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Venom: Schwarz, Weiss und Blut ist ein Anthologieband der besonderen Art – eine Hommage an einen der beliebtesten Anti-Helden des Marvel-Universums, umgesetzt in einem schlichten, aber wirkungsstarken Schwarz-Weiß-Format mit gezielten roten Akzenten. Das Ergebnis ist ein visuell beeindruckender und inhaltlich abwechslungsreicher Sammelband, der Venom-Fans jeder Generation etwas zu bieten hat.


Das Konzept des Bandes ist so simpel wie genial: Verschiedene Autoren und Zeichner aus der langen Geschichte der Figur kommen zusammen, um jeweils ihre ganz eigene Venom-Geschichte zu erzählen. Dadurch entsteht kein lineares Narrativ, sondern ein facettenreiches Porträt einer der komplexesten Figuren im Marvel-Kosmos – erzählt aus unterschiedlichsten Perspektiven und in unterschiedlichsten Stimmungen.


Die Geschichten rund um Eddie Brock, dem wohl bekanntesten Träger des Alien-Symbionten, bilden das emotionale Herzstück des Bandes. Hier wird Venom in seinen verschiedensten Rollen gezeigt: als tödlicher Beschützer, als Spion und als monströser Feind Spider-Mans. Diese Vielseitigkeit ist eine der großen Stärken des Bandes, denn sie zeigt, wie vielschichtig und wandelbar die Figur über die Jahrzehnte geworden ist. Doch auch andere Symbiont-Träger kommen zu ihrem Recht: Mac Gargan bringt eine düstere, rücksichtslose Note mit, Agent Venom Flash Thompson steht für den militärisch-heroischen Aspekt der Figur, und Lee Price verkörpert die moralisch fragwürdige Seite des Symbionten. Dass alle drei in einem Band versammelt sind, ist ein echter Gewinn für alle, die die Geschichte des Symbionten in ihrer ganzen Breite kennen und schätzen.


Das absolute Highlight des Bandes ist jedoch die Geschichte, die im feudalen Japan angesiedelt ist: ein episches Duell zwischen Ninja-Venom und Samurai-Carnage. Umgesetzt vom legendären Takashi Okazaki, dem Schöpfer von Afro Samurai, ist diese Geschichte eine visuelle und erzählerische Offenbarung. Okazakis unverwechselbarer Stil, geprägt von dynamischen Linien, extremen Perspektiven und einer fast filmischen Bildsprache, passt perfekt in das Schwarz-Weiß-Format und hebt diesen Teil des Bandes in eine eigene Liga. Das Duell zwischen den beiden Symbionten-Trägern ist brutal, choreografiert und wunderschön zugleich – ein absoluter Lesegenuss.


Auch die übrigen Beiträge können sich sehen lassen. Venom-Mitschöpfer David Michelinie, der mit Venom: Tödlicher Beschützer einst Geschichte schrieb, bringt eine Geschichte mit, die sich wie eine Rückkehr zu den Wurzeln anfühlt – authentisch, direkt und mit dem Wissen eines Mannes, der diese Figur von Grund auf kennt. Erik Larsen, bekannt für seine explosive Arbeit an Spider-Man, liefert eine kraftvolle, energiegeladene Geschichte, die an die großen Konfrontationen der 90er-Jahre erinnert. J. M. DeMatteis, der mit Maximum Carnage eines der wichtigsten Venom-Crossover mitgeprägt hat, bringt eine nachdenklichere, psychologisch interessantere Note in den Band. Und Chris Bachalo, der mit seinem charakteristischen, expressiven Stil bereits in Dark Reign auf sich aufmerksam gemacht hat, sorgt für visuell aufmerksamkeitsstarke Seiten, die sich wohltuend von konventionelleren Superhelden-Comics abheben.


Das Schwarz-Weiß-Format erweist sich dabei durchgehend als Glücksgriff. Es verleiht dem Band eine dunkle, atmosphärische Qualität, die der Figur Venom auf den Leib geschneidert scheint. Die sparsam eingesetzten Rottöne setzen gezielte Akzente – bei Blut, bei Augen, bei entscheidenden Momenten – und erzeugen dadurch eine visuelle Dramatik, die ein reguläres Farbheft in dieser Form nicht erreichen könnte. Man merkt, dass das Format nicht als Einschränkung, sondern als bewusstes Gestaltungsmittel eingesetzt wurde.


Schwächen des Bandes liegen, wie bei Anthologien üblich, in der unvermeidlichen Ungleichheit der einzelnen Beiträge. Nicht jede Geschichte erreicht die Stärke der Okazaki-Episode oder der Michelinie-Geschichte, und manche Kurzstorys wirken angesichts des begrenzten Platzes etwas gehetzt. Wer eine zusammenhängende Erzählung erwartet, wird hier nicht fündig werden – das ist jedoch kein Fehler, sondern schlicht die Natur des Konzepts.


Fazit: 

Venom: Schwarz, Weiss und Blut ist ein liebevoll zusammengestellter Anthologieband, der die Bandbreite und Faszination einer der markantesten Figuren des Marvel-Universums feiert. Die Kombination aus legendären Schöpfern, frischen Perspektiven und einem konsequent umgesetzten visuellen Konzept macht diesen Band zu einem echten Schmuckstück im Regal jedes Venom-Fans. Pflichtlektüre für alle, die diese Figur lieben – und eine hervorragende Einstiegsmöglichkeit für alle, die sie noch kennenlernen wollen.