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Mit Code Vein 2 kehrt Bandai Namco in die düstere Anime-Soulslike-Welt zurück und versucht, die Stärken des Vorgängers auszubauen, ohne dessen Identität zu verlieren. Das Ergebnis ist ein ambitioniertes Action-RPG, das mit intensiven Kämpfen, stilvollem Design und neuen Ideen punktet, sich jedoch nicht immer von seinen eigenen Schwächen befreien kann.


Die Handlung setzt erneut in einer postapokalyptischen Welt an, in der die sogenannten Revenants – vampirähnliche Wesen – ums Überleben kämpfen. Ein mysteriöses Phänomen droht, diese Unsterblichen in willenlose Monster zu verwandeln, was den Spieler auf eine Reise schickt, die nicht nur durch zerstörte Städte und gefährliche Gebiete führt, sondern auch durch verschiedene Zeitebenen. Die Geschichte greift größere Themen wie Schicksal, Opfer und Hoffnung auf, bleibt dabei aber stark im typischen Anime-Drama verankert. Zwar sind die Charaktere stilvoll inszeniert und emotional angelegt, doch nicht jede erzählerische Idee wird konsequent zu Ende geführt, wodurch die Story stellenweise an Tiefe verliert.


Das Herzstück von Code Vein 2 ist erneut das Kampfsystem. Hier zeigt sich die größte Weiterentwicklung gegenüber dem ersten Teil. Die Gefechte sind schnell, präzise und fordern gutes Timing sowie taktisches Denken. Durch das flexible Blood-Code-System lassen sich Spielstile jederzeit anpassen, ohne einen neuen Charakter erstellen zu müssen. Ob schwer gepanzerter Nahkämpfer, wendiger Assassine oder kampfstarker Hybrid – das Spiel bietet eine enorme Vielfalt an Builds. Ergänzt wird dies durch neue Waffenarten, verbesserte Kombos und mächtige Spezialfähigkeiten, die jedem Kampf eine hohe Dynamik verleihen.


Eine wichtige Rolle spielt erneut das Partner-System. KI-Begleiter unterstützen nicht nur im Kampf, sondern eröffnen neue strategische Möglichkeiten, indem sie Fähigkeiten verstärken oder im Notfall eingreifen. Dieses System senkt die Einstiegshürde für weniger erfahrene Spieler, ohne die Herausforderung für Soulslike-Veteranen vollständig zu entschärfen. Dennoch wirkt die KI nicht immer zuverlässig und zeigt gelegentlich Schwächen in komplexeren Situationen.


Die Spielwelt ist deutlich größer angelegt als im Vorgänger und versucht sich an offeneren Arealen. Atmosphärisch gelingt das stellenweise sehr gut: Verlassene Städte, verfallene Forschungsanlagen und düstere Landschaften erzeugen eine bedrückende Stimmung. Gleichzeitig leidet das Leveldesign jedoch unter Wiederholungen. Viele Gebiete ähneln sich optisch und spielerisch, was die Erkundung mit zunehmender Spielzeit weniger spannend macht. Auch die Gegnerauswahl variiert nicht stark genug, sodass sich Kämpfe in längeren Abschnitten routiniert anfühlen können.


Technisch zeigt die PS5-Version leider Schwächen. Trotz moderner Hardware kommt es zu Framerate-Einbrüchen, vor allem in größeren Arealen oder bei besonders effektlastigen Kämpfen. Auch Texturen und Ladeübergänge wirken nicht immer auf dem Niveau, das man von einem aktuellen Action-RPG erwartet. Diese Probleme beeinträchtigen zwar nicht dauerhaft den Spielspaß, sind aber gerade in einem präzisen Kampfsystem spürbar und bremsen das ansonsten flüssige Gameplay aus.


Audiovisuell bleibt Code Vein 2 seinem Stil treu. Die Charakterdesigns sind auffällig, überzeichnet und klar im Anime-Stil verankert. Der Soundtrack unterstützt die düstere Atmosphäre gut, ohne jedoch wirklich ikonische Akzente zu setzen. Besonders in Bosskämpfen sorgt die Musik dennoch für die nötige Intensität.


Unterm Strich ist Code Vein 2 ein Spiel mit großer Vision und spürbarer Leidenschaft. Es bietet tiefgehende Kampfsysteme, hohe Build-Vielfalt und eine stimmungsvolle Welt, wird jedoch von technischen Problemen und einem stellenweise monotonen Weltdesign ausgebremst. Fans des ersten Teils und Liebhaber von Anime-Soulslikes werden hier viele Stunden Spaß finden, während Neueinsteiger oder technisch anspruchsvolle Spieler etwas Geduld mitbringen müssen.


Code Vein 2 ist kein perfektes Action-RPG, aber ein mutiger Schritt nach vorne – eines, das zeigt, wie viel Potenzial in dieser Reihe steckt, auch wenn nicht jede Idee vollständig aufgeht. Wenn Bandai Namco die technischen Schwächen in den Griff bekommt, könnte der Titel langfristig zu einem der interessantesten Vertreter seines Genres heranwachsen.