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Es gibt Videospielserien, die nie den Sprung ins kollektive Gedächtnis der breiten Öffentlichkeit geschafft haben und dennoch in einem bestimmten Kreis von Kennern mit der Ehrfurcht erwähnt werden, die man sonst großen Klassikern vorbehält. Die Gobliiins-Reihe des französischen Entwicklers Coktel Vision ist so eine Serie. Zwischen 1991 und 1993 erschienen die ersten drei Teile in rascher Folge auf dem PC, fanden ihr Publikum vor allem unter passionierten Point-and-Click-Fans der frühen Neunziger und verschwanden dann für lange Zeit im Dunkel der Retrokultur – gepflegt nur von einer treuen Gemeinschaft nostalgischer Spieler, die den schrägen Charme dieser Kobold-Abenteuer nie vergessen konnten. Mit der Gobliiins Collection für die Nintendo Switch bringt Publisher Microids nicht weniger als fünf Teile der skurrilen Puzzle-Adventure-Reihe erstmals auf eine Heimkonsole, garniert mit einem Bonuspaket, das selbst eingefleischte Fans überraschen dürfte. Es ist eine Veröffentlichung, die gleichermaßen als liebevolle Hommage und als längst überfällige Wiedergutmachung an einer sträflich unterschätzten Serie funktioniert.


Wer die Reihe nicht kennt, sollte zunächst wissen, womit man es hier zu tun bekommt: Die Gobliiins-Spiele sind bizarre, witzige und mitunter brutal schwierige Rätselabenteuer, die von völlig durchgeknallten Prämissen leben und einen Humor pflegen, der irgendwo zwischen Monty Python, französischer Zeichentricktradition und anarchischem Kinderbuch für Erwachsene anzusiedeln ist. Sie stammen aus einer Ära, in der Computerspiele noch keine Angst vor ihrer eigenen Seltsamkeit hatten, in der Entwickler Ideen umsetzen konnten, die kein Fokusgruppen-Test je überlebt hätte, und in der Rätsellösungen bisweilen so absurd-logisch waren, dass das Aha-Erlebnis beim Lösen sich anfühlte wie ein kleines intellektuelles Erweckungserlebnis.


Im ersten Teil, Gobliiins von 1991, ist König Angoulafre aus rätselhaftem Grund wahnsinnig geworden – aus Gründen, die absolut niemand versteht, wie das Spiel selbst lapidar anmerkt –, und drei Kobolde werden losgeschickt, um beim Zauberer Niak Abhilfe zu suchen. Das Besondere am Spielprinzip der frühen Teile liegt in der Notwendigkeit, alle Figuren in ihrer jeweiligen Spezialfähigkeit einzusetzen und ihre Aktionen aufeinander abzustimmen: Einer kann kämpfen, einer kann Gegenstände benutzen, einer kann zaubern – und nur wer versteht, wer wann was tun muss, kommt weiter. Die Energieleiste, die sich bei jedem Fehler leert, sorgt dafür, dass gedankenloses Herumprobieren rasch bestraft wird. Das ist Designphilosophie aus einer anderen Zeit, und sie ist so unbarmherzig wie erfrischend.


Der zweite Teil, Gobliins 2: The Prince Buffoon von 1992, reduziert das Trio auf ein Duo und schickt die zwei verbliebenen Helden auf eine weitaus ausgedehntere Reise, um den entführten Königssohn zu befreien. Die Welt ist größer, die Rätsel komplexer, und hinter allem verbirgt sich ein Dämon aus dem Nichts namens Amoniak, dessen Bedrohlichkeit durch den konsequent grotesken Ton der Serie wunderbar gebrochen wird. Goblins 3 von 1993 wechselt abermals die Besetzung und die Struktur: Blount, ein herrlich verrückter Reporter für das fiktive Medium „Goblins News", landet unfreiwillig mitten in einem Königreichskrieg zwischen Königin Xina und König Bodd, verliebt sich prompt in eine Prinzessin, und bevor er sich versieht, ist er tief im Konflikt vergraben – inklusive Werwolf, versteht sich. Mit dem dritten Teil hat die Reihe ihre erzählerische Reife am stärksten entfaltet: Die Geschichte ist umfangreicher, emotionaler unterfüttert, und das Spieldesign hat an Eleganz gewonnen.


