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Henry und June

Philip Kaufmans Film Henry & June entführt sein Publikum ins Paris des Jahres 1931 – in eine Zeit, in der Kunst, Literatur und Lebenshunger aufeinandertreffen und Grenzen von Moral und gesellschaftlichen Konventionen infrage gestellt werden. Im Mittelpunkt steht die junge Schriftstellerin Anaïs Nin, gespielt von Maria de Medeiros, die den provokanten Autor Henry Miller (Fred Ward) und dessen geheimnisvolle Ehefrau June (Uma Thurman) kennenlernt. Zwischen Faszination, Begierde und künstlerischer Inspiration entspinnt sich eine leidenschaftliche Dreiecksbeziehung, die nicht nur Nin in ihrem Schreiben, sondern auch in ihrer Selbstwahrnehmung nachhaltig prägt.

Die Geschichte basiert auf bislang unveröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen von Anaïs Nin und erzählt eindringlich, wie eng Lust, Freiheit und Kreativität miteinander verbunden sein können. Anders als klassische Liebesgeschichten, die in klaren Bahnen verlaufen, stellt Kaufmans Film die Unordnung und Widersprüchlichkeit von Beziehungen in den Vordergrund: Anziehung und Abstoßung, Eifersucht und Hingabe, Neugier und Selbstentdeckung.

Fred Ward verkörpert Henry Miller mit einer Mischung aus rauer Direktheit und charismatischer Energie. Sein Henry ist kein sanfter Poet, sondern ein kompromissloser, provokanter Geist, der das Leben gierig verschlingt. Uma Thurman hingegen bringt eine geheimnisvolle Verletzlichkeit in ihre Darstellung von June ein – verführerisch, unberechenbar und gleichzeitig tragisch. Gemeinsam bilden sie das Spannungsfeld, in das Anaïs Nin hineingezogen wird. Maria de Medeiros überzeugt in der Rolle der Beobachterin, Erzählerin und schließlich aktiven Gestalterin ihrer eigenen Freiheit.

Regisseur Philip Kaufman, bekannt für Filme wie Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins oder Quills, gelingt es, die Atmosphäre des literarischen Paris authentisch einzufangen. Mit viel Gespür für Sinnlichkeit inszeniert er Bilder, die oft an Gemälde erinnern: verrauchte Bars, enge Apartments voller Manuskripte, flackerndes Kerzenlicht und Pariser Straßenszenen, die den Zuschauer tief in die Epoche eintauchen lassen. Dabei verzichtet Kaufman auf oberflächliche Erotisierung und sucht vielmehr nach dem Kern des Begehrens: der Verbindung von Körper und Geist, von Lust und schöpferischer Kraft.

Besonders bemerkenswert ist, wie der Film die Kreativität als treibende Kraft hinter den leidenschaftlichen Verstrickungen darstellt. Die erotischen Begegnungen werden nicht zum Selbstzweck, sondern zum Auslöser von Selbstreflexion, Inspiration und literarischer Befreiung. Damit hebt sich Henry & June deutlich von gängigen Dramen ab und behauptet sich als anspruchsvolles Werk über Liebe, Kunst und Selbstfindung.

Die neue Blu-ray von One Gate Media präsentiert den Film in einer Bildqualität, die den warmen, atmosphärischen Look von Philippe Rousselots Kameraarbeit hervorragend zur Geltung bringt. Farben wirken deutlich nuancierter als in früheren DVD-Veröffentlichungen, Hauttöne sind natürlicher, und die Kontraste geben sowohl den intimen Innenräumen als auch den impressionistisch gefilmten Straßenszenen eine eindringliche Tiefe. Auch die Tonspur überzeugt: Dialoge sind klar verständlich, während die dezent eingesetzte Musik die Sinnlichkeit der Szenen stimmungsvoll untermalt. Gerade in einem Film, der stark auf Atmosphäre setzt, ist diese technische Aufwertung ein großer Gewinn.

Fazit: 

Henry & June ist kein leichtes Kostümdrama, sondern ein sinnlicher, vielschichtiger Film über Begehren, Freiheit und die schöpferische Kraft der Leidenschaft. Dank der neuen Blu-ray können Kaufmans Bilder in einer Qualität erlebt werden, die ihre Wirkung noch intensiver entfaltet. Ein Film, der für alle interessant ist, die sich für Literaturgeschichte, unkonventionelle Beziehungen und die Verbindung von Kunst und Leben begeistern.