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Mit Catwoman – Wenn sie Blut wittern legt Panini einen düsteren, internationalen Noir-Krimi vor, der Selina Kyle nicht als glamouröse Meisterdiebin zeigt, sondern als Frau, die von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Autorin Torunn Grønbekk – bekannt für ihre Arbeit an düsteren Marvel-Titeln wie Venom und Carnage – nutzt die Ausgaben CATWOMAN #75–78, um eine intensive, persönliche Geschichte zu erzählen, die stark auf Atmosphäre und psychologischer Spannung basiert.


Inhalt und Konzept


Im Zentrum steht ein bisher wenig beleuchteter Abschnitt aus Selina Kyles Vergangenheit: Unter dem Alias Evie Hall bewegte sie sich einst innerhalb der brutalen europäischen Verbrecherfamilie Belov. Jahre später kehrt diese Vergangenheit mit voller Wucht zurück, als ein Mitglied des Clans beginnt, Jagd auf sie zu machen. Die Handlung entfaltet sich als internationale Katz-und-Maus-Geschichte zwischen Tokio, Saint-Tropez und Budapest – Orte, die nicht nur exotische Schauplätze sind, sondern die emotionale Reise der Figur widerspiegeln.


Die Story setzt weniger auf klassische Superheldenaction als auf Spannung, Verrat und die Frage, wie sehr sich Menschen wirklich von ihrer Vergangenheit lösen können. Catwoman ist hier keine unantastbare Antiheldin, sondern verletzlich, vorsichtig und immer einen Schritt von alten Fehlern entfernt.


Figuren und Charakterzeichnung


Torunn Grønbekk gelingt eine bemerkenswert intime Darstellung von Selina Kyle. Die Figur wird nicht nur als geschickte Diebin gezeigt, sondern als jemand, der mit Schuld, Identität und Vertrauen ringt. Besonders gelungen ist die Balance zwischen ihrer coolen, selbstbewussten Fassade und inneren Zweifeln.


Die Mitglieder des Belov-Clans fungieren als gnadenlose Spiegel ihrer Vergangenheit. Zwar bleiben einige Nebenfiguren etwas archetypisch, doch sie erfüllen ihre Rolle innerhalb des Noir-Genres überzeugend: Bedrohungen, die weniger durch Superkräfte als durch Brutalität und emotionale Manipulation wirken.


Atmosphäre und Erzählstil


Die Geschichte trägt stark die Handschrift eines europäischen Krimis. Statt lauter Action dominieren Spannung, Intrigen und eine düstere, fast melancholische Grundstimmung. Rückblenden werden geschickt eingesetzt, um Selinas frühere Entscheidungen und deren Konsequenzen sichtbar zu machen. Das Tempo ist bewusst variabel: ruhige, nachdenkliche Passagen wechseln sich mit plötzlichen Gewaltausbrüchen ab.


Grønbekks Dialoge sind prägnant und oft kühl, was den Noir-Charakter unterstreicht. Gleichzeitig lassen sie genügend Raum für Subtext – vieles wird angedeutet statt offen ausgesprochen.


Zeichnungen und visuelle Umsetzung


Die Artwork-Beiträge von Patricio Delpeche und Danilo Beyruth ergänzen sich überraschend gut. Delpeche liefert klare, dynamische Sequenzen mit einem modernen Superheldenlook, während Beyruths Stil kantiger und atmosphärischer wirkt. Besonders stark sind die urbanen Kulissen: nächtliche Straßenzüge, luxuriöse Clubs und heruntergekommene Verstecke vermitteln ein Gefühl von Gefahr und Isolation.


Die Farbgebung unterstützt die Noir-Stimmung mit dunklen Tönen, starken Kontrasten und gelegentlichen neonfarbenen Akzenten – ein visueller Hinweis auf Selinas Doppelwelt zwischen Glamour und Gewalt.


Themen und Wirkung


Der Band behandelt Themen wie Identität, Loyalität und die Unmöglichkeit, sich vollständig neu zu erfinden. Statt einer klassischen Heldengeschichte erhält man eine Charakterstudie über Konsequenzen und moralische Grauzonen. Gerade Fans von düsteren Crime-Stories werden hier fündig, während Leserinnen und Leser, die spektakuläre Superheldenschlachten erwarten, sich auf eine ruhigere, introspektivere Erzählweise einstellen sollten.


Fazit


Catwoman – Wenn sie Blut wittern ist ein intensiver, stilistisch starker Noir-Comic, der Selina Kyle von ihrer verletzlichen Seite zeigt. Die Mischung aus internationalem Krimi, persönlichem Drama und düsterer Atmosphäre macht den Band zu einer spannenden Ergänzung moderner Catwoman-Stories. Kleine Schwächen bei manchen Nebenfiguren und ein bewusst zurückhaltendes Actionniveau ändern wenig daran, dass dieser Sammelband eine fesselnde, erwachsene Interpretation der Figur liefert.


Empfehlenswert für Fans von Catwoman, Noir-Krimis und charakterzentrierten Superheldengeschichten – besonders für Leserinnen und Leser, die eine komplexere, emotionalere Perspektive auf Selina Kyle suchen.