Nach einer langen Pause, in der es still um die Kobolde geworden war, folgte 2009 Gobliiins 4, der einzige Teil mit dreidimensionaler Grafik und der einzige, der das klassische Trio Oups, Asgard und Ignatius wieder vereint. Die Mission fällt im Vergleich zu den epischen Vorhaben der Vorgänger bewusst bescheiden aus: Die drei Kobolde sollen das verschwundene Haustier des Königs finden – ein kleines, abenteuerlustendes Erdferkel. Das ist natürlich eine Pointe in sich, und der Band macht keinen Hehl daraus. Der 3D-Stil wirkt aus heutiger Sicht etwas antiquiert, trägt aber seinen eigenen Charme. Das Gameplay kehrt zur Mehrfiguren-Mechanik der ersten drei Teile zurück, was Kenner der Serie mit Freude begrüßen werden. Und schließlich erschien 2023, nach einer weiteren langen Pause, tatsächlich noch ein fünfter Teil: Gobliiins 5: The Invasion of the Morglotons, in dem eine mysteriöse Epidemie die Bevölkerung des Königreichs in Kartoffeln verwandelt. Ja, richtig gelesen. Kartoffeln. König Angoulafre ist offenbar ebenfalls betroffen, liegt zum Glück in den Händen des besten Arztes weit und breit – zumindest wahrscheinlich. Möglicherweise. Man wird sehen. Der fünfte Teil ist eine bewusste Rückkehr zur handgezeichneten 2D-Ästhetik der Ursprünge und versteht sich explizit als Liebesbrief an die Anfangsjahre der Serie.


Was die Collection so wertvoll macht, ist nicht allein die Zusammenstellung dieser fünf Spiele an sich. Vielmehr hat Microids sich die Mühe gemacht, die ersten drei Teile in mehreren historischen Versionen anzubieten – MS-DOS, CD-ROM, Mac –, und ermöglicht damit sowohl den historischen Nachvollzug des Entwicklungsweges als auch konkret verschiedene Spielerfahrungen. Wer möchte, kann die klanglichen Unterschiede zwischen der kargen PC-Speaker-Version und der CD-ROM-Fassung mit ihren aufwändigeren Soundeffekten selbst nachvollziehen, die Farbpaletten-Unterschiede zwischen DOS- und Mac-Version vergleichen und auf diese Weise ein kleines Museum der frühen Computerspielgeschichte durchstreifen. Das ist keine Selbstverständlichkeit und verdient ausdrückliches Lob.
Hinzu kommt ein üppiges Bonuspaket, das weit über das bloße Anbieten der Spiele hinausgeht: Ein Musikplayer mit Tracks aus allen fünf Spielen lädt zum Verweilen ein, und wer sich einmal in die Ohren gesetzt hat, wie phantasievoll und melodiös die Soundtracks der frühen Teile sind, wird verstehen, warum diese Musik so viele Spieler über Jahrzehnte begleitet hat. Die 3D-Modelle der originalen PC-Verpackungen sind ein nostalgischer Augenschmaus für alle, die mit physischen Softwareprodukten jener Ära aufgewachsen sind. Die Galerie mit Originalentwürfen aus der Entwicklungszeit gibt Einblick in den kreativen Prozess hinter den Figuren und Welten. Und die mehrteilige Dokumentar-Miniserie mit einem brandneuen Interview von Pierre Gilhodes, dem Mitschöpfer der Serie, ist für Fans schlicht unverzichtbar: Gilhodes erzählt von der Entstehung der Reihe, von den Intentionen hinter dem unverwechselbaren Humor, von Höhen und Tiefen der Serie. Das ist Videospielgeschichte aus erster Hand, und sie ist hier sorgfältig aufbereitet.


