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Adorable Adventures wirkt auf den ersten Blick wie das komplette Gegenstück zu düsteren, spannungsgeladenen Titeln – und genau darin liegt seine größte Stärke. Statt Angst, Druck oder Herausforderung setzt das Spiel konsequent auf Entschleunigung, Neugier und ein fast schon meditatives Erkunden der Natur. Auf der PS5 entfaltet sich daraus ein Erlebnis, das weniger durch klassische Gameplay-Hooks als durch Atmosphäre, Charme und eine ungewöhnliche Kernmechanik überzeugt.


Im Mittelpunkt steht Boris, ein junger Frischling, der nach einem Waldbrand seine Familie wiederfinden muss. Diese Prämisse ist bewusst simpel gehalten, entwickelt aber im Verlauf eine überraschend emotionale Tiefe. Die Geschichte wird nicht mit großen dramatischen Wendungen erzählt, sondern vielmehr durch kleine Begegnungen, Umgebungsdetails und das stetige Voranschreiten in einer Welt, die sich langsam wieder lebendig anfühlt. Gerade dieser ruhige Ansatz funktioniert erstaunlich gut und macht das Spiel zu einer angenehmen Abwechslung im oft hektischen Gaming-Alltag.


Das zentrale Gameplay-Element – das Verfolgen von Gerüchen – ist dabei mehr als nur ein Gimmick. Es ist die Grundlage für die gesamte Spielerfahrung. Statt klassischen Questmarkern oder Minimap-Orientierung nutzt man Boris’ Nase, um Spuren aufzunehmen, zu filtern und ihnen zu folgen. Dieses System ist intuitiv umgesetzt und sorgt dafür, dass man sich tatsächlich wie ein Tier durch die Welt bewegt. Es entsteht ein sehr unmittelbares Gefühl von Entdeckung, weil man sich aktiv mit der Umgebung auseinandersetzen muss, anstatt einfach nur einem Zielpunkt hinterherzulaufen.


Die Spielwelt selbst, inspiriert vom Cévennen-Nationalpark, gehört zu den größten Stärken von Adorable Adventures. Weite Wiesen, lichte Wälder, felsige Höhen und versteckte Höhlen wirken lebendig und liebevoll gestaltet. Besonders auf der PS5 kommen Lichtstimmung und Farben gut zur Geltung, wodurch eine warme, einladende Atmosphäre entsteht. Die Welt lädt dazu ein, einfach stehen zu bleiben, zuzuhören und sich treiben zu lassen – etwas, das nur wenige Spiele so konsequent schaffen.


Auch akustisch überzeugt das Spiel mit einem sehr natürlichen Sounddesign. Vogelgezwitscher, raschelndes Gras und entfernte Wassergeräusche erzeugen eine beruhigende Klangkulisse, die perfekt zur entschleunigten Spielweise passt. Die Erzählstimme von Maxime, dem Parkranger, fügt sich harmonisch ein und gibt der Geschichte einen persönlichen, beinahe märchenhaften Ton.


Die Aufgaben rund um das Finden der Geschwister sind abwechslungsreich genug, um die Motivation aufrechtzuerhalten, ohne dabei stressig zu werden. Kleine Rätsel, die auf die Eigenheiten der jeweiligen Charaktere zugeschnitten sind, sorgen für charmante Momente, auch wenn sie mechanisch eher simpel bleiben. Ergänzt wird das Ganze durch optionale Aktivitäten wie Rennen, Foto-Challenges oder das Sammeln von Gerüchen, die zusätzliche Anreize bieten, die Welt vollständig zu erkunden.


Allerdings ist genau diese Sanftheit nicht für jeden geeignet. Wer nach Herausforderung, komplexen Systemen oder spannungsgeladenem Gameplay sucht, wird hier schnell an Grenzen stoßen. Adorable Adventures verzichtet bewusst auf Druck und Schwierigkeit – was einerseits erfrischend ist, andererseits aber auch dazu führen kann, dass sich das Spiel stellenweise etwas zu leicht oder repetitiv anfühlt.


Technisch läuft das Spiel auf der PS5 rund und ohne größere Probleme. Ladezeiten sind kurz, die Performance stabil, und auch wenn die Grafik nicht auf fotorealistische Darstellung abzielt, überzeugt sie durch Stil und Konsistenz. Animationen von Boris sind niedlich und tragen stark zur Identifikation mit der Spielfigur bei.


Unterm Strich ist Adorable Adventures ein Spiel, das genau weiß, was es sein will: ein ruhiges, herzerwärmendes Erlebnis, das den Spieler entschleunigt und ihn dazu einlädt, die Natur mit anderen Augen – oder besser gesagt, mit einer anderen Nase – wahrzunehmen. Es ist kein Spiel für jeden Moment, aber genau das Richtige, wenn man sich nach etwas Sanftem, Positivem und Unaufgeregtem sehnt.