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Stefanie Hiekmann ist eine der umtriebigsten Stimmen der deutschen Kochbuchliteratur. Als Kochbuchautorin, Foodfotografin und Journalistin schreibt und fotografiert sie für Zeitungen, Magazine und Verlage, hat in den vergangenen zehn Jahren Spitzenküchen von Cornelia Poletto bis Thomas Bühner bereist und arbeitet seit 2018 als Jurymitglied der ZDF-Sendung „Stadt, Land, Lecker" — ein Profil, das Kompetenz und mediale Reichweite gleichermaßen verspricht. Ihre Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet. Mit „Jeden Tag Gemüse" widmet sie sich einem Thema, das in der Alltagsküche trotz wachsender Begeisterung für pflanzliche Ernährung oft noch stiefmütterlich behandelt wird: Gemüse nicht als Beilage oder Kompromiss, sondern als Hauptdarsteller auf dem Teller.


Der Ansatz ist programmatisch. Hiekmann möchte zeigen, dass sich mehr als 150 vegetarische Rezepte — darunter eine cremige Butternut-Kürbissuppe, Pasta mit einem Zehn-Minuten-Gemüse-Hack, Pilz-Crostini, Karotten-Feta-Puffer oder eine Mangoldquiche — nicht trotz, sondern wegen ihrer Alltagstauglichkeit zu echten Genussmomenten fügen können. Das Buch verzichtet bewusst auf die Attitüde des Askese-Ratgebers: Es geht nicht um Verzicht, sondern um Entdeckung. Diese Haltung zieht sich spürbar durch die gesamte Konzeption des Bandes.


Das stärkste Argument des Buches liegt in seiner Flexibilität. Über 350 Tauschoptionen ermöglichen es, Rezepte an das anzupassen, was gerade im Kühlschrank liegt oder Saison hat. Wer keinen Mangold findet, greift zu Spinat oder Grünkohl — das Buch erklärt, welche Optionen funktionieren und warum. Diese systematische Durchlässigkeit ist mehr als ein nettes Gimmick; sie nimmt dem Kochbuch den Vorwurf, Zutaten zu verlangen, die im nächsten Supermarkt schlicht nicht vorhanden sind, und macht den Band zum echten Alltagsbegleiter. Ebenso klug ist die Integration praktischer Hacks: Hiekmann erklärt optimale Garmethoden, zeigt, wie verschiedene Gemüsesorten sich gegenseitig verstärken, und nimmt dabei die Leserinnen und Leser ohne erhobenen Zeigefinger an die Hand.


Die Rezepte selbst bewegen sich auf einem Niveau, das die Balance zwischen Unkompliziertheit und geschmacklicher Ambition überzeugend hält. Der Karottenkuchen mit Aprikose und Zitronenverbene etwa — formal ein vertrautes Gebäck, in der Aromakombination jedoch überraschend frisch — steht exemplarisch für Hiekmanns Stärke: Sie greift bekannte Muster auf und verleiht ihnen durch kluge Zutatenwahl oder einen unerwarteten Dreh eine eigenständige Note. Nicht jedes Rezept erreicht dieses Niveau, und an manchen Stellen des Buches hätte man sich etwas mehr Tiefgang gewünscht — die Konzentration auf Zugänglichkeit führt vereinzelt dazu, dass Rezepte mit ähnlicher Dramaturgie aneinanderreihen, ohne das Repertoire der Leserinnen wirklich zu erweitern. Wer bereits in der vegetarischen Küche zu Hause ist, wird gelegentlich das Gefühl haben, auf vertrautem Terrain zu bleiben.


Das Bildmaterial verdient gesonderte Erwähnung: Hiekmanns doppelte Profession als Kochbuchautorin und Foodfotografin macht sich bezahlt. Die Fotos sind nicht nur ästhetisch überzeugend, sondern informieren — man sieht, wie ein Gericht aussehen soll, ohne dass inszenierte Vollkommenheit den Realitätscheck des Nachkochens sabotiert. Layout und Druckqualität entsprechen dem hohen Anspruch des DK Verlags.


„Jeden Tag Gemüse" ist kein Buch für die kulinarische Avantgarde, und das ist keine Schwäche — es ist eine programmatische Entscheidung. Hiekmann schreibt für Menschen, die abwechslungsreich, bewusst und mit Freude kochen möchten, ohne dafür Profikenntnisse oder exotische Zutaten zu benötigen. In diesem Segment ist das Buch eines der gelungeneren Exemplare des Jahrgangs: didaktisch klug strukturiert, in der Summe seiner Teile überzeugend und durch die Tauschoptionen nahezu jahreszeitlich universell einsetzbar.