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The Empty Desk – Review (PS5)


Entwickler: Cheesecake Games | Publisher: JanduSoft / Eastasiasoft | Genre: Psychologischer Thriller / Narrative Adventure | Preis: ca. 10,49 € | Erschienen: 17. April 2026


Ein letzter Fall – und eine bröckelnde Wirklichkeit


Das Subgenre des Indie-Horror-Detektivspiels ist in den letzten Jahren zu einem wahren Dickicht geworden. Düstere Büros, flackerndes Licht, übernatürliche Erscheinungen, ein Protagonist am Rand des Wahnsinns – man kennt die Zutaten. The Empty Desk von Cheesecake Games, einem spanischen Solo-Entwickler, tritt mit einem durchaus vielversprechenden Konzept an, kann die Erwartungen am Ende aber nur bedingt erfüllen. Was bleibt, ist ein Spiel mit echtem atmosphärischen Potenzial, das sich selbst im Weg steht.


Geschichte: Bennett vor dem Abgrund


Man spielt Detective Thomas H. Bennett, erfahrener Mordermittler, genau eine Woche vor seiner wohlverdienten Rente. Natürlich wird es kein ruhiger Abgang. Bennett wird in einen letzten, unheimlichen Fall gezogen: den rätselhaften Tod des Wirtschaftsmagnaten Arthur Blackthorn sowie das spurlose Verschwinden seiner Tochter Emily. Die Ermittlungen führen ihn ins Hauptquartier von Blackthorn & Co, einem undurchsichtigen Firmenkonglomerat, das in fast jeden Lebensbereich hineinreicht – von Versicherungen über medizinische Forschung bis hin zu Weingütern und Kaffeeketten. Dahinter verbergen sich weit dunklere Absichten.


Was als klassische Detektivgeschichte beginnt, kippt schnell ins Surrealistische. Die Büroflure verbiegen sich, Räume verschieben sich, die Grenze zwischen Realität und Einbildung löst sich auf. Begleitet wird Bennett dabei von einem geisterhaften weiblichen Wesen, das als schweigsame Führerin durch die zunehmend alptraumhaften Etagen des Gebäudes fungiert und dessen Identität erst gegen Ende enthüllt wird. Das Spiel behandelt dabei ernste Themen wie psychische Gesundheit, emotionalen Burnout und die schleichende Entfremdung durch Jahrzehnte zermürbender Ermittlungsarbeit. Bennetts Fall ist eben auch ein innerer – das Bürogebäude wirkt wie eine physische Manifestation seiner eigenen zerbröselnden Psyche.


Die Geschichte selbst hat Stärken: Die Mythologie rund um Blackthorn & Co ist interessant angelegt, und die Enthüllungen am Ende fügen sich zu einem stimmigen, wenn auch nicht überraschenden Bild zusammen. Gelegentlich fühlt sich das Schreiben jedoch holprig an, und der Detektiv selbst bleibt als Figur etwas blass.


Gameplay: Ermittlung auf engstem Raum


Das Spiel ist in neun Kapitel unterteilt, die jeweils innerhalb des Gebäudes spielen und auf einem sich wiederholenden Schleifenprinzip basieren. Man läuft durch die Büroetagen, erhält ein übergeordnetes Ziel – etwa das Auffinden bestimmter Dokumente mit rotem Siegel, das Sichern von Videoaufnahmen oder das Rekonstruieren eines Tathergangs – und setzt dieses durch Erkundung um.


Die Kamera, die Bennett von dem Geist erhält, ist das zentrale Werkzeug zur Beweissicherung. Man fotografiert verdächtige Objekte und Hinweise und schreitet damit voran. Das klingt interessanter als es sich anfühlt: Die Steuerung der Kamera ist unintuitiv, und die Mechanik wirkt nicht vollständig durchdacht. Weder das Aufladen der Batterie noch das Verwalten aufgenommener Fotos wird ausreichend erklärt – ein kleines, aber spürbares Ärgernis.


Das grundlegende Ermittlungsprinzip ist zugänglich: Wer am Ende eines Abschnitts nicht genug Beweise gesammelt hat, muss die Schleife wiederholen, muss dabei aber nicht alle Hinweise von vorne suchen. Eine faire Regelung, die Frustration begrenzt. Dennoch entsteht durch das Wiederholungsschema schnell ein Gefühl von Monotonie.


