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Es gibt Phasen im Werk eines Künstlers, die die Kritik gerne übersieht, die aber beim genaueren Hinschauen mehr zu bieten haben, als das allgemeine Urteil vermuten lässt. Woody Allens Schaffen der frühen 2000er Jahre gehört zweifellos dazu. Zwischen den großen Erfolgen der 1970er und 80er Jahre und der späteren europäischen Renaissance mit Filmen wie „Match Point" oder „Midnight in Paris" entstanden Werke, die zwar weniger gefeiert wurden, aber den unverwechselbaren Allen-Kosmos mit all seiner Skurrilität, seinem Wortwitz und seiner Liebe zur Populärkultur auf charmante Weise weiterführten. Zwei dieser Filme hat One Gate Media nun in einem feinen Blu-ray-Doppelpack zusammengeführt, der Fans und Neuentdeckern gleichermaßen eine willkommene Gelegenheit bietet, diese zu Unrecht unterschätzten Werke neu zu entdecken.


Schmalspurgangoven (Small Time Crooks, 2000)


Den Auftakt macht „Schmalspurgoven" aus dem Jahr 2000, und schon die Prämisse ist ein Fest: Ray, gespielt von Woody Allen mit der gewohnt neurotischen Energie, die sein Publikum seit Jahrzehnten entzückt, will endlich den großen Coup landen. Der Plan: Ein Tunnel von einer gemieteten Pizzeria aus direkt in die benachbarte Bank. Was dabei herauskommt, ist natürlich das komplette Gegenteil von dem, was geplant war – denn während Ray und seine Komplizen sich planlos durch den Untergrund graben, entwickelt sich die Tarnung an der Oberfläche zum unerwarteten Goldesel. Die Kekse seiner Frau Frenchy, gespielt von einer fabelhaften Tracey Ullman, werden zum Verkaufsschlager, das Geld fließt in Strömen, und plötzlich sind zwei Menschen, die ihr Leben lang am Rand der Gesellschaft gedümpelt haben, Teil der feinen Gesellschaft – ob sie wollen oder nicht.


Genau hier entfaltet der Film seine eigentliche Stärke. Allen interessiert sich weniger für den Einbruch selbst als für das, was danach kommt: den hilflos-komischen Versuch eines ungehobelten Paares, in Kreisen zu reüssieren, für die es nie gemacht war. Die Szenen, in denen Ray und Frenchy sich in Konzerte und Museumsempfänge vorwagen und dort auf kultivierte Unverständlichkeit stoßen, sind von einer selbstironischen Komik, die Allen am besten beherrscht: Er lacht über seine Figuren, ohne sie je zu verachten. Der Eintritt von Hugh Grant als eleganter Kunstberater und Kulturvermittler David bringt eine weitere Schicht ins Spiel. Grant spielt mit sichtlichem Vergnügen gegen sein Sympathieimage an, und die Chemie zwischen ihm, Ullman und Allen trägt den Film durch seine witzigsten wie auch seine wärmsten Momente. Das Finale, in dem deutlich wird, was Reichtum und gesellschaftlicher Aufstieg wirklich kosten können, hat sogar einen leisen melancholischen Unterton, der dem Film mehr Tiefe verleiht, als man auf den ersten Blick erwartet. „Schmalspurgangoven" ist kein großer Allen, aber ein sehr guter – und einer, der mit den Jahren besser geworden ist.


Im Bann des Jade Skorpions (The Curse of the Jade Scorpion, 2001)


Der zweite Film des Doppelpacks führt ins New York des Jahres 1940 und ist in seiner Grundanlage noch eine Spur ambitionierter. Allen liebt das Kino der Vergangenheit, und in „Im Bann des Jade Skorpions" lässt er diese Liebe in einen Film münden, der gleichzeitig Hommage, Parodie und eigenständiges Werk ist. Die Detektivfilme der 1940er Jahre, Humphrey Bogart, Raymond Chandler, der hart gekochte Ermittler in verregneten Straßen – all das schimmert durch jede Einstellung, aber Allen dreht die Konventionen des Genres mit vergnüglicher Konsequenz um.


