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Freibeuter des Todes

Als Peter Benchley 1979 seinen Roman The Island veröffentlichte, stand er noch im Schatten seines Megahits Der weiße Hai. Auch in dieser Geschichte zieht es ihn hinaus auf das Meer – diesmal jedoch nicht zu Haien, sondern zu Menschen, die mindestens ebenso monströs erscheinen. Regisseur Michael Ritchie, sonst eher für bissige Gesellschaftssatiren bekannt, verfilmte das Buch nur ein Jahr später mit Michael Caine und David Warner in den Hauptrollen. Herausgekommen ist ein düsterer, grotesker Mix aus Abenteuer, Horror und Thriller, der zwar an den Kinokassen floppte, heute aber als faszinierendes Kuriosum wiederentdeckt werden kann.

Die Handlung folgt dem Journalisten Blair Maynard (Michael Caine), der die mysteriösen Vermisstenfälle rund um das Bermuda-Dreieck untersucht. Gemeinsam mit seinem Sohn reist er in die Karibik, wo er einem grausamen Geheimnis auf die Spur kommt: Auf einer abgeschiedenen Insel haust eine Kolonie von Piraten-Nachfahren, die seit Jahrhunderten isoliert lebt. Diese Männer, Frauen und Kinder führen ein archaisches, brutales Leben, geprägt von Gewalt, Inzest und Mord. Als Maynards Sohn von den Piraten einer Gehirnwäsche unterzogen und gegen seinen Vater aufgehetzt wird, eskaliert die Situation in einem blutigen Überlebenskampf.

Benchleys Romanvorlage lotet die Faszination des Grauens aus, indem sie den Mythos des Bermuda-Dreiecks mit anthropologischen Ideen verbindet. Was wäre, wenn eine kleine Gesellschaft völlig losgelöst von moderner Zivilisation überlebt und dabei in eine bestialische Perversion menschlichen Zusammenlebens abgleitet? Der Film übernimmt diesen Grundgedanken, kann die literarische Tiefe aber nicht immer halten. Stattdessen rückt er die bizarre Piratenwelt stärker ins Bild, mit blutigen Attacken, surrealen Ritualen und einem hohen Maß an physischer Bedrohung.

Michael Caine spielt die Rolle des rationalen Reporters, der mehr und mehr in einen Albtraum hineingezogen wird, mit viel Energie, auch wenn man ihm anmerkt, dass er das Projekt eher als Schauspieljob denn als Herzensangelegenheit betrachtete. Gerade in den Szenen mit seinem Sohn überzeugt er jedoch durch glaubhafte Verzweiflung. David Warner hingegen verkörpert den Piratenanführer mit einer Mischung aus Fanatismus und Wahnsinn und liefert damit die unheimlichste Figur des Films. Seine Präsenz sorgt dafür, dass die Piraten nicht nur Karikaturen wirken, sondern eine ernsthafte, brutale Gefahr darstellen.

Inszenatorisch schwankt der Film zwischen atmosphärisch dichten Bildern und überzeichneter Gewalt. Ritchie gelingen eindrucksvolle Szenen, wenn er die Karibik in kontrastreiche Bilder fasst: einerseits paradiesische Strände, andererseits blutige Schlachtfelder. Doch der Ton bleibt inkonsistent – mal Abenteuerfilm, mal Schocker, mal fast schon groteske Satire. Gerade diese Mischung macht Freibeuter des Todes heute so interessant: ein Film, der in keine Schublade passt und dadurch seinen eigenen Reiz entfaltet.

Die neue Blu-ray von One Gate Media bringt den lange vergriffenen Titel in einer Form zurück, die seiner exotischen Bildsprache gerecht wird. Die Farben der karibischen Landschaft leuchten intensiver, das Meer wirkt tiefblau, die Strände strahlen in hellem Kontrast. Auch in den dunkleren, klaustrophobischen Szenen auf der Pirateninsel bietet die Überarbeitung ein schärferes Bild, das Details deutlicher hervorhebt als frühere DVD-Versionen. Die Tonspur ist solide, Dialoge sind klar verständlich, während Schüsse, Schreie und das Rauschen des Meeres eine atmosphärische Dichte erzeugen, die den Film in seiner Beklemmung verstärkt.

Fazit: 

Freibeuter des Todes ist ein wilder, ungeschliffener Genre-Mix, der Horror, Abenteuer und Satire auf ungewöhnliche Weise verbindet. Kein perfekter Film, aber ein faszinierendes Relikt der späten 70er- und frühen 80er-Jahre, das sich durch seine abgründige Thematik und den Mut zum Bizarren auszeichnet. Dank der neuen Blu-ray können Fans und Neuentdecker das Werk nun in einer Qualität erleben, die seine Stärken deutlich hervorhebt. Ein Film für alle, die düstere Abenteuer abseits gängiger Hollywood-Konventionen schätzen – roh, unbequem, aber gerade deshalb sehenswert.