My Hero Academia: All’s Justice – Ultimate Edition auf der PS5 versucht, das große, explosive Finale des beliebten Anime- und Manga-Universums in ein interaktives Actionspiel zu verwandeln – und setzt dabei voll auf spektakuläre Kämpfe, eine riesige Figurenpalette und maximalen Fanservice. Schon nach den ersten Minuten wird klar, dass hier kein realistischer Brawler entstehen sollte, sondern ein überdrehtes Superhelden-Feuerwerk, das die ikonischen Momente der Serie in spielbare Arenaduelle übersetzt. Statt komplizierter Simulation oder taktischer Tiefe steht der Spaß im Vordergrund: schnelle Combos, übertriebene Spezialattacken und ein visuelles Chaos aus Explosionen, Effekten und dramatischen Kamerawechseln, das stark an die Inszenierung des Anime erinnert.
Der Story-Modus bildet das Herzstück des Spiels und erzählt die entscheidenden Konflikte zwischen Helden und Schurken in einer Mischung aus Zwischensequenzen, Dialogen und Kämpfen nach. Spieler erleben die Ereignisse aus unterschiedlichen Perspektiven, wechseln zwischen bekannten Figuren und verfolgen die Eskalation des großen Konflikts Schritt für Schritt. Besonders Fans werden viele emotionale Szenen wiedererkennen, während Neueinsteiger zumindest einen Eindruck von den zentralen Charakteren und ihren Beziehungen bekommen. Allerdings bleibt die Erzählweise relativ linear, und wer die Handlung der Vorlage bereits kennt, wird selten überrascht. Die Inszenierung lebt eher von Energie und Tempo als von subtiler Charakterentwicklung.
Im Kern handelt es sich um einen klassischen Arena-Fighter, bei dem sich zwei Teams in frei begehbaren 3D-Arenen gegenüberstehen. Jede Figur bringt ihre eigenen Fähigkeiten, Stärken und Spezialmanöver mit, die sich spielerisch unterschiedlich anfühlen. Einige Charaktere setzen auf rohe Kraft und Nahkampf, andere dominieren aus der Distanz oder arbeiten mit schnellen Ausweichmanövern. Das Kampfsystem ist bewusst zugänglich gestaltet, sodass auch Gelegenheitsspieler schnell spektakuläre Combos ausführen können. Gleichzeitig bietet das Wechseln zwischen Teammitgliedern während eines Gefechts genug strategische Möglichkeiten, um zumindest eine gewisse Tiefe zu erzeugen. Besonders in intensiven Kämpfen entsteht ein hohes Tempo, bei dem schnelle Entscheidungen über Sieg oder Niederlage entscheiden.
Ein großer Pluspunkt ist die Präsentation auf der PS5. Das Spiel läuft flüssig, die Ladezeiten sind kurz und die Effekte sind knallig und übertrieben – genau so, wie man es von einem Anime-Brawler erwartet. Ultimative Attacken werden mit dramatischen Kamerafahrten, Slow-Motion-Sequenzen und übertriebenen Soundeffekten inszeniert, sodass sie sich wie Mini-Episoden anfühlen. Auch die Charaktermodelle orientieren sich stark am Stil der Vorlage und fangen die Wiedererkennbarkeit der Figuren gut ein. Die Umgebungen dagegen wirken teilweise funktional und weniger detailreich, was vor allem nach längeren Spielsessions auffällt. Sie erfüllen ihren Zweck als Kampfarenen, bleiben aber selten im Gedächtnis.
Langzeitmotivation entsteht vor allem durch die Vielzahl an spielbaren Figuren, alternative Kostüme und freischaltbare Inhalte. Gerade in der Ultimate Edition liegt der Fokus darauf, Spielern möglichst viele kosmetische Optionen und zusätzliche Extras zu bieten, mit denen sie ihre Lieblingscharaktere individualisieren können. Das sorgt für Abwechslung, ändert aber nichts daran, dass sich das grundlegende Gameplay nach vielen Stunden wiederholen kann. Arena-Fighter haben oft das Problem, dass sich erfolgreiche Strategien schnell einschleifen – und auch hier kann es passieren, dass Kämpfe nach einiger Zeit ähnlich ablaufen, wenn man immer wieder auf die gleichen Moves zurückgreift.
Im Mehrspieler-Modus zeigt sich das Spiel von seiner besten Seite. Gegen andere Spieler entfaltet das Kampfsystem mehr Dynamik, weil unvorhersehbare Taktiken und schnelle Reaktionen gefragt sind. Online-Duelle können sehr intensiv und spannend werden, besonders wenn beide Seiten ihre Figuren beherrschen. Gleichzeitig hängt der Spaß stark davon ab, wie stabil die Verbindung ist und ob man Gegner auf ähnlichem Spielniveau findet. Lokal mit Freunden gespielt entfaltet sich dagegen ein unkomplizierter Party-Charakter, der perfekt zum schnellen, actionreichen Gameplay passt.
Unterm Strich ist My Hero Academia: All’s Justice – Ultimate Edition ein Spiel, das sich klar an Fans richtet, die die Welt, Figuren und Kämpfe der Serie lieben und genau dieses Gefühl selbst erleben wollen. Es liefert explosive Action, eine beeindruckende Anzahl an Charakteren und eine Präsentation, die den Stil des Anime konsequent aufgreift. Wer hingegen einen tiefgründigen Prügler mit komplexen Systemen oder eine besonders abwechslungsreiche Kampagne erwartet, könnte sich nach einiger Zeit an der repetitiven Struktur stören. Als energiegeladene Hommage an das Superhelden-Universum funktioniert das Spiel jedoch hervorragend – laut, bunt und genau so übertrieben, wie man es von My Hero Academia erwarten würde.