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The Perfect Pencil ist kein Spiel, das man einfach „durchspielt“. Es ist ein Erlebnis, das man erkundet, interpretiert und emotional verarbeitet. Als storygetriebener Action-Plattformer entführt der Titel die Spieler:innen in ein bizarr gezeichnetes Königreich, das nichts weniger darstellt als die zersplitterte Psyche seines Protagonisten John. Schon nach kurzer Zeit wird klar: Hier geht es nicht um Eskapismus, sondern um eine sehr persönliche Reise durch Angst, Identität und Selbstfindung.

Im Mittelpunkt steht John, dessen besondere Fähigkeit der „Analyse“ das zentrale spielerische und erzählerische Element bildet. Mit ihr kann er Dinge sehen und verstehen, die anderen verborgen bleiben. Diese Mechanik ist weit mehr als ein simples Gameplay-Gimmick: Sie lädt dazu ein, die Welt aufmerksam zu lesen, Dialoge zu hinterfragen und scheinbar belanglose Details ernst zu nehmen. Wer vom vorgegebenen Weg abweicht, wird häufig mit versteckten Informationen, zusätzlicher Hintergrundgeschichte oder leisen, aber wirkungsvollen Momenten belohnt. The Perfect Pencil vertraut dabei auf die Neugier der Spieler:innen – und das zahlt sich aus.

Spielerisch verbindet der Titel klassisches 2D-Plattforming mit fordernden Passagen und intensiven Bosskämpfen. Letztere sind klar symbolisch aufgeladen: Jede dieser monströsen Begegnungen steht für einen Aspekt von Johns inneren Konflikten, seien es Angst, Selbstzweifel oder verdrängte Erinnerungen. Die Kämpfe verlangen präzises Timing und Konzentration, wirken dabei aber nie willkürlich. Schwierigkeit und Bedeutung greifen sinnvoll ineinander und verstärken die emotionale Wirkung.

Besonders hervorzuheben ist der handgezeichnete Grafikstil. Die Welt wirkt gleichzeitig kindlich und verstörend, mit bewusst verzerrten Proportionen, eigenwilligen Charakterdesigns und surrealen Umgebungen. Auf der Nintendo Switch kommt dieser Stil gut zur Geltung, vor allem im Handheld-Modus, wo die Illustrationen fast wie ein lebendig gewordenes Skizzenbuch wirken. Die visuelle Unruhe passt perfekt zur inneren Zerrissenheit des Protagonisten und trägt maßgeblich zur dichten Atmosphäre bei.

Erzählerisch schlägt The Perfect Pencil ernste Töne an. Themen wie Angst, Selbstwahrnehmung und innere Leere werden nicht explizit erklärt, sondern über Bilder, Metaphern und Begegnungen vermittelt. Das Spiel verlangt Geduld und Offenheit, belohnt diese jedoch mit einer ungewöhnlich ehrlichen Auseinandersetzung mit psychischen Konflikten. Nicht jede Aussage ist sofort greifbar, manches bleibt bewusst vage – doch gerade darin liegt die Stärke des Titels.

Unterm Strich ist The Perfect Pencil ein mutiger, emotionaler Action-Plattformer, der sich deutlich von genretypischen Vertretern abhebt. Er kombiniert anspruchsvolles Gameplay mit einer tiefgründigen, symbolischen Erzählung und einer markanten visuellen Identität. Für Spieler:innen, die bereit sind, sich auf ein introspektives, stellenweise unbequemes Abenteuer einzulassen, ist dieser Titel auf der Switch eine eindrucksvolle und lange nachwirkende Erfahrung.