Das Interaktionsproblem


Hier liegt der schwerwiegendste Designfehler. Das Büro von Blackthorn & Co wirkt auf den ersten Blick reich an Details – vollgestopfte Schreibtische, Aktenregale, mysteriöse Archivboxen. Doch fast nichts davon ist interagierbar. Man kann nur Türen öffnen, hinter denen sich spielrelevante Objekte befinden. Alles andere quittiert Bennett mit einem kurzen Kommentar wie „unnützes Zeug" und zieht weiter. Für ein Spiel, das so stark auf Atmosphäre und Detektivarbeit setzt, ist diese Leere kontraproduktiv. Die Welt lädt zur Erkundung ein – und bestraft diese Neugier mit Desinteresse.


Jump Scares mit An/Aus-Schalter


Eine durchaus originelle Entscheidung: Man kann Jump Scares in den Einstellungen aktivieren oder deaktivieren. Das ist eine lobenswerte Zugänglichkeitsoption. In der Praxis sind die Schreckelemente jedoch ohnehin recht schwach – die meisten davon stützen sich auf KI-generierte 2D-Kunst, die mehr zum Schmunzeln als zum Erschaudern einlädt. Einer der Jump Scares ist tatsächlich wirkungsvoll und überraschend inszeniert; der Rest ist vergesslich.


Präsentation: Kalt, klinisch – und das aus gutem Grund
Visuell ist The Empty Desk eine der wenigen echten Stärken des Spiels. Die Farbpalette ist entsättigt, dominiert von Grautönen, Blau und Schwarz-Weiß. Das schafft eine emotionale Distanz, die zur Geschichte passt: Das Büro wirkt kalt, klinisch, entmenschlicht. Die Umgebungen sind realistisch detailliert modelliert, wenn auch sehr statisch – kaum Animationen, kaum Leben außerhalb der Handlungsrelevanten. Durch Fenster sieht man eine Stadt, die selbst keinerlei Aktivität zeigt. Das mag gewollt sein, wirkt aber gelegentlich wie mangelndes Budget statt bewusstes Designentscheidung.


Die Musik und Soundgestaltung unterstützen die bedrückende Atmosphäre solid, ohne besonders im Gedächtnis zu bleiben. Sprachausgabe ist vorhanden – allerdings wurden laut eigenem Angaben des Entwicklers KI-generierte Stimmen für einige Lokalisierungen verwendet. Die deutschen Stimmen insbesondere wirken teils auffällig künstlich, was die ohnehin fragile Atmosphäre zusätzlich beeinträchtigt.


Umfang und Einordnung


Mit einer Spielzeit von etwa zwei bis dreieinhalb Stunden ist The Empty Desk klar als kompakte Erfahrung konzipiert. Es handelt sich um das erste Kapitel der geplanten Detective Bennett: Solved Cases-Reihe – ein Serienformat, das grundsätzlich Potenzial hat, sofern die Folgekapitel die Schwächen des Auftakts adressieren.


Zum Preis von rund zehn Euro ist die Erwartungshaltung entsprechend zu kalibrieren. Als ambitioniertes Soloprojekt eines Indie-Entwicklers verdient The Empty Desk Respekt für seine Themenwahl und seine atmosphärischen Ambitionen. Als fertig veröffentlichtes Produkt bleibt es jedoch hinter seinem eigenen Anspruch zurück.


Fazit


The Empty Desk ist ein Spiel, das mehr verspricht als es einlöst. Das Setting ist stimmungsvoll, die Themen sind relevant und der Kern der Geschichte hat echte Qualitäten. Doch mangelnde Interaktivität, eine unausgereifte Kameramechanik, schwache Schreckelemente und eine sich wiederholende Struktur zehren am Erlebnis.


Wer einen entspannten, kurzen Psychothriller sucht und mit den Grenzen eines kleinen Budgets leben kann, findet hier eine solide, wenn auch unspektakuläre Abendunterhaltung. Alle anderen sollten zumindest auf die Folgekapitel warten, um zu sehen, ob die Reihe ihr Potenzial noch entfalten kann.