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Wenn ein Franchise wie Star Wars ein neues Nachschlagewerk bekommt, ist die Erwartungshaltung naturgemäß hoch. Zu oft haben Enzyklopädien und Begleitbände im Science-Fiction-Merchandising-Bereich den Ruf, oberflächliche Produktkataloge zu sein, die mehr auf Hochglanzoptik als auf substanziellen Inhalt setzen. Die illustrierte Enzyklopädie zu The Mandalorian, erschienen beim renommierten Sachbuchverlag DK, darf man von diesem Vorwurf weitgehend freisprechen — und das liegt nicht zuletzt an der Wahl des Autors.


Pablo Hidalgo schreibt seit 1995 professionell über Star Wars und gehört seit dem Jahr 2000 zum festen Stab bei Lucasfilm, wo er heute als kreativer Leiter der Geschichtenentwicklung tätig ist. Er hat zahlreiche Star Wars-Nachschlagewerke verfasst oder mitverantwortet, darunter das umfassende Standardwerk Star Wars: Die offizielle Geschichte. Hidalgo ist damit kein externer Buchautor, der sich die nötigen Informationen mühsam zusammenrecherchiert, sondern ein Mann aus dem innersten Kreis des Universums — jemand, der an der Entstehung der Geschichten selbst beteiligt war. Dieser Umstand macht sich bemerkbar. Die Texte besitzen eine Präzision und Tiefe, die man von reinen Tie-in-Publikationen nicht immer erwarten darf.


Das Buch nimmt alle drei Staffeln von The Mandalorian in den Blick und wurde in enger Zusammenarbeit mit Lucasfilm produziert — was bedeutet, dass exklusives Bildmaterial und bislang nicht öffentlich zugängliche Details Eingang gefunden haben. Für Fans, die die Serie kennen und lieben, ist genau das der entscheidende Mehrwert: nicht eine Nacherzählung des Gesehenen, sondern eine Vertiefung und Erweiterung dessen, was der Bildschirm nur andeuten konnte.


Inhaltlich gliedert sich die Enzyklopädie in die zentralen Elemente der Serie. Ein besonderes Gewicht liegt naturgemäß auf Din Djarin selbst — seiner Beskar-Rüstung mit ihren verborgenen Gadgets und technischen Raffinessen, seinem Ehrenkodex, dem mandalorianischen „Der Weg", der als kulturelles und spirituelles Regelwerk die gesamte Figur grundiert. Hier leistet das Buch ausgezeichnete Arbeit: Was in der Serie oft als atmosphärisches Detail im Hintergrund bleibt, wird hier mit der nötigen Ausführlichkeit entfaltet und in den größeren Kontext der mandalorianischen Geschichte und Kultur eingebettet. Wer nach dem Schauen der Serie das Gefühl hatte, die Welt dieser Krieger nur an der Oberfläche gestreift zu haben, findet hier die Substanz dahinter.


Besonderes Augenmerk verdient das Kapitel zu Grogu, der kleinen grünhäutigen Kultfigur, die die Serie seit ihrer ersten Staffel begleitet und zu einem der populärsten Charaktere des gesamten Star Wars-Universums avanciert ist. Die Enzyklopädie beleuchtet die Geheimnisse um seine Herkunft, seine Verbindung zur Macht und seine Entwicklung über die drei Staffeln hinweg — ohne dabei zu viel vorwegzunehmen für diejenigen, die den kommenden Kinofilm Star Wars: The Mandalorian and Grogu noch ohne Vorwissen erleben wollen. Diese Balance zwischen Vollständigkeit und erzählerischer Zurückhaltung gelingt dem Band respektabel.


Auch Nebenfiguren wie die geschickte Söldnerin Fennec Shand und der kalt kalkulierende Antagonist Moff Gideon erhalten die Aufmerksamkeit, die ihrer Bedeutung für die Handlung gerecht wird. Fennec Shand etwa, deren Werdegang und Motivationen in der Serie bewusst dosiert enthüllt werden, profitiert hier von einer biographischen Kontextualisierung, die die Figur deutlich schärfer profiliert. Ähnliches gilt für Moff Gideon, dessen Ideologie und Machtmechanismen im Nachschlagewerk klarer ausgearbeitet werden als es die Episodenlängen der Serie erlaubten.


Ein eigenes Kapitel widmet sich der Razor Crest, dem ikonischen Raumschiff Din Djarins, dessen technische Funktionsweise hier mit der typischen DK-Detailfreude in Schnittzeichnungen und kommentierten Diagrammen aufgedröselt wird. Für technisch interessierte Fans ist das eine Augenweide; selbst wer sich für die ingenieursmäßigen Details intergalaktischer Raumfahrzeuge weniger begeistert, wird von der visuellen Aufbereitung angesprochen sein.
Das führt zum zweiten großen Standbein des Bandes: seiner Bildsprache. DK ist seit Jahrzehnten für die Qualität seiner illustrierten Nachschlagewerke bekannt, und diese Enzyklopädie macht keine Ausnahme. Die Kombination aus exklusivem Setfotomaterial, Produktionsdesign-Illustrationen und sorgfältig komponierten Doppelseiten macht das Buch zu einem echten Schauobjekt. Man blättert nicht nur, man verweilt. Die Buchgestaltung trägt der visuellen Dichte des Star Wars-Universums Rechnung, ohne ins Überladene zu kippen — ein Gleichgewicht, das nicht selbstverständlich ist.


Kritisch anzumerken ist, dass der Band naturgemäß mit dem Stand der dritten Staffel endet und den Kinofilm The Mandalorian and Grogu noch nicht berücksichtigen kann. Wer das Buch als abschließendes Kompendium einer abgeschlossenen Geschichte liest, wird das kaum als Mangel empfinden. Wer jedoch in erster Linie auf die Vorbereitung des Films aus ist, sollte wissen, dass dieses Buch Vorgeschichte liefert, nicht Vorschau. Das ist keine Schwäche, sondern eine Frage der Erwartungshaltung.


Als Gesamtpaket ist die illustrierte Enzyklopädie zu The Mandalorian eines der gelungensten Star Wars-Begleitwerke der letzten Jahre. Hidalgos insider-nahes Wissen, DKs visueller Qualitätsanspruch und die exklusive Zusammenarbeit mit Lucasfilm ergeben eine Kombination, die sowohl Gelegenheitsfans als auch eingefleischten Kennern des Universums echten Mehrwert bietet. Als Lektüre für Serienbegeisterte, als Coffeetable-Objekt, als Geschenk für Fans jeden Alters — dieses Buch erfüllt alle diese Rollen mit Bravour.