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Die Rache der Braut ist noch nicht vollendet. Drei Namen stehen noch auf ihrer Liste. Nach Vernita Green und O-Ren Ishii sind nun der heruntergekommene Budd und die durchtriebene Elle Driver an der Reihe — und schließlich Bill selbst. Am Ende wartet Mexiko. Am Ende wartet die Wahrheit.


Wer Kill Bill Vol. 1 als einen der blutigsten, exzentrischsten Actionfilme aller Zeiten in Erinnerung hat, erlebt mit Vol. 2 eine bewusste Gegenbewegung. Tarantino verlangsamt, atmet tief durch und erzählt. Wo der erste Teil auf furiose Kinetik setzte, baut der zweite auf Atmosphäre, Dialog und Charakter. Vol. 2 ist weniger Martial-Arts-Spektakel als ein melancholisches Kammerspiel — durchzogen von Spaghetti-Western-Staub, ländlicher Trostlosigkeit und der Traurigkeit eines Lebens, das hätte anders sein können.


Das ist kein Rückzug, sondern eine Reifung. Tarantino beweist, dass er nicht nur choreografieren, sondern auch erzählen kann — mit Geduld, mit Witz, mit echter emotionaler Substanz. Die berühmte Lebendige-Begrabt-Szene, in der die Braut in einem Sarg unter der Erde erwacht, ist purer psychologischer Horror ohne einen einzigen Schnitt ins Äußere. Die Rückblende in die Ausbildung bei Pai Mei ist Kung-Fu-Kino auf höchstem Niveau. Und der finale Showdown mit Bill ist — entgegen jeder Erwartung — kein Kampf, sondern ein Gespräch.


Das ist das Wagnis von Vol. 2: Der Mann, auf den wir zwei Filme lang gewartet haben, sitzt einfach da. Und redet. Und es ist das Fesselndste im gesamten Diptychon.


Besetzung & Rollen


Uma Thurman – The Bride / Beatrix Kiddo


In Vol. 2 bekommt die Braut nicht nur ihren echten Namen zurück — sie bekommt ihre Menschlichkeit zurück. Thurman spielt diese Entwicklung mit einer Zartheit, die man nach dem ersten Teil nicht für möglich gehalten hätte. Der Moment, in dem sie erfährt, dass ihre Tochter lebt, gehört zu den bewegendsten schauspielerischen Leistungen des Jahrzehnts.


David Carradine – Bill


Der große Auftritt. Carradine spielt Bill nicht als Monster, sondern als tragische Figur — charmant, philosophisch, tief verletzt. Seine Superman-Monologe gehören zu den denkwürdigsten Dialogszenen, die Tarantino je geschrieben hat. Carradine trägt den Film mit einer Würde, die ihn als einer der unterschätztesten Darsteller seiner Generation ausweist.


Michael Madsen – Budd / Sidewinder


Bills entfremdeter Bruder ist das zerbrochene Gegenbild zu allem, was Budd einmal war. Madsen spielt ihn mit brummiger Resignation — ein Killer im Ruhestand, der in einem Wohnwagen in der Wüste lebt und in einer Stripbar jobbt. Sein kurzer Auftritt ist einer der stimmungsvollsten des gesamten Kill-Bill-Universums.


Daryl Hannah – Elle Driver / California Mountain Snake
Die Augenklappe, der Hass, die kalte Entschlossenheit. Hannah darf hier endlich vollständig ausbrechen und zeigt eine Elle Driver, die nicht bloß bedrohlich, sondern zutiefst verbittert ist. Ihr Duell mit der Braut in Budds enger Wohnwagenküche ist chaotisch, eklig und brillant — das genaue Gegenteil des eleganten Showdowns aus Vol. 1.


Gordon Liu – Pai Mei


Der exzentrische Kung-Fu-Meister mit dem weißen Bart, der die Braut in Rückblenden ausgebildet hat, ist eine reine Hommage an das Shaw-Brothers-Kino der 1970er-Jahre. Gordon Liu — selbst eine Legende des Genres — spielt ihn mit diebischer Freude.


Lucy Liu – O-Ren Ishii


Nur in der Rückblende präsent, aber ihre Abwesenheit ist spürbar. Vol. 2 erklärt durch Erinnerungen, was Vol. 1 zeigte — und gibt dem bereits Gesehenen neue Tiefe.


Perla Haney-Jardine – B.B.


Die kleine Tochter der Braut und Bills hat nur wenige Szenen — und doch ist sie der emotionale Kern des Films. Ihre kindliche Normalität inmitten dieser Welt aus Gewalt und Verrat ist das Herz, das Kill Bill schlägt.


Musik & Stil


Ennio Morricone regiert Vol. 2 noch deutlicher als Vol. 1. Die staubigen Gitarren, die weiten Horizonte, das Schweigen zwischen den Worten — Tarantino inszeniert weite Teile des Films wie ein Leone-Western, in dem der Tod nicht explodiert, sondern sich schleicht. Robert Rodriguez' Beitrag zum Soundtrack ergänzt das mit erdigen, lauernden Gitarrenriffs.


Kameramann Robert Richardson nutzt das breite Cinemascope-Format anders als in Vol. 1: Nicht für Action, sondern für Einsamkeit. Weite Wüstenlandschaften, die Figuren winzig und verloren darin. Das ist Bildsprache als Gefühlszustand.


Das Studiocanal Steelbook (4K UHD + Blu-ray)


Studiocanal veröffentlicht Kill Bill Vol. 2 in derselben hochwertigen Steelbook-Linie wie bereits Vol. 1 — mit 4K UHD Disc und klassischer Blu-ray im Set. Die beiden Editionen bilden damit eine würdige Einheit im Regal, wie die Filme eine Einheit auf der Leinwand bilden.


Der 4K-Transfer kommt Vol. 2 in ganz besonderer Weise zugute: Wo Vol. 1 seine Brillanz in Bewegung entfaltete, lebt Vol. 2 von Texturen und Stille — dem Körner im Wüstensand, den Falten in Carradines Gesicht, dem Staub auf Madsen's Wohnwagenfenster. Hochauflösung als emotionales Instrument.


Kritisches Fazit


Kill Bill Vol. 2 ist der mutigere der beiden Filme — weil er sich dem widersetzt, was Vol. 1 so spektakulär gemacht hat. Kein Massaker, keine Choreografie aus tausend Schnitten. Stattdessen: ein Mann und eine Frau an einem Tisch in Mexiko, Margaritas zwischen sich, und vier Jahre unbeantworteter Fragen.


Das Ende ist sanft. Erschreckend sanft für eine Geschichte, die mit Gallonen Blut begann. Und genau das macht es unvergesslich. Kill Bill Vol. 2 ist kein Abschluss — es ist eine Auflösung. Tarantino löst den Knoten nicht durch Gewalt, sondern durch Wahrheit. Und Uma Thurman und David Carradine tragen diesen Moment mit einer Würde, die weit über das Genre hinausgeht.


Zusammen ergeben Vol. 1 und Vol. 2 ein vollständiges Meisterwerk — und das Studiocanal Steelbook ist der einzig angemessene Weg, beide Teile zu besitzen.