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Necrophosis ist ein außergewöhnliches First-Person-Horror-Abenteuer für die PS5, das sich deutlich von klassischen Horror-Spielen abhebt. Statt auf Jumpscares, Kämpfe oder actionreiche Verfolgungsjagden zu setzen, konzentriert sich das Spiel vollständig auf Atmosphäre, Erkundung und psychologischen Horror. Schon in den ersten Minuten wird klar, dass hier nicht die Angst vor einem Monster im Mittelpunkt steht, sondern das Gefühl, sich in einer fremden, sterbenden Welt zu verlieren, die von Verfall, Tod und kosmischem Schrecken geprägt ist.


Die Handlung beginnt damit, dass der Spieler als reines Bewusstsein in einem verwesenden Körper erwacht. Von dort aus startet eine Reise durch ein Universum, das von einer geheimnisvollen Katastrophe namens Necrophosis verschlungen wurde. Alles befindet sich in einem Zustand ewiger Verwesung. Die Landschaften wirken wie lebendig gewordene Albträume, in denen organische Strukturen mit grotesker Architektur verschmelzen. Die Inspiration durch die düsteren Gemälde von Zdzisław Beksiński ist dabei jederzeit spürbar. Jede Umgebung wirkt wie ein Kunstwerk voller deformierter Figuren, riesiger Knochengebilde und verstörender Monumente, die gleichzeitig faszinieren und abstoßen.


Grafisch gehört Necrophosis zu den eindrucksvollsten atmosphärischen Horror-Erlebnissen der letzten Zeit. Die Entwickler erschaffen eine Welt, die konsequent ihre eigene Vision verfolgt. Statt realistischer Schauplätze erwartet den Spieler eine surreale Albtraumlandschaft, die ständig neue bizarre Eindrücke liefert. Verrottende Tempel, gigantische Leichname, pulsierende Wände und unnatürliche Formen erzeugen das Gefühl, sich in einer Welt zu bewegen, die längst gestorben ist und dennoch nicht aufhören kann zu existieren. Gerade auf der PS5 kommen die detaillierten Umgebungen und die beeindruckende Lichtstimmung besonders gut zur Geltung.


Auch die Erzählweise ist ungewöhnlich. Necrophosis erzählt seine Geschichte nicht durch lange Zwischensequenzen oder umfangreiche Dialoge. Stattdessen entdeckt man Fragmente einer vergessenen Vergangenheit in Form von Gedichten, kryptischen Texten und Begegnungen mit seltsamen Wesen und sterbenden Gottheiten. Die Handlung bleibt oft bewusst rätselhaft und lässt viel Raum für eigene Interpretationen. Wer eine klar strukturierte Geschichte mit eindeutigen Antworten erwartet, könnte enttäuscht werden. Spieler, die gerne über die Bedeutung von Ereignissen nachdenken und versteckte Zusammenhänge entschlüsseln, werden dagegen viel Freude daran haben, die Geheimnisse dieser Welt Stück für Stück aufzudecken.


Das Gameplay basiert hauptsächlich auf Erkundung und Rätseln. Während der Reise stößt man auf zahlreiche Aufgaben, die oft ungewöhnliche Denkansätze erfordern. Besonders interessant sind Mechaniken, bei denen das eigene Bewusstsein vom Körper getrennt oder andere Objekte und Wesen kontrolliert werden müssen. Viele Rätsel setzen auf Beobachtungsgabe und das Verständnis der Umgebung. Die Lösungen werden selten direkt vorgegeben, weshalb manche Abschnitte durchaus anspruchsvoll sein können. Gleichzeitig entsteht dadurch ein angenehmes Gefühl der Entdeckung, wenn man die Zusammenhänge schließlich erkennt.


Kämpfe spielen nahezu keine Rolle. Stattdessen entsteht die Spannung durch die permanente Unsicherheit darüber, was sich hinter der nächsten Ecke verbirgt. Die Welt wirkt feindselig, ohne den Spieler ständig direkt anzugreifen. Begegnungen mit fremdartigen Gottheiten, grotesken Kreaturen und kosmischen Wesen sorgen für ein dauerhaftes Gefühl des Unbehagens. Dabei orientiert sich das Spiel stark an den Ideen des kosmischen Horrors von H. P. Lovecraft. Die Bedrohungen erscheinen oft unbegreiflich und übersteigen das menschliche Verständnis, was die Atmosphäre zusätzlich verstärkt.


Einen enormen Anteil an der Wirkung des Spiels hat die Soundkulisse. Statt eines klassischen Soundtracks setzt Necrophosis auf minimalistische Klanglandschaften, tiefe Drones, entfernte Schreie, Flüstern und seltsame Geräusche, die ständig im Hintergrund präsent sind. Dadurch entsteht eine bedrückende Stimmung, die den Spieler während der gesamten Reise begleitet. Oft reicht schon ein leises Echo oder ein kaum hörbares Murmeln aus, um Unbehagen auszulösen. Mit guten Kopfhörern entfaltet das Spiel seine volle Wirkung und erzeugt ein beeindruckendes Gefühl der Isolation.


Nicht jeder Spieler wird jedoch mit Necrophosis glücklich werden. Das langsame Tempo, die kryptische Handlung und der starke Fokus auf Atmosphäre verlangen Geduld. Wer actionreiche Horror-Spiele bevorzugt oder ständig neue Gameplay-Mechaniken erwartet, könnte das Erlebnis als eintönig empfinden. Einige Rätsel können zudem frustrierend sein, wenn die Hinweise zu subtil ausfallen. Auch die Geschichte bleibt stellenweise so abstrakt, dass manche Spieler Schwierigkeiten haben werden, eine emotionale Verbindung zu den Ereignissen aufzubauen.


Dennoch gelingt Necrophosis etwas, das nur wenige Horror-Spiele schaffen: Es erschafft eine einzigartige Welt, die lange nach dem Abspann im Gedächtnis bleibt. Die Mischung aus surrealer Kunst, kosmischem Horror, philosophischen Themen und verstörender Atmosphäre macht das Spiel zu einem besonderen Erlebnis für Fans anspruchsvoller Horror-Abenteuer. Es fühlt sich weniger wie ein klassisches Videospiel und mehr wie eine interaktive Reise durch einen lebendigen Albtraum an.


Auf der PS5 präsentiert sich Necrophosis als faszinierendes Horror-Kunstwerk, das seine Stärken vor allem in Atmosphäre, Worldbuilding und audiovisueller Gestaltung ausspielt. Wer bereit ist, sich auf die langsame, bedrückende Reise durch eine Welt ewiger Verwesung einzulassen, erhält ein außergewöhnliches Abenteuer voller Geheimnisse, verstörender Bilder und unvergesslicher Momente. Für Liebhaber von psychologischem Horror, Lovecraft-inspirierten Geschichten und surrealen Albtraumwelten ist Necrophosis eine klare Empfehlung und eines der ungewöhnlichsten Horror-Erlebnisse der letzten Jahre.


Ein beeindruckendes, atmosphärisch dichtes Horror-Abenteuer mit einzigartiger Bildsprache und faszinierender Welt, das jedoch aufgrund seines langsamen Tempos und seiner bewusst rätselhaften Erzählweise nicht jeden Spieler ansprechen wird.