Manchmal weiß man sofort, was ein Spiel sein will. Bei „Underling Uprising" dauert das etwa drei Sekunden: bunte Handanimationen, ein übertrieben böser Wissenschaftler namens Dr. Baldrick, vier genetisch veränderte Versuchswesen auf Rachefeldzug. Das ist kein Spiel, das Subtilität anstrebt. Es will Lärm, Farbe, Chaos – und bekommt das meistens auch hin.
Die Prämisse: Herrlich simpel
Die Grundidee ist so glorreich unkompliziert, dass sie fast schon wieder genial ist. Vier genetisch veränderte Experimente – die sogenannten Underlings – brechen aus dem Labor des wahnsinnigen Dr. Baldrick aus. Der Schurke ist dabei so herrlich übertrieben gezeichnet, dass er direkt aus einem alten Spielzeugwerbespot stammen könnte: schlechte Laune, böser Plan, null Selbstreflexion. Was folgt, ist ein klassischer Side-Scrolling-Brawler mit viel Haltung und noch mehr Krawall.
Die vier spielbaren Charaktere könnten unterschiedlicher kaum sein: ein von Geistern heimgesuchtes Mädchen, ein mechanisierter Luchador, ein skateboard-fahrender Affe und ein schleimartiges Alien. Eine Gruppe, die auf dem Papier überhaupt keinen Sinn ergibt – und auf dem Bildschirm genau deshalb funktioniert. Jede Figur hat eine eigene Spielweise, einen eigenen Ton und charakterspezifische Interaktionen, die der Geschichte zumindest ein bisschen Tiefe verleihen. Das Spiel verspricht mehrere Enden, was den Wiederspielwert konzeptionell stärkt, auch wenn die Umsetzung nicht durchgängig überzeugt.
Ästhetik: Die 90er als Lieblingsdekade
Hier glänzt das Spiel am hellsten. „Underling Uprising" ist eines der konsequentesten Nostalgie-Projekte der letzten Jahre – und das meinst ernst gemeint. Die handgezeichneten Animationen sind aufwändig, ausdrucksstark und stilistisch treffsicher. Wer als Kind samstags früh mit einer Schüssel Cerealien vor dem Fernseher saß und Cartoon Network schaute, wird sofort zuhause sein. Dexter's Laboratory, The Powerpuff Girls, Rugrats – die Einflüsse sind spürbar, ohne dass das Spiel sklavisch kopiert. Es destilliert ein Gefühl, keine Vorlage.
Besonders charmant ist dabei der konzeptionelle Twist: Man spielt nicht den verrückten Wissenschaftler, nicht den Helden, der das Labor von außen stürmt – sondern die Experimente selbst. Die Kreaturen, die normalerweise im Hintergrund brutzeln. Das gibt dem Spiel eine eigene Identität jenseits der Retro-Ästhetik und macht aus einer simplen Prämisse etwas mit echtem Charakter.
Auch die sieben Stages profitieren von diesem visuellen Ansatz. Die Schauplätze wechseln abwechslungsreich – von Labor-Ebenen über Außenareale bis hin zu Orten, die das Spiel bewusst vage als „und noch weiter" beschreibt. Jeder Abschnitt hat eine eigene visuelle Sprache und sorgt dafür, dass die Handanimationen nie monoton wirken.
Das Gameplay: Spaßig, aber mit Schönheitsfehlern
Der Kern des Spiels ist sein Kampfsystem – und das liefert grundsätzlich ab, ohne dabei revolutionär zu sein. Wer klassische Beat-'em-ups kennt, wird sich sofort zurechtfinden: Man bewegt sich nach rechts, schlägt alles nieder, was sich in den Weg stellt, sammelt temporäre Waffen und Fahrzeuge auf, und kämpft sich durch Minibosses bis zum Stageoboss. Das Steuerungsschema ist bewusst eingänglich gehalten – ein Pluspunkt für den Couch-Koop-Betrieb, bei dem auch weniger erfahrene Spieler schnell mitmachen können.
