Gore Verbinski ist zurück. Nach fast einem Jahrzehnt Abwesenheit von der großen Leinwand – sein letzter Kinofilm war das unterschätzte Horror-Kunstwerk A Cure for Wellness aus dem Jahr 2016 – meldet sich der Regisseur der ersten drei Fluch der Karibik-Filme und des Ringu-Remakes Der Ring mit einem der eigenwilligsten und aufregendsten Genrefilme der jüngeren Zeit zurück. Good Luck, Have Fun, Don't Die ist Science-Fiction, Action, Gesellschaftssatire und schwarze Komödie in einem – und vor allem ist er das, was im heutigen Hollywood so selten geworden ist: vollkommen unberechenbar.
Am 5. Juni 2026 erscheint der Film nun im Vertrieb von Leonine als Blu-ray, DVD sowie in einer 4K Ultra HD Collector's Edition von Constantin Film auf dem deutschen Heimkinomarkt – nachdem er hierzulande am 12. März 2026 in die Kinos gestartet war.
Handlung: Die Welt retten im Diner
Ein zerzauster Mann betritt nachts ein Norms-Diner in Los Angeles. Er ist mit Drähten und Plastik behangen, wirkt wie ein Verrückter – und erklärt den anwesenden Gästen, dass die Welt kurz vor dem Ende steht. Er behauptet, aus der Zukunft zu kommen, wo eine künstliche Superintelligenz die Menschheit bereits vernichtet hat. Um das zu verhindern, braucht er Hilfe. Aber nicht irgendwen – er muss aus den zufällig anwesenden Gästen genau die richtige Kombination an Menschen rekrutieren, die gemeinsam mit ihm in einer einzigen Nacht die Welt retten können.
Was wie ein Kammerspiel beginnt, entfaltet sich schnell zu einem wilden, episodisch erzählten Science-Fiction-Abenteuer, das sich in Rückblenden auf die Geschichten der einzelnen Diner-Gäste ausbreitet und dabei immer surrealer, lauter und absurder wird. Attentäter in Tiermasken? Zombifizierte Teenager, die von ihren Smartphones hypnotisiert werden? Klone? All das taucht bereits im ersten Akt auf – und das ist noch das Zahme.
Ein Film gegen den Strom
Was Good Luck, Have Fun, Don't Die von Anfang an auszeichnet, ist seine Bereitschaft zur Krawall. Verbinski macht keinen Film, der sanft auf gesellschaftliche Missstände hinweist – er greift einen beim Kragen, schüttelt einen kräftig durch und brüllt einem direkt ins Gesicht. Der zentrale Schurke des Films ist eine KI – aber keine kalte, berechnende Science-Fiction-Maschine im Stil von HAL 9000. Verbinski hat die KI bewusst als emotional bedürftiges, psychopathisches Wesen konzipiert, das als Spiegel für aktuelle Diskussionen über KI als Ersatz für echte menschliche Kreativität und Verbindung dienen soll. Das ist so auf der Nase, dass es fast schon wieder mutig ist – und angesichts der Tatsache, dass Hollywood selbst immer mehr KI in seiner Produktion einsetzt, hat das eine bittere, selbstreferenzielle Qualität.
Das Drehbuch stammt von Matthew Robinson, der zuvor unter anderem das charmante Abenteuer Dora and the Lost City of Gold sowie den Post-Apokalypse-Film Love and Monsters geschrieben hat. Robinson bringt ähnlich wie dort eine Vorliebe für unerwartete emotionale Momente inmitten des Chaos mit, auch wenn der Film nicht immer in der Lage ist, seine vielen Ideen gleich überzeugend unter einen Hut zu bringen. Die Kritik an Smartphone-Sucht und Teenagern wirkt manchmal etwas zu plakativ und generationentypisch, und die Vermischung von implausibel futuristischen Elementen mit sehr gegenwärtigen Ängsten erzeugt gelegentlich Reibung. Doch Verbinski versteht es, diese Schwächen mit purem Energie und visueller Erfindungsgabe zu überdecken.
Das Ensemble: Jeder bekommt seinen Moment
Was den Film besonders macht, ist das außerordentliche Ensemble-Casting. Sam Rockwell trägt den Film mit der Leichtigkeit und Spielfreude, die man von einem Oscar-Preisträger erwarten kann. Sein namenloser "Mann aus der Zukunft" ist zugleich komisch, verzweifelt und unendlich sympathisch – eine Figur, die man sofort versteht, auch wenn man ihr nicht immer glaubt. Rockwell beherrscht die Kunst des physischen Komödiantentums genauso wie das leise emotionale Spiel, und er hält den irren Tonfall des Films in jeder Szene zusammen.
