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Wenn Superhelden auf Cartoon-Chaos treffen


Mit der "DC und die Looney Tunes Deluxe Edition" präsentiert Panini Comics eine der ungewöhnlichsten und gleichzeitig erfrischendsten Crossover-Ideen der letzten Jahre. Was passiert, wenn die ikonischen Superhelden des DC-Universums auf die anarchischen Cartoon-Figuren der Looney Tunes treffen? Eine explosive Mischung aus Action, Humor und Nostalgie – verpackt in einer hochwertigen Deluxe-Ausgabe, die sowohl Comic-Nerds als auch Cartoon-Fans begeistern dürfte.


Das Konzept – Genial oder größenwahnsinnig?


Auf den ersten Blick klingt die Idee absurd: Batman trifft Elmer Fudd, Wonder Woman begegnet dem Tasmanischen Teufel, Lobo kreuzt die Wege mit dem Road Runner. Doch genau in dieser scheinbaren Absurdität liegt die Stärke des Projekts. DC Comics und Warner Bros. haben hier zwei ihrer größten Franchises zusammengebracht und daraus etwas geschaffen, das weit mehr ist als eine billige Marketing-Gag.


Die Deluxe Edition versammelt verschiedene One-Shots und Specials, in denen jeweils ein DC-Held oder Schurke auf eine Looney-Tunes-Figur trifft. Jede Geschichte funktioniert eigenständig, hat ihren eigenen Ton und ihre eigene künstlerische Vision – was für Abwechslung sorgt und verhindert, dass das Konzept schnell abgenutzt wirkt.


Die einzelnen Geschichten


Batman/Elmer Fudd
Einer der Höhepunkte der Sammlung ist zweifellos das Aufeinandertreffen von Batman und Elmer Fudd. In einer noir-inspirierten Geschichte wird Fudd als Kopfgeldjäger dargestellt, der in Gotham City auf der Jagd nach Bugs Bunny ist – der hier als zwielichtiger Barbesitzer auftritt. Die Geschichte ist überraschend düster, atmosphärisch dicht und spielt geschickt mit den Noir-Elementen klassischer Batman-Comics.


Was diese Geschichte so besonders macht, ist der Respekt vor beiden Welten. Elmer Fudd wird nicht zur Lachnummer degradiert, sondern als ernstzunehmender Charakter in diesem dunklen Setting etabliert. Die Kunst von Lee Weeks ist herausragend – atmosphärisch, detailreich und perfekt auf den Film-Noir-Stil abgestimmt.


Wonder Woman/Tasmanischer Teufel
Dieser Crossover bringt Wonder Woman nach Down Under, wo sie auf den Tasmanischen Teufel trifft. Die Geschichte mischt griechische Mythologie mit australischem Outback-Flair und dem chaotischen Energielevel des Taz. Tony Bedard schreibt eine actionreiche, humorvolle Geschichte, die zeigt, dass auch Wonder Woman gelegentlich von der anarchischen Energie der Looney Tunes überfordert sein kann.


Die Dynamik zwischen der disziplinierten Amazone und dem wilden, unberechenbaren Teufel sorgt für unterhaltsame Kontraste. Die Zeichnungen von Barry Kitson fangen sowohl die epische Größe von Wonder Woman als auch die cartoonhafte Übertreibung des Taz perfekt ein.


Lobo/Road Runner
Absolut wahnsinnig und grandios zugleich: Lobo, der intergalaktische Kopfgeldjäger und Anti-Held, wird angeheuert, um den Road Runner zu jagen. Was folgt, ist eine wortlose (!) Geschichte voller Explosionen, ACME-Produkte und Lobos zunehmendem Frust über die Unmöglichkeit, den schnellsten Vogel des Universums zu fangen.


Diese Geschichte ist eine brillante Hommage an die klassischen Road Runner/Wile E. Coyote-Cartoons, nur mit kosmischem Budget und der ultraviolenten Ästhetik von Lobo. Kelley Jones' Artwork ist so übertrieben und expressiv wie die Geschichte selbst – ein visuelles Fest, das die Essenz beider Charaktere perfekt einfängt.


Weitere Pairings
Die Deluxe Edition enthält weitere geniale Kombinationen:
Martian Manhunter/Marvin der Marsmensch: Eine Geschichte über außerirdische Identität und Zugehörigkeit, die überraschend emotional wird, während sie gleichzeitig die Absurdität der Looney-Tunes-Logik zelebriert.
Jonah Hex/Yosemite Sam: Ein Western-Showdown, wie er im Buche steht. Zwei der bösartigsten Revolverhelden ihrer jeweiligen Universen treffen aufeinander – mit vorhersehbar explosiven Ergebnissen.
Lex Luthor/Porky Pig: Eine ungewöhnliche, aber faszinierende Paarung, die Luthors größenwahnsinnige Pläne mit Porkys gutmütiger Unbedarftheit konfrontiert.
Green Lantern/Space Jam: Eine Verbindung zu einem der bekanntesten Looney-Tunes-Crossover überhaupt, mit intergalaktischen Basketballspielen und Willenskraft-Konstrukten.


