in ein waschechtes Roguelike-Korsett schlüpfen. Nach den eher klassisch aufgebauten Saga-Ablegern, die sich noch an offener Erkundung versuchten, konzentriert sich dieser dritte Teil der Reihe konsequent auf prozedural generierte Kämpfe, Build-Variationen und das suchterzeugende Gameplay-Karussell, das man seit "Hades" als Maßstab für das Genre kennt. Wer den vorherigen Saga-Ableger über die Drei Reiche Chinas mochte und sich dort am gemächlicheren Erkunden erfreute, muss sich entsprechend umstellen, denn Exploration und Nebenaufgaben treten hier fast vollständig hinter Kampf und Progression zurück.


Inhaltlich bedient sich das Spiel beim chinesischen Klassiker "Die Reise nach Westen" und besetzt sämtliche Hauptrollen – Sun Wukong, Zhu Bajie, Sha Wujing und sogar den Mönch Tang Sanzang – mit Variationen von Kunio. Das ist ebenso absurd wie es klingt, passt aber hervorragend zur seit jeher respektlosen Attitüde der Reihe, die sich noch nie sonderlich um historische oder literarische Genauigkeit geschert hat. Die Geschichte um Wukongs Erlösungsreise wird in ausführlichen, textlastigen Dialogszenen erzählt, die zwischen ernsthafter Mythologie und kompletter Albernheit hin- und herspringen, ohne dabei aus dem Tritt zu geraten. Bekannte Gesichter aus dem River-City-Universum, darunter der inzwischen buchstäblich in Flammen stehende Riki sowie Kyoko und Misako aus "River City Girls", tauchen als Verbündete oder Bossgegner wieder auf und sorgen für den nötigen Wiedererkennungswert. Wer mit der Vorlage und der Serie vertraut ist, wird hier deutlich mehr Freude an den Dialogen haben als Neueinsteiger, für die die Geschichte streckenweise konfus bleibt. Erschwerend kommt hinzu, dass die ohnehin ausufernden Textpassagen bei jedem Tod erneut präsentiert werden – ein Manko, das in vielen Rezensionen bemängelt wird, auch wenn eine Sprungfunktion zumindest das Überspringen bereits gelesener Abschnitte erlaubt.


Spielerisch orientiert sich "Journey to the West" unverkennbar an Supergiant Games' "Hades": Mit jedem Lauf sammelt man Segnungen verschiedener buddhistischer Gottheiten, die den eigenen Spielstil unterschiedlich ausrichten, während ein Alchemie-System die Grundangriffe dauerhaft verbessert. Die Kämpfe selbst sind angenehm hektisch und basieren auf halbwegs taktischem Button-Mashing, bei dem man im Getümmel schon einmal die Übersicht über die eigene Spielfigur verlieren kann. Bosskämpfe bringen erwartungsgemäß bildschirmfüllende Angriffsmuster mit, die geschicktes Ausweichen oder den Einsatz zeitweiliger Unverwundbarkeit verlangen. Positiv hervorzuheben ist die Möglichkeit, den eigenen Lauf über zusätzliche Herausforderungen, Heilräume und andere Modifikatoren selbst zu justieren – ein Zugeständnis an unterschiedliche Schwierigkeitsvorlieben. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann zudem zwischen den drei spielbaren Kunios wechseln, die sich spürbar unterschiedlich steuern: Wukong punktet mit Geschwindigkeit und eignet sich hervorragend für Schadensstapelungen, während Wujing dank Fernkampfattacken die frühen Stadien mühelos durchpflügt, in den späteren Abschnitten aber an Durchschlagskraft verliert. Etwas getrübt wird der Spielspaß durch die mitunter spärliche Information bei neuen Fähigkeiten: Welche Wirkung eine Segnung tatsächlich entfaltet, erfährt man oft erst, nachdem man sich bereits für sie entschieden hat – wer gerne im Voraus plant, wird hier ausgebremst.


Optisch verbindet das Spiel 2D-Sprites mit dreidimensionalen Spielfeldern, was Gegner klar vom Hintergrund abhebt und die Lesbarkeit des Kampfgeschehens trotz des bunten Chaos auf dem Bildschirm hochhält. Die Charakterdesigns der Gottheiten und Bodhisattvas wirken angemessen ehrfurchtgebietend und gleichzeitig komisch überzeichnet, auch wenn manche Stimmen in der Fachpresse anmerken, dass die Areale im Vergleich zum Vorgänger optisch etwas weniger Mühe verraten. Auf Sprachausgabe wird komplett verzichtet, der Soundtrack hingegen treibt das Geschehen kurzweilig voran. Die Übersetzung fällt in Teilen der Kritik holprig bis stellenweise unverständlich aus, was angesichts der ohnehin textlastigen Inszenierung unangenehm auffällt.


Vom Umfang her ist "Journey to the West" als typisches Genre-Vertreter eher kompakt: Ein einzelner erfolgreicher Lauf lässt sich in etwa einer Stunde abschließen, wer das Spiel vollständig inklusive aller Enden durchspielen will, sollte mit deutlich mehr Zeit rechnen, da mehrere Abschlüsse für das "wahre" Ende notwendig sind. Der Wiederspielwert hängt dabei stark davon ab, wie sehr man sich für das River-City-Universum begeistern kann – als reines Genre-Erlebnis für Roguelike-Enthusiasten ohne Vorkenntnisse der Reihe bietet das Spiel spürbar weniger Tiefe als Genre-Größen wie "Hades" oder "Absolum". Zum Preis von rund 20 US-Dollar bleibt das Angebot dennoch fair bemessen.


Insgesamt gelingt Arc System Works mit "River City Saga: Journey to the West" ein mutiges, größtenteils erfolgreiches Experiment, das die altehrwürdige Marke in unbekanntes Genre-Terrain führt, ohne dabei ihre alberne Seele zu verlieren. Wer River City und Kunio-kun seit Jahren begleitet, dürfte an der liebevollen Verbeugung vor der Vorlage und dem vertrauten Figurenensemble seine helle Freude haben. Genre-Puristen, die unabhängig von der Marke nach dem nächsten großen Roguelike-Hit suchen, könnten hingegen enttäuscht feststellen, dass sich das Spiel stärker an erfolgreichen Vorbildern orientiert, als selbst neue Wege zu gehen.