Haley Lu Richardson als Ingrid ist das emotionale Herz des Films – eine der Diner-Gäste, deren Hintergeschichte überraschend tiefe Töne anschlägt. Michael Peña liefert gewohnt zuverlässige Komödiantenarbeit als Mark, während Zazie Beetz als Janet eine der interessanteren Nebenrollen des Films spielt. Juno Temple bringt ihre unverwechselbare Mischung aus Energie und Verletzlichkeit als Susan mit, und Asim Chaudhry sowie Tom Taylor runden das Ensemble gelungen ab. Verbinski nimmt sich die Zeit, all diese Charaktere zu entwickeln, was den Film stellenweise etwas längt – wer einen straffen Actionfilm erwartet, wird gelegentlich Geduld aufbringen müssen. Doch der Tausch ist es wert: Man kennt und mag die Figuren, wenn es darauf ankommt.
Verweise und Einordnung
Good Luck, Have Fun, Don't Die erinnert in seiner Energie und seinem satirischen Biss an Terry Gilliam auf seinen besten Tagen – an Brazil oder 12 Monkeys – und teilt mit diesen Filmen eine düster-komödiantische Grundstimmung, die gesellschaftliche Kritik nicht durch Moral predigt, sondern durch absurde Überspitzung spürbar macht. Daneben klingen Terminator und eine episodisch erzählte Black Mirror-Episode an, wobei der Film deutlich versöhnlicher und vergnüglicher ist als Letztes. Es ist kein perfekter Film – er ist zu lang, sein Finale testet die Grenzen des Nachvollziehbaren, und manche Botschaften werden mit dem Holzhammer kommuniziert. Doch er ist nie langweilig, er überrascht in einem Maß, das im Studiosystem heute kaum noch möglich ist, und er trägt die Handschrift eines echten Regisseurs, der weiß, was er will.
Die Blu-ray: Technische Details
Constantin Film veröffentlicht Good Luck, Have Fun, Don't Die im Vertrieb von Leonine als Standard-Blu-ray im einfachen Keep Case sowie als 4K Ultra HD Collector's Edition. Letztere kommt in einem Keep Case mit einer doppelseitigen O-Card und enthält drei Artcards – ein schönes Extra für Sammler.
Bildtechnisch präsentiert sich die Blu-ray mit einer 1080p-Kodierung im AVC-Format im Seitenverhältnis 2,39:1. Das Bild ist scharf, kontrastreich und detailverliebt – Verbinskis visuell komplex gestaltete Diner-Kulisse und die nächtlichen Außenszenarien kommen gut zur Geltung. Die 4K-Edition bietet HDR10 und schöpft die visuelle Tiefe des Films noch überzeugender aus.
Beim Ton liegt sowohl die deutsche als auch die englische Sprachfassung in DTS-HD Master Audio 5.1 vor, die 4K-Edition hingegen in Dolby Atmos – was angesichts des lauten, energiegeladenen Sounddesigns des Films eine spürbare Aufwertung bedeutet. Wer kann, sollte zur Atmos-Variante greifen. Deutsche Untertitel, auch für Hörgeschädigte, sind vorhanden.
Ein Hinweis zum Bonusmaterial: Bisher wurde offiziell keines angekündigt bzw. vorgestellt. Das ist etwas schade bei einem Film, bei dem ein Making-of oder ein Regisseur-Kommentar von Verbinski höchst interessant gewesen wären. Wer auf umfangreiches Bonusmaterial Wert legt, könnte leicht enttäuscht werden.
Fazit
Good Luck, Have Fun, Don't Die ist der willkommene Beweis, dass Gore Verbinski nichts von seiner Fähigkeit verloren hat, visuell kraftvolle, idiosynkratische Unterhaltung zu schaffen. Der Film ist chaotisch, laut, manchmal unausgewogen in seinen Botschaften – aber er lodert vor Energie, lebt von einem fantastischen Ensemble rund um einen bestechenden Sam Rockwell und traut sich, in einer Zeit des Recyclings und der Franchise-Ermüdung etwas vollkommen Eigenes zu sein. Auf Rotten Tomatoes trägt er eine Zustimmungsrate von 83 Prozent der Kritiker, und das Publikum teilt weitgehend den Enthusiasmus.
Die Blu-ray von Constantin Film im Vertrieb von Leonine ist technisch solide, der Fehlschlag beim Bonusmaterial ist bedauerlich, aber kein Kaufhindernis. Wer den Film im Kino verpasst hat oder ihn fest ins Regal stellen möchte, bekommt vor allem in der 4K Collector's Edition ein schön verpacktes, klanglich und bildtechnisch überzeugendes Heimkino-Erlebnis.