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Wenn ein Film weltweit knapp eine Milliarde US-Dollar einspielt, bevor er überhaupt den Weg in die Heimkinos findet, dann ist das zunächst einmal eine Aussage über sein Publikum – nicht zwingend über seine Qualität. „Der Super Mario Galaxy Film" ist der bis heute erfolgreichste Kinofilm des Jahres 2026. Er ist der zweiterfolgreichste Start einer Videospielverfilmung aller Zeiten und hat allein in Deutschland beim Kinostart fast 14 Millionen Euro eingespielt. Und er ist, bei allem verdienten Respekt vor dieser Leistung, ein Film, bei dem man sehr genau wissen sollte, was man erwartet – und was nicht.


Vom Kino auf die Couch: Die digitale Heimkinoveröffentlichung


Seit dem 20. Mai 2026 ist der Film exklusiv digital verfügbar – unter anderem auf Maxdome, werbefrei und ohne Abonnement. Das Bonusmaterial, das der Heimversion beiliegt, ist dabei mehr als nur ein PR-Anhang: Über eine Stunde bisher unveröffentlichte Extras warten auf Fans, darunter ein geführter Deep Dive in die im Film versteckten Easter Eggs sowie Behind-the-Scenes-Interviews mit dem prominent besetzten Cast. Für Nintendo-Enthusiasten, die jeden Verweis auf die Spielreihe aufspüren wollen, ist allein dieses Material seinen Preis wert. Ob der Film selbst denselben Anspruch erfüllt, ist eine andere Frage.


Die Handlung: Viel Stoff, wenig Raum


Die Geschichte beginnt mit einer klassischen Nintendo-Ausgangslage, die ins Kosmische gedreht wurde. Rosalina, die Sternenprinzessin und Adoptivmutter der Lumas, wird von Bowser Jr. entführt. Prinzessin Peach bricht daraufhin mit Toad zur Sternentor-Galaxie auf, um sie zu befreien, und überlässt Mario und Luigi die Verantwortung über das Pilzkönigreich. Doch Bowser Jr. greift das Schloss an, um seinen miniaturisierten Vater aus Marios Gewahrsam zu befreien, und ehe man sich versieht, ist die gesamte Gruppe auf der Flucht durch verschiedene Galaxien – begleitet von einem frisch eingeführten Yoshi, einem geläuterten Bowser auf der falschen Seite der Vaterliebe und einer wachsenden Bedrohung, die das gesamte Universum betrifft.


Das klingt nach einer Menge Film – und das ist tatsächlich das Problem. Die 98 Minuten Laufzeit sind von einem halsbrecherischen Tempo durchzogen, das kaum Luft zum Atmen lässt. Szene folgt auf Szene, Set-Piece auf Set-Piece, Referenz auf Referenz. Wo der erste Film es schaffte, eine gewisse emotionale Grundlinie zu halten, verliert sich der zweite Teil in komischen Einfällen, losen Nebenhandlungssträngen und einer narrativen Struktur, die wirkt, als hätte man zunächst alle Ideen gesammelt und dann vergessen, sie zu sortieren. Wer sich zu Beginn noch fragt, was eigentlich der zentrale Konflikt ist, stellt irgendwann fest, dass der Film diese Frage selbst nicht klar beantwortet.


Shigeru Miyamoto hat das hohe Pacing in Interviews ausdrücklich verteidigt und als bewusste Designentscheidung bezeichnet, die mit Nintendos Spieledesign-Philosophie zusammenhängt. Das ist eine nachvollziehbare Haltung – die Spielreihe lebt von Tempo und ständig wechselnden Welten. Ob das eine gleichwertige Rechtfertigung für einen Film ist, der erzählerische Tiefe zugunsten von Schauwerten opfert, darf jeder für sich entscheiden.


Die neuen Figuren: Großes Potenzial, wenig Entfaltungsraum


Yoshi und Rosalina sind die zentralen Neuzugänge – und beide hätten das Zeug gehabt, dem Film wirklich etwas zu geben. Yoshi ist optisch ein Highlight, sympathisch animiert und in einzelnen Momenten witzig eingesetzt. Aber der Dinosaurier bekommt so wenig Raum, sich zu entfalten, dass er über weite Strecken eher Dekoration als Figur bleibt. Ähnliches gilt für Rosalina: Brie Larson verleiht ihr eine würdige Stimme, aber die Figur ist im Grunde Auslöser und Ziel der Handlung zugleich – handelnde Person ist sie kaum.