Künstlerische Vielfalt


Eine der größten Stärken der Deluxe Edition ist die künstlerische Bandbreite. Jede Geschichte hat ihr eigenes visuelles Flair, von düsterem Noir über bunten Cartoon-Stil bis zu kosmischem Space-Opera-Design. Die verschiedenen Zeichner – darunter Größen wie Lee Weeks, Barry Kitson, Kelley Jones und Tom Grummett – bringen ihre individuellen Stile ein, was die Sammlung zu einem visuellen Fest macht.


Besonders bemerkenswert ist, wie die Künstler die Looney-Tunes-Charaktere in die jeweiligen DC-Settings integrieren. Manchmal werden die Cartoon-Figuren realistischer dargestellt, manchmal bleiben sie bewusst cartoonhaft – immer aber passend zum Ton der jeweiligen Geschichte. Diese Balance zwischen den unterschiedlichen visuellen Sprachen ist schwierig, aber hier meisterhaft gelungen.


Die Farbgebung variiert ebenfalls stark: von den gedämpften, noir-inspirierten Tönen in "Batman/Elmer Fudd" über die leuchtenden, bunten Paletten anderer Geschichten bis zu den kosmischen Farbexplosionen bei "Lobo/Road Runner". Jede Geschichte hat ihre eigene visuelle Identität.


Humor und Ton


Der Humor der Sammlung ist vielschichtig und funktioniert auf mehreren Ebenen. Für jüngere Leser gibt es die physische Komik und die visuellen Gags, die den Looney Tunes eigen sind. Erwachsene Comic-Fans werden die Meta-Ebenen, Anspielungen auf Comic-Historie und die cleveren Dekonstruktionen von Superhelden-Tropes zu schätzen wissen.


Die Geschichten nehmen sich selbst nicht zu ernst, ohne dabei ihre Charaktere zu verraten. Batman bleibt der dunkle Ritter, auch wenn er mit Cartoon-Logik konfrontiert wird. Die Looney Tunes behalten ihre anarchische Energie, auch in den ernsteren DC-Settings. Diese Balance zwischen Respekt vor dem Material und selbstironischem Humor ist einer der Schlüssel zum Erfolg des Projekts.


Manche Geschichten sind absichtlich absurd und übertrieben, andere überraschend nachdenklich. "Martian Manhunter/Marvin der Marsmensch" etwa thematisiert Isolation und das Gefühl, nicht dazuzugehören – Themen, die beide Charaktere verbinden. "Batman/Elmer Fudd" ist eine lupenreine Noir-Geschichte, die zufällig Looney-Tunes-Charaktere enthält.


Die Deluxe Edition von Panini – Ausstattung und Qualität


Panini Comics hat mit dieser Deluxe Edition ganze Arbeit geleistet. Die Aufmachung ist hochwertig und dem besonderen Status dieser Crossover-Sammlung angemessen.


Buchformat und Verarbeitung


Die Ausgabe kommt im größeren Deluxe-Format daher, das den kunstvollen Zeichnungen den nötigen Raum gibt, um zu wirken. Der Hardcover-Einband ist stabil und hochwertig verarbeitet, mit einem ansprechenden Cover-Design, das beide Welten – DC und Looney Tunes – visuell vereint.


Die Bindung ist solide, das Buch lässt sich gut aufschlagen, ohne dass man Angst haben muss, dass Seiten herausfallen oder der Buchrücken bricht. Das Papier ist von guter Qualität – dick genug, um ein Durchscheinen zu verhindern, und mit einer Oberflächenstruktur, die den Farben gerecht wird.


Druckqualität


Die Druckqualität ist exzellent. Die Farben sind brillant und kräftig, Schwarztöne satt und tief. Die verschiedenen künstlerischen Stile kommen optimal zur Geltung – von den gedämpften Noir-Tönen bis zu den knalligen Cartoon-Farben. Details in den Zeichnungen sind scharf und klar erkennbar, selbst in actionreichen Panels mit vielen Elementen.


Panini hat hier offensichtlich Wert darauf gelegt, das Originalmaterial bestmöglich zu präsentieren, und das zahlt sich aus. Die Qualität der deutschen Ausgabe steht dem amerikanischen Original in nichts nach.


