Death Howl – Review (PS5)
Ein poetisches Labyrinth der Trauer
Es gibt Spiele, die einen packen, weil sie spektakulär sind. Und dann gibt es Spiele wie Death Howl, die einen packen, weil sie etwas zu sagen haben – und dabei auch noch verdammt gut spielbar sind.
11 bit studios, bekannt für die emotionale Wucht von This War of Mine und Frostpunk, bringt mit Death Howl ein Werk ins Portfolio, das thematisch nahtlos in diese Reihe düsterer, nachdenklich stimmender Erfahrungen passt. Diesmal kein Krieg, keine Apokalypse – sondern etwas noch Universelleres: Verlust.
Eine Mutter gegen den Tod
Die Geschichte folgt einer Mutter, die in die Geisterwelt hinabsteigt, um ihren verstorbenen Sohn zurückzuholen. Das klingt nach einem bekannten Mythos – und ist es auch. Aber Death Howl erzählt diese Geschichte mit stiller Würde. Keine dramatischen Cutscenes, keine aufgesetzte Dramatik. Stattdessen sprechen Umgebung, Kartentext und fragmentierte Visionen. Wer aufmerksam spielt, wird belohnt. Wer einfach durchrusht, verpasst das Herzstück des Spiels.
Soulslike trifft Deckbuilder – und es funktioniert
Das Kampfsystem ist der eigentliche Star. Death Howl verbindet die gnadenlose Strenge eines Soulslikes mit der taktischen Tiefe eines Deckbuilders – eine Kombination, die auf dem Papier riskant klingt, im Spiel aber erstaunlich organisch wirkt. Jeder Kampf fordert Überlegung: Welche Karten craftet man? Welche Totems nimmt man mit? Die Ressourcen sind knapp, die Feinde unerbittlich.
Das Crafting-System gibt dem Ganzen eine angenehme Langzeitmotivation. Neue Karten fühlen sich wie echte Entdeckungen an, nicht wie bloße Belohnungen. Und die Totems – mächtige Artefakte mit einzigartigen Effekten – eröffnen immer wieder neue strategische Möglichkeiten, die das Build-Crafting frisch halten.
Atmosphäre zum Anfassen
Visuell bewegt sich Death Howl in einer düsteren, handgezeichnet wirkenden Ästhetik, die an Holzschnitte und alte Folklore erinnert. Die Geisterwelt fühlt sich fremd, traurig und seltsam schön an. Der Soundtrack unterstreicht das mit zurückhaltendem, leicht disonantem Ambient – nicht aufdringlich, aber stets präsent.
Auf der PS5 läuft das Spiel butterweich, die schnellen Ladezeiten kommen dem oft zermürbenden Trial-and-Error-Prinzip des Soulslikes sehr zugute. Der DualSense wird solide eingesetzt, ohne zu übertreiben.
Kleine Schwächen
Wer kein Freund von Permadeath-nahen Mechaniken ist, wird anfangs frustriert sein. Der Einstieg ist bewusst unbarmherzig, und die Lernkurve steil. Gelegentlich wirkt das Pacing der Geisterwelt etwas zäh – manche Abschnitte ziehen sich länger als nötig, bevor ein wirklicher Höhepunkt erreicht wird.
Fazit
Death Howl ist kein Spiel für zwischendurch. Es ist ein Erlebnis, das Zeit, Geduld und emotionale Offenheit verlangt – und diese großzügig zurückzahlt. 11 bit studios beweist einmal mehr, dass sie Meister darin sind, schwere menschliche Themen in Spielmechaniken zu übersetzen. Wer bereit ist, sich auf diese Reise einzulassen, findet hier eines der eindringlichsten Soulslike-Erlebnisse der letzten Jahre.