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Star Trek: Voyager - Across the Unknown

Star Trek: Voyager – Across the Unknown | Review (PS5)


Kurs auf Heimat – das Strategiespiel, auf das Trekkies jahrelang gewartet haben


Es gibt Videospiele, die ihre Lizenz verwalten, und es gibt solche, die sie wirklich verstehen. Star Trek: Voyager – Across the Unknown von Daedalic Entertainment und dem deutschen Entwicklerstudio Gamexcite gehört – trotz kleinerer Schwächen – eindeutig zur zweiten Kategorie.


Die Serie, die alles begann


Star Trek: Voyager lief von 1995 bis 2001 und war die vierte Live-Action-Serie im Trek-Universum. Im Mittelpunkt steht das Raumschiff U.S.S. Voyager unter dem Kommando von Captain Kathryn Janeway (Kate Mulgrew) – der ersten weiblichen Hauptfigur im Star-Trek-Franchise. Nach einem unfreiwilligen Sprung in den Delta-Quadranten, 70.000 Lichtjahre von der Erde entfernt, kämpft die bunt gemischte Crew aus Sternenflotten-Offizieren und ehemaligen Maquis-Rebellen darum, einen Weg nach Hause zu finden. Sieben Staffeln, unzählige fremde Zivilisationen, die bedrohlichen Borg als Dauerwidersacher und ikonische Charaktere wie der holographische Doktor oder Seven of Nine machten Voyager zu einer der beliebtesten Trek-Serien überhaupt – auch wenn sie unter Fans bis heute kontrovers diskutiert wird. Genau diese Vorlage, die epische Reise durch unbekannten Raum, ist wie geschaffen für ein Videospiel.


Dein Schiff, dein Weg


Das Herzstück von Across the Unknown ist ein faszinierendes „Was wäre wenn?"-Konzept. Das Spiel beginnt klassisch: Die Voyager wird in den Delta-Quadranten gerissen, die Crew ist desorientiert, die Ressourcen knapp. Doch ab diesem Punkt liegt alles in deinen Händen. Du spielst als Kapitän und entscheidest, wie du die Reise durch 12 Sektoren des Weltraums meisterst. Folgst du der Originaltimeline der Serie, oder schlägst du eigene Wege ein? Nutzt du Borg-Technologie, auch wenn Janeway das in der Serie stets ablehnte? Lässt du wichtige Charaktere ein riskantes Away-Mission durchführen, obwohl du weißt, dass es gefährlich wird?


Diese Entscheidungsfreiheit ist das Größte, was das Spiel zu bieten hat. Es fühlt sich an wie interaktive Fan-Fiction auf höchstem Niveau – respektvoll gegenüber dem Kanon, aber mutig genug, ihn in Frage zu stellen.


Schiff managen, Crew führen, überleben


Mechanisch ist Across the Unknown ein Story-getriebenes Survival-Strategiespiel mit Roguelike-Elementen. Das Schiffsmanagement steht dabei im Zentrum: Energieverteilung, Reparaturen, der Aufbau und Ausbau von Systemen – alles will bedacht sein. Ressourcen sind knapp, und jede Entscheidung hat Konsequenzen. Läuft der Antrieb auf Hochtouren, leidet die Energieversorgung für Waffen. Wird die Crew auf zu viele Away-Missionen geschickt, steigt die Erschöpfung und damit das Fehlerrisiko.


Die Crew selbst lässt sich leveln und weiterentwickeln, was dem Ganzen eine angenehme RPG-Tiefe verleiht. Jeder Charakter hat Stärken und Schwächen, und der Einsatz des richtigen Mannes bzw. der richtigen Frau am richtigen Ort kann entscheidend sein. Auch Technologieforschung spielt eine Rolle: Welche Upgrades priorisierst du? Welche ethischen Grenzen ziehst du?


Die Kämpfe sind taktisch und rundenbasiert, nie hektisch, aber oft nervenaufreibend. Wer glaubt, mit Phaser-Feuer allein durchzukommen, wird schnell eines Besseren belehrt. Diplomatie, Ablenkungsmanöver und cleveres Ressourcenmanagement sind oft wirkungsvoller als direkte Konfrontation – ganz im Geiste der Serie.


Liebe zum Detail


Was das Spiel wirklich auszeichnet, ist seine Authentizität. Die Logs zu Beginn jedes Sektors werden von Tim Russ und Robert Duncan McNeill eingesprochen – den Originalschauspielern von Tuvok und Tom Paris. Das ist keine Kleinigkeit. Es schafft sofort Atmosphäre und signalisiert, dass hier Menschen am Werk waren, denen die Vorlage am Herzen liegt. Die Texte, Dialoge und Charaktermomente fühlen sich wie verlängertes Serienuniversum an, nicht wie ein aufgepfropftes Lizenzprodukt.


Visuell bewegt sich das Spiel im soliden Mittelfeld. Die Raumszenen haben Stil, die Interface-Elemente sind klar und funktional, wirken aber stellenweise etwas nüchtern. Wer opulente Grafik erwartet, wird enttäuscht sein – wer ein atmosphärisch dichtes Strategie-Erlebnis sucht, kommt auf seine Kosten.


Roguelike-Frust und Lernkurve


Nicht alles ist Warp 9. Die Roguelike-Elemente bedeuten, dass du bei einem Scheitern von vorne anfängst – und das kann in längeren Runs frustrierend sein, gerade wenn man tief im Spiel einen dummen Fehler macht. Die Lernkurve ist anfangs steil, und das Tutorial erklärt manche Systeme nur oberflächlich. Wer sich nicht die Zeit nimmt, alle Mechaniken zu verstehen, wird früh und oft sterben – oder vielmehr: stranden.


Zudem wäre mehr Varianz in manchen Sektoren wünschenswert. Wer mehrere Runs spielt, wird feststellen, dass sich bestimmte Situationen und Texte wiederholen. Für ein Roguelike ist das ein spürbarer Schwachpunkt, der den Wiederspielwert langfristig etwas trübt.


Auf der PS5


Technisch läuft das Spiel auf der PS5 problemlos und flüssig. Die Ladezeiten sind kurz, was bei einem Spiel, das viele Entscheidungen und Konsequenzen simuliert, merklich zugutekommt. Der DualSense wird zurückhaltend, aber sinnvoll genutzt – etwa bei Treffern auf das Schiff, die sich leicht im Controller spürbar machen. Kein Showcase für die PS5-Hardware, aber eine saubere, gut optimierte Konsolen-Umsetzung.


Fazit


Star Trek: Voyager – Across the Unknown ist das Spiel, das Trekkies sich seit Jahrzehnten gewünscht haben. Es versteht, was Voyager ausmacht – die Einsamkeit des weiten Alls, die moralischen Dilemmata, den Zusammenhalt einer Crew unter Druck – und übersetzt das in ein Spielsystem, das fordert, überrascht und belohnt. Es ist kein perfektes Spiel, aber es ist ein ehrliches, liebevolles und spielerisch überzeugendes.


Für Star-Trek-Fans ist es ein Pflichtkauf. Für Strategie- und Roguelike-Freunde ohne Serienvorwissen ist es ein faszinierendes, wenn auch anspruchsvolles Erlebnis. Und für alle, die sich je gefragt haben, ob sie es besser hingekriegt hätten als Janeway – hier ist endlich die Chance, es zu beweisen.