Der lokale Mehrspielermodus für bis zu vier Personen ist dabei eindeutig das Herzstück des Erlebnisses. Das Spiel entfaltet seinen vollen Charme, wenn mehrere Leute auf demselben Sofa sitzen, sich gegenseitig ins Gehege kommen und gemeinsam Chaos anrichten. Solo ist „Underling Uprising" solide. Mit Freunden wird es zu dem, was es eigentlich sein will: lauter, bunter, dümmer – im besten Sinne.
Der Arcade-Modus mit Highscore-Jagd und die verschiedenen Schwierigkeitsstufen geben dem Spiel zusätzlichen Wiederspielwert. Wer alle Charaktere ausprobieren möchte und die verschiedenen Enden sucht, hat durchaus mehrere Durchgänge vor sich.
Allerdings gibt es technische Mängel, die man beim Launch nicht ignorieren sollte. Input Lag und gelegentliche Framerate-Einbrüche trüben das Spielgefühl spürbar – und das ist bei einem Spiel, dessen Kern das direkte Kampfgefühl ist, kein Randproblem. In hektischen Viererspieler-Momenten fällt das besonders auf. Das Fundament ist solide genug, dass Patches hier vieles richten könnten, aber zum Testzeitpunkt ist es ein echter Wermutstropfen.
Story: Rahmen, kein Inhalt
Die Geschichte von „Underling Uprising" ist Dekoration, keine Substanz. Das muss nicht zwingend ein Problem sein – das Genre hat selten Wert auf erzählerische Tiefe gelegt, und auch hier reicht die Prämisse als Motivation vollkommen aus. Der böse Wissenschaftler, die Flucht, die Rache: mehr braucht es nicht, um loszulegen.
Etwas schade ist allerdings, dass das Spiel selbst mit charakterspezifischen Interaktionen und mehreren Enden wirbt, ohne dieses Versprechen vollständig einzulösen. Die Interaktionen sind vorhanden und charmant, aber insgesamt zu sporadisch, um wirklich das Gefühl einer erzählerischen Reise zu erzeugen. Wer auf eine dichte Handlung hofft, wird enttäuscht. Wer das Spiel als Vehikel für Couch-Koop-Spaß versteht, wird damit gut leben können.
Für wen ist das Spiel?
„Underling Uprising" richtet sich klar an eine bestimmte Zielgruppe – und an diese sehr gut. Fans klassischer Beat-'em-ups wie Streets of Rage oder den alten Turtles-Arcade-Spielen werden sofort warm damit. Familien und Freundesgruppen, die ein gemeinsames Couch-Koop-Erlebnis suchen, finden hier einen kurzweiligen, zugänglichen Abend. Und alle, die bei 90er-Cartoon-Ästhetik ein Lächeln nicht unterdrücken können, werden allein vom visuellen Stil gut unterhalten.
Wer hingegen präzises, tiefes Kampfsystemdesign erwartet oder eine Geschichte, die trägt, ist falsch adressiert.
Fazit
„Underling Uprising" ist kein Meisterwerk, aber ein aufrichtiges, liebevoll gemachtes Spiel mit einer klaren Seele und einem sehr guten Gespür für das, was es sein will. Die technischen Schwächen zum Launch sind ärgerlich und sollten nicht kleingeredet werden – sie verhindern im Moment, dass das Spiel das volle Potenzial entfaltet, das eindeutig in ihm steckt. Mit einem soliden Post-Launch-Update könnte aus diesem Brawler ein echter Geheimtipp für Koop-Abende werden.
Empfehlung: Wer Freunde, ein Sofa und Sympathie für das Saturday-Morning-Cartoon-Lebensgefühl mitbringt, ist hier richtig. Etwas Geduld mit der Technik sollte man derzeit noch mitbringen.