Mit Dracula – Die Auferstehung kehrt Luc Besson zu einem Stoff zurück, der wie gemacht scheint für seine große, opernhafte Bildsprache: die tragische Unsterblichkeit eines Mannes, der aus Liebe zum Monster wird. Bessons Version des Mythos setzt weniger auf reinen Horror als auf düstere Romantik, existenzielle Schuld und die zerstörerische Kraft von Verlust – und findet darin ihre größte Stärke.
Die Ursprungsgeschichte ist klassisch, aber emotional zugespitzt: Im 15. Jahrhundert verliert der transsilvanische Prinz Vlad II, Graf von Dracul, seine geliebte Frau Elisabeta. In maßloser Trauer und rasender Wut wendet er sich von Gott ab, tötet einen Priester und verflucht die Kirche. Die Strafe folgt unmittelbar: ewiges Leben. Aus dem Menschen wird Dracula, verdammt dazu, Jahrhunderte zu überdauern, getrieben von der finsteren Hoffnung, seiner großen Liebe eines Tages wiederzubegegnen. 400 Jahre später glaubt er, sie in Paris gefunden zu haben – in der geheimnisvollen Mina.
Christoph Waltz verleiht Dracula eine bemerkenswerte Ambivalenz. Sein Spiel ist kontrolliert, fast kühl, und doch von tiefer Melancholie durchzogen. Waltz’ Dracula ist kein reißerischer Schreckensfürst, sondern ein gebrochener Aristokrat, dessen Grausamkeit ebenso aus Verzweiflung wie aus Überdruss an der Ewigkeit entsteht. In stillen Momenten – einem Blick, einer Pause im Dialog – liegt mehr Tragik als in mancher expliziten Gewaltszene. Waltz trägt den Film mit Präsenz und Würde und macht die Figur glaubwürdig als tragischen Antihelden.
Caleb Landry Jones fügt dem Film eine nervöse, unberechenbare Energie hinzu. Seine Rolle (als Gegenspieler oder moralischer Spiegel Draculas) lebt von innerer Zerrissenheit und einer fast fiebrigen Intensität. Jones spielt mit einer rohen Emotionalität, die einen spannenden Kontrast zu Waltz’ kontrollierter Darstellung bildet. Wo Dracula jahrhundertelang gelernt hat, seine Gefühle zu beherrschen, bricht bei Jones’ Figur alles ungefiltert hervor.
Zoe Bleu überzeugt als Mina durch eine zurückhaltende, zugleich rätselhafte Präsenz. Sie ist nicht bloß Projektionsfläche für Draculas Sehnsucht, sondern eine Figur mit eigener emotionaler Gravitation. Bleu gelingt es, Verletzlichkeit und innere Stärke zu verbinden, wodurch die Beziehung zwischen Mina und Dracula mehr ist als eine bloße Wiederholung eines alten Schicksals. Gerade diese Nuancierung verleiht der Liebesgeschichte eine moderne Note.
Luc Besson inszeniert den Film mit großem visuellen Anspruch. Die Bilder wechseln zwischen der düsteren Wucht des Mittelalters und dem eleganten, leicht entrückten Paris der Gegenwart. Besson setzt auf starke Kontraste: sakrale Räume gegen urbane Nachtlandschaften, Blut und Kerzenlicht gegen kaltes Neon. Dabei dominiert ein elegischer Ton, der den Film eher wie eine dunkle Ballade wirken lässt als wie einen klassischen Vampirthriller. Nicht jede Szene ist frei von Pathos, doch genau dieses Übermaß gehört zu Bessons Handschrift und passt hier erstaunlich gut zum Stoff.
Inhaltlich interessiert sich Dracula – Die Auferstehung weniger für Mythologie im Detail als für emotionale Konsequenzen: Was bedeutet es, ewig zu leben, wenn der eigentliche Lebenssinn verloren ging? Diese Frage zieht sich konsequent durch den Film und verleiht ihm eine nachdenkliche Tiefe.
Die neue Blu-ray von Leonine, die am 13. Februar erscheint, bringt diese visuelle Opulenz besonders gut zur Geltung. Kontraste, Farbgebung und Detailreichtum der nächtlichen Szenen profitieren deutlich von der hochauflösenden Präsentation und unterstreichen Bessons bildgewaltige Inszenierung.
Unterm Strich ist Dracula – Die Auferstehung kein klassischer Horrorfilm, sondern ein düster-romantisches Drama über Liebe, Schuld und Unsterblichkeit. Dank eines starken Ensembles – allen voran Christoph Waltz – und Luc Bessons stilbewusster Regie ist der Film eine eigenständige, melancholische Neuinterpretation des Dracula-Mythos, die vor allem durch Atmosphäre und emotionale Wucht in Erinnerung bleibt.
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