Auf der Nintendo Switch laufen die Spiele über eine Emulationslösung, die solide und weitgehend problemlos funktioniert. Die Steuerung wurde für den Controller adaptiert, was bei Point-and-Click-Adventures naturgemäß eine konzeptionelle Herausforderung darstellt: Statt Maus und direktem Klick navigiert man nun mit dem Analog-Stick oder alternativ per Touch-Steuerung im Handheld-Modus, was sich als überraschend intuitiv erweist und dem Spielgefühl der Originale erstaunlich nahekommt. Der Handheld-Modus der Switch erweist sich dabei als besonders geeignetes Format für diese Art von gemächlichem, nachdenklichem Spielerlebnis – ein Gobliiins-Rätsel auf dem Sofa zu knacken oder im Zug über eine Figurenkombination zu grübeln, passt wunderbar zur Seele dieser Spiele. Mehrere Quality-of-Life-Funktionen helfen dabei, den gelegentlich archaischen Schwierigkeitsgrad der frühen Teile abzufedern, darunter ein optionales Hinweissystem, das Frustration verhindert, ohne dem Spieler die Rätselerfahrung gänzlich abzunehmen. Wer die Originalspiele kennt, weiß: Gobliiins war nie zimperlich, was die Komplexität seiner Rätsel betrifft. Manche Lösungen setzen voraus, dass man Aktionen in einer präzisen Reihenfolge und mit einer bestimmten Figur ausführt, ohne dass das Spiel dies transparent kommuniziert. Mancher Rätselknoten lässt sich erst lösen, wenn man die eigene Denkweise radikal umsortiert hat. Das ist teils charmanter Altmeister-Eigensinn, teils echter Frustrationsfaktor – aber das gehört zur DNA dieser Spiele dazu, und wer sich darauf einlässt, wird mit Momenten belohnt, die sich tief ins Gedächtnis einbrennen.


Grafisch wird an den alten Titeln naturgemäß nichts verändert – und das ist richtig so. Die Pixelgrafik der frühen Neunziger hat auch heute noch eine eigentümliche Schönheit: Die handgezeichneten Hintergründe und Charaktere von Gobliiins und Gobliins 2 wirken wie Illustrationen aus einem anarchischen Märchenbuch, reich an Details und trotz technischer Beschränkungen voller Persönlichkeit. Goblins 3 streckt sich bereits etwas ambitionierter, mit größeren Spielflächen und einer breiteren Farbpalette. Gobliiins 4 fällt als 3D-Titel naturgemäß aus dem Rahmen und zeigt den Zahn der Zeit deutlicher – was aber kein Mangel ist, sondern ein ehrliches Zeugnis seiner Entstehungszeit. Gobliiins 5 schließt den Kreis, kehrt zur handgezeichneten 2D-Grafik zurück und tut das mit einer Wärme und Detailliebe, die zeigt, dass die Macher ihre eigene Geschichte verstanden haben.


Kleine Abstriche sind gleichwohl zu vermerken. Die Menüoberfläche der Collection ist etwas spartanisch ausgefallen und führt nicht immer intuitiv zu den verschiedenen Spielversionen und Bonusmaterialien. Einleitende Texte zu den einzelnen Spielen, die Neueinsteigern historischen und spielerischen Kontext liefern, wären eine willkommene Ergänzung gewesen und hätten der Collection den Charakter eines kuratierten Museums vollends gegeben. Und wer mit dem Point-and-Click-Genre grundsätzlich fremdelt oder wenig Geduld für die bisweilen eigenwillige Rätselllogik älterer Adventurespiele mitbringt, wird auch hier nicht auf seine Kosten kommen – das sei ehrlich gesagt.


Aber für alle, die sich für die Geschichte des Computerspiels begeistern, die Sinn für schrägen, warmherzigen Humor mitbringen und bereit sind, sich auf den gelegentlich verschroben-genialen Rätselsinn von Coktel Vision einzulassen, ist die Gobliiins Collection ein außergewöhnliches Paket. Fünf Spiele in mehreren historischen Fassungen, üppiges und liebevoll zusammengestelltes Bonusmaterial, erstklassige Touch-Steuerung im Handheld-Modus und erstmals Konsolenverfügbarkeit – das ist eine überfällige Hommage an eine Reihe, die mehr Aufmerksamkeit verdient hat, als sie je bekam. Wer dieser Einladung folgt, wird eine der originellsten Spielserien der frühen PC-Ära entdecken oder wiederentdecken – und dabei wahrscheinlich mehr als einmal laut lachen.