Bowser Jr., gesprochen von Benny Safdie, ist konzeptionell die interessanteste Figur: ein Antagonist, dessen Motivation sich aus echter Vaterbindung speist und der gerade dadurch moralisch ambivalent bleibt. Dass der Film mit dieser Ambivalenz nicht genug macht, ist eine der verschenkten Chancen.


Das prominente Ensemble – Chris Pratt als Mario, Anya Taylor-Joy als Peach, Jack Black als Bowser, Charlie Day als Luigi, dazu Donald Glover, Glen Powell und andere – funktioniert als Klang-Ensemble gut. Die Chemie stimmt, die Timing-Qualität der Sprecher ist hoch. Pratt hat als Mario nach anfänglicher Skepsis beim ersten Teil seinen Rhythmus gefunden, und Jack Blacks Bowser bleibt eine der tragischsten Komikfiguren des Animationskinos der letzten Jahre: ein Schurke, der diesmal auf der richtigen Seite kämpfen muss und dabei noch verlorener wirkt als zuvor.


Optik und Atmosphäre: Illumination in Hochform


Was der Film erzählerisch schuldig bleibt, holt er visuell eindrucksvoll nach. Die Galaxien, die Mario und seine Gruppe bereisen, sind farbenprächtig, fantasievoll gestaltet und in ihrer Vielfalt ein echtes Spektakel. Illumination hat hier erkennbar mehr Ressourcen in die Weltgestaltung gesteckt als im Vorgänger, und das zahlt sich aus. Die kosmischen Schauplätze fühlen sich trotz ihrer Kürze wie echte Orte an – jede Galaxie hat eine eigene visuelle Logik, eine eigene Stimmung. Für Kinder dürfte das Feuerwerk der Eindrücke allein schon ausreichen, um den Film zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen.


Die Easter Eggs für Nintendo-Fans sind dabei nicht nur dekorativer Fanservice, sondern teilweise so subtil eingebettet, dass das beigelegte Bonusmaterial der Heimversion wirklich zum Aufspüren einlädt. Wer die Spielreihe kennt, wird belohnt.


Die Kritikerschere: Presse vs. Publikum


Es ist bemerkenswert, wie deutlich die Schere zwischen Pressewertungen und Publikumsmeinungen bei diesem Film klafft. Die Fachpresse bewertet ihn auf Rotten Tomatoes zu rund 41 bis 43 Prozent positiv – ein enttäuschender Wert, der sogar unter dem ohnehin nicht überschwänglich bejubelten Vorgänger liegt. Das Publikum sieht das vollkommen anders: Familienkinogänger, Kinder und Nintendo-Fans feiern den Film mit großer Begeisterung. Dieses Muster ist aus der Unterhaltungsindustrie bekannt – und es sagt etwas Wichtiges über den Anspruch des Films.


„Der Super Mario Galaxy Film" will kein Animationskunstwerk sein. Er will Familien einen aufregenden, bunten, lauten Kinoabend bescheren, vollgepackt mit Figuren, die man liebt, und Welten, die man kennt. In diesem Sinne liefert er ab.


Fazit: Für wen ist dieser Film?


Für Kinder ist „Der Super Mario Galaxy Film" schlicht wunderbar: temporeiche, farbenfrohe Unterhaltung mit Figuren, die sie aus Spielen kennen und mögen, und einer Reise durch den Weltraum, die keine Zeit für Langeweile lässt. Für Nintendo-Fans jeden Alters ist er ein Fanservice-Paket mit echten Highlights – Yoshi, Rosalina, Bowser Jr., Easter Eggs zuhauf. Für Erwachsene ohne diese Vorprägung ist er solides, aber insgesamt unausgereiftes Animationskino, das sein Potenzial nicht vollständig ausschöpft.


Die Heimversion auf Maxdome ist dabei besonders für alle empfehlenswert, die das Kinoerlebnis nachholen wollen oder den Film ein zweites Mal in Ruhe durchstöbern möchten – die über eine Stunde Bonusmaterial gibt der Erfahrung eine zusätzliche Schicht, die dem Kinobesuch fehlte.


Dass der erfolgreichste Film des Jahres 2026 gleichzeitig der am stärksten von der Kritik abgestrafte Blockbuster der Saison ist, sagt am Ende vielleicht mehr über das Kino unserer Zeit aus als über den Film selbst.


Empfehlung: Uneingeschränkt für Familien mit Kindern und Nintendo-Fans. Für alle anderen: unterhaltsam, aber mit gesenkten Erwartungen anschauen – und das Bonusmaterial nicht verpassen.