Extras und Bonusmaterial


Die Deluxe Edition enthält neben den Hauptgeschichten auch Bonusmaterial:
Variant Cover Gallery: Eine Sammlung alternativer Coverversionen, die zeigen, wie unterschiedlich Künstler diese ungewöhnlichen Crossover interpretiert haben. Von klassisch bis experimentell ist alles dabei.


Skizzen und Konzeptzeichnungen: Einblicke in den Entstehungsprozess einzelner Geschichten, von ersten Charakterskizzen bis zu detaillierten Layouts. Besonders spannend für alle, die sich für den kreativen Prozess hinter Comics interessieren.


Autorenbeiträge: Kurze Statements der beteiligten Autoren und Künstler, in denen sie ihre Herangehensweise an diese ungewöhnlichen Crossover erklären.


Übersetzung und Lettering


Die deutsche Übersetzung ist gelungen und trifft den Ton der Originalgeschichten. Besonders bei den Looney Tunes ist das wichtig, da diese Charaktere ihre eigenen sprachlichen Eigenheiten haben. Die Übersetzer haben hier gute Arbeit geleistet und den Humor transportiert, ohne gekünstelt zu wirken.


Das deutsche Lettering fügt sich nahtlos in die Panels ein und stört nicht den Lesefluss. Soundeffekte wurden sinnvoll übersetzt oder im Original belassen, wo es passt.


Für wen ist diese Deluxe Edition geeignet?


Diese Sammlung hat eine breite Zielgruppe:
Comic-Fans: Die DC-Helden werden respektvoll behandelt und in interessanten Konstellationen gezeigt. Die verschiedenen künstlerischen Ansätze bieten für jeden Geschmack etwas.


Looney-Tunes-Nostalgiker: Wer mit Bugs Bunny, Daffy Duck und Co. aufgewachsen ist, wird die liebevolle Integration dieser Charaktere in neue Kontexte zu schätzen wissen.


Crossover-Liebhaber: Fans ungewöhnlicher Teamups und experimenteller Geschichten kommen voll auf ihre Kosten.


Sammler: Die hochwertige Deluxe-Ausgabe macht sich hervorragend im Regal und ist auch als Geschenk geeignet.


Einsteiger: Durch die in sich abgeschlossenen Geschichten können auch Comic-Neulinge problemlos einsteigen, ohne jahrzehntelange Continuity kennen zu müssen.


Die Geschichten sind grundsätzlich all-ages-tauglich, wobei manche (wie "Batman/Elmer Fudd") durchaus düsterer sind und eher für ältere Leser/Jugendliche geeignet sein dürften.


Vergleich mit anderen Crossovern


Im Vergleich zu anderen Comic-Crossovern (wie Marvel/Star Wars, DC/Hanna-Barbera oder verschiedene Publisher-übergreifende Events) schlägt sich "DC und die Looney Tunes" sehr gut. Das Projekt nimmt sich selbst nicht zu ernst, liefert aber trotzdem qualitativ hochwertige Geschichten. Es ist weniger ein billiger Gimmick als eine liebevolle Hommage an beide Franchises.


Die Tatsache, dass beide Properties unter dem Warner-Bros.-Dach sind, macht das Crossover natürlich logistisch einfacher, aber die kreative Ausführung ist das, was zählt – und die stimmt hier.


Fazit


"DC und die Looney Tunes Deluxe Edition" ist eine überraschend gelungene, unterhaltsame und hochwertig produzierte Sammlung, die beweist, dass scheinbar absurde Crossover-Ideen funktionieren können, wenn sie mit Respekt, Kreativität und Können umgesetzt werden.


Die Kombination aus verschiedenen Erzählstilen, der künstlerischen Vielfalt und der Balance zwischen Humor und ernsthaften Superhelden-Geschichten macht diese Edition zu einem Highlight für Comic-Fans jeden Alters. Ob man nun für die düstere Noir-Atmosphäre von "Batman/Elmer Fudd", das anarchische Chaos von "Lobo/Road Runner" oder die emotionale Tiefe von "Martian Manhunter/Marvin" kommt – es ist für jeden etwas dabei.


Panini Comics hat mit der deutschen Deluxe-Ausgabe eine hochwertige Veröffentlichung vorgelegt, die dem Material gerecht wird und im Regal eine gute Figur macht. Trotz kleinerer Schwächen bei einzelnen Geschichten und dem vergleichsweise hohen Preis ist dies eine klare Kaufempfehlung für alle, die Spaß an unkonventionellen Comics haben.