Sein C.W. Briggs ist kein harter Hund, sondern ein selbstverliebter, mittelmäßig begabter Versicherungsdetektiv, der glaubt, unbesiegbar zu sein – und der von einem skrupellosen Hypnotiseur zum willenlosen Werkzeug gemacht wird. Was folgt, ist eine rasante Abfolge von Verwirrungen, Einbrüchen im Schlafwandlerzustand und dem zunehmend verzweifelten Versuch, die eigene Integrität zu wahren, während man sie im Schlaf systematisch untergräbt. Das ist nicht nur komödiantisch ergiebig, sondern hat auch eine psychologische Dimension, die typisch für Allen ist: Wer kontrolliert wen? Wer glaubt, Herr seiner Situation zu sein, und wer ist es wirklich?


Helen Hunt als schlagfertige, unerbittliche Betty Ann ist die ideale Gegenspielerin – ihr verbales Duell mit Allen zieht sich durch den Film wie ein roter Faden und liefert einige der besten Dialogmomente des gesamten Doppelpacks. Die beiden können sich nicht ausstehen, respektieren sich widerwillig und ahnen lange vor dem Publikum, wohin das alles führt. Dan Aykroyd als Vorgesetzter und Charlize Theron als betörende Verdächtige runden ein Ensemble ab, das dem Film trotz aller Leichtigkeit einen Hauch von echtem Noir-Glamour verleiht. Die Kulisse, die Kostüme, die Musik – Allen inszeniert das alles mit liebevoller Detailversessenheit, und man merkt in jeder Szene, dass hier jemand am Werk war, der die Vorbilder des Genres nicht nur kennt, sondern innig liebt.


Auch dieser Film wurde bei seinem Erscheinen von der Kritik eher kühl empfangen, aber wie so oft bei Allen lohnt sich die Neubewertung. „Im Bann des Jade Skorpions" ist ein Film, der seinen Humor nicht aus Lautstärke oder Situationskomik zieht, sondern aus Sprache, Rhythmus und dem subversiven Vergnügen, Genrekonventionen mit eleganter Nonchalance zu unterlaufen.


Die Blu-ray-Veröffentlichung von One Gate Media


One Gate Media hat mit diesem Doppelpack eine sorgfältige und liebevoll kuratierte Veröffentlichung vorgelegt, die dem Anlass gerecht wird. Beide Filme profitieren auf Blu-ray sichtbar vom Format: Die Bildqualität ist scharf und farbtreu, die Aufnahmen der New Yorker Stadtkulisse und der sorgfältig eingerichteten Innenräume kommen mit angemessener Brillanz zur Geltung, ohne überschärft oder künstlich aufgehübscht zu wirken. Gerade „Im Bann des Jade Skorpions" mit seiner bewusst retro-anmutenden Ästhetik gewinnt durch die hochauflösende Präsentation erheblich. Auch der Ton überzeugt: Allens präzise Dialoge und die sorgfältig ausgewählten Jazz-Arrangements, die beide Filme atmosphärisch untermalen, kommen klar und ausgewogen aus den Lautsprechern.


Als Doppelpack ergibt die Zusammenstellung dabei mehr als die Summe ihrer Teile. Beide Filme teilen eine Handschrift, eine Liebe zum Wortwitz, zur Absurdität des Alltäglichen und zur Idee, dass Menschen in Situationen geraten, die sie vollkommen überfordern, und dass genau darin eine tiefe, menschliche Komik liegt. Sie stammen aus einer Phase, in der Allen mit einem Jahresrhythmus arbeitete und dabei Werke schuf, die von der Kritik oft zu schnell abgehakt wurden. Im direkten Vergleich und in der ruhigen Atmosphäre des Heimkinos entfalten sie jedoch einen Charme, der nachhallt.


Fazit: 

Das Woody Allen Double Feature von One Gate Media ist eine echte Empfehlung – für langjährige Allen-Fans, die diese Phase seines Werkes wiedersehen oder neu entdecken möchten, und für alle, die Komödien schätzen, die auf Intelligenz statt auf billige Lacher setzen. „Schmalspurgangoven" und „Im Bann des Jade Skorpions" sind zwei Filme, die mit zunehmender Distanz zu ihrem Erscheinungsjahr besser werden, weil man erkennt, wie viel handwerkliches Können, wie viel Liebe zum Genre und wie viel echter Wortwitz in ihnen steckt. In einer Zeit, in der Komödien dieser Art zur Seltenheit geworden sind, wirken sie fast wie Relikte aus einer besseren Ära des Unterhaltungskinos – und das ist keineswegs abwertend gemeint, sondern das höchste Lob, das man ihnen aussprechen kann. Unbedingt ansehen.