Nextgengamersnet
Games, Movies and more
 
 
 


Mit Good Fortune gelingt Aziz Ansari eine ungewöhnliche Hollywood-Komödie, die weit über das hinausgeht, was das Genre normalerweise bietet. Der Film verbindet Fantasy-Elemente mit gesellschaftlicher Satire und emotionalem Drama und stellt dabei eine Frage, die so alt ist wie der Kapitalismus selbst: Macht Geld glücklich? Ansari nähert sich diesem Thema nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Humor, Ambivalenz und einer überraschenden Ehrlichkeit, die dem Film eine besondere Tiefe verleiht.


Im Zentrum der Geschichte steht der gutmütige, aber unbeholfene Schutzengel Gabriel, gespielt von Keanu Reeves. Eigentlich besteht seine Aufgabe darin, Menschen vor Unfällen zu bewahren, doch Gabriel fühlt sich zu Größerem berufen. Als er auf den verzweifelten Gelegenheitsarbeiter Arj trifft, der in seinem Auto schläft und trotz harter Arbeit kaum über die Runden kommt, beschließt er, ihm eine Lektion über den vermeintlich trügerischen Wert von Reichtum zu erteilen. Für einige Tage tauscht Arj das Leben mit dem Selfmade-Millionär Jeff, der in einer luxuriösen Villa mit Pool lebt und scheinbar alles erreicht hat. Doch der Plan des Engels geht nicht auf. Statt zu erkennen, dass Geld nicht glücklich macht, genießt Arj den plötzlichen sozialen Aufstieg in vollen Zügen. Als Gabriel versucht, den Tausch rückgängig zu machen, gerät das Leben aller Beteiligten außer Kontrolle – mit Konsequenzen, die weit über eine simple moralische Pointe hinausgehen.


Aziz Ansari beweist als Regisseur und Drehbuchautor ein feines Gespür für die Widersprüche moderner Gesellschaften. Sein Humor ist pointiert, oft ironisch und gelegentlich bitter, ohne jemals in Zynismus oder platte Moralpredigten abzurutschen. Gerade die Weigerung, einfache Antworten zu liefern, macht Good Fortune so interessant. Der Film zeigt nicht den moralisch überlegenen Armen und den moralisch verkommenen Reichen, sondern zeichnet Figuren, die glaubwürdig, widersprüchlich und menschlich sind. Arj ist keine idealisierte Leidensfigur, sondern jemand, der die Vorteile von Reichtum realistisch erkennt und genießt. Jeff wiederum ist kein eindimensionaler Bösewicht, sondern ein Produkt eines Systems, das Erfolg belohnt und soziale Ungleichheit normalisiert.


Keanu Reeves überrascht in der Rolle des Schutzengels mit einer ungewöhnlich komischen, zugleich melancholischen Performance. Sein Gabriel wirkt wie ein bürokratischer Angestellter des Himmels, der an eine moralische Ordnung glaubt, die in der Realität immer wieder scheitert. Reeves’ zurückhaltendes Spiel verleiht der Figur eine subtile Tragik, die den Film emotional erdet. Seth Rogen überzeugt als Jeff mit einer differenzierten Darstellung eines modernen Selfmade-Millionärs, dessen Selbstverständnis zwischen ehrlicher Arbeitsethik und blindem Privileg oszilliert. Ansari selbst macht Arj zur emotionalen Achse des Films und verleiht der Figur eine Authentizität, die die soziale Realität vieler Menschen widerspiegelt.


Formal bleibt Good Fortune bewusst unspektakulär. Die Inszenierung verzichtet auf visuelle Effekthascherei und setzt stattdessen auf Kontraste zwischen den Lebenswelten der Figuren. Die karge, hektische Realität von Arjs Alltag steht der lichtdurchfluteten, großzügigen Luxuswelt von Jeff gegenüber. Diese visuelle Gegenüberstellung funktioniert nicht nur als ästhetisches Mittel, sondern als erzählerisches Statement über soziale Ungleichheit. Tonal bewegt sich der Film zwischen Komödie, Fantasy und Sozialdrama, wobei nicht jeder Übergang perfekt gelingt. Vor allem im Mittelteil verliert die Geschichte zeitweise an Dynamik, doch im letzten Drittel gewinnt sie deutlich an emotionaler und thematischer Schärfe.


Die Blu-ray-Veröffentlichung von Leonine präsentiert den Film in solider Qualität. Das Bild überzeugt mit klaren Kontrasten und stabiler Schärfe, während die Tonabmischung vor allem in dialoglastigen Szenen ihre Stärken ausspielt. Besonders die unterschiedlichen Klangwelten der sozialen Milieus werden sauber herausgearbeitet. Das Bonusmaterial fällt umfangreich, wenn auch klassisch aus. Interviews mit Cast und Crew bieten interessante Einblicke in die Entstehung des Films und die gesellschaftlichen Ideen hinter dem Drehbuch, während das rund einstündige B-Roll-Material vor allem für Fans einen vertieften Blick hinter die Kulissen ermöglicht.


Insgesamt ist Good Fortune eine intelligente, ungewöhnlich ehrliche Komödie, die sich weigert, die Realität sozialer Ungleichheit mit einfachen Botschaften zu beschönigen. Der Film zeigt, dass Reichtum nicht automatisch glücklich macht, aber Armut sehr wohl unglücklich. Gerade diese unbequeme Erkenntnis verleiht der Geschichte ihre Kraft. Aziz Ansari gelingt damit ein Werk, das sowohl unterhält als auch nachhallt – eine seltene Kombination im modernen Mainstream-Kino. Good Fortune ist keine perfekte, aber eine bemerkenswert kluge Komödie, die den Mythos vom Glück durch Geld nicht zerstört, sondern kritisch hinterfragt und neu verhandelt.