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Bungie kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Marathon war in den frühen 90ern die Sci-Fi-Shooter-Serie, die dem Studio seinen ersten großen Namen einbrachte, lange bevor Halo oder Destiny das Licht der Welt erblickten. Jahrzehnte später wird der Name neu belebt – allerdings in einem völlig anderen Gewand. Statt einem klassischen Einzelspieler-Shooter präsentiert Bungie Marathon als Extraction Shooter, der sich in einem der härtesten und umkämpftesten Genres überhaupt beweisen muss.


Setting und Atmosphäre


Tau Ceti IV ist eine verlassene Kolonie, und das spürt man in jeder Ecke der Spielwelt. Verfallene Gebäude, rostige Infrastruktur, das Schweigen einer einst belebten Zivilisation – die Welt atmet eine dichte, beklemmende Atmosphäre, die an klassische Science-Fiction-Dystopien erinnert. Bungie hat hier eindeutig Hausaufgaben gemacht: Die Umgebungen erzählen Geschichten, ohne ein einziges Wort zu sprechen. Wer sich die Zeit nimmt, die Areale zu erkunden, wird mit Lore-Fragmenten und Worldbuilding belohnt, das die alte Marathon-DNA deutlich durchscheinen lässt.


Die feindseligen UESC-Sicherheitskräfte, die das Gelände patrouillieren, sorgen dafür, dass man sich nie vollständig sicher fühlt – selbst in Momenten, in denen kein anderer Spieler in Sichtweite ist. Diese KI-Bedrohung ist kein bloßes Füllmaterial, sondern ein echter Faktor, der die Risikoabwägung jedes einzelnen Runs beeinflusst.


Das Gameplay: Spannung auf Leben und Tod


Marathon ist in seinem Kern ein Extraction Shooter. Man betritt die Karte, sucht nach wertvollen Items, kämpft gegen KI und andere Runner – und muss am Ende lebend entkommen, um die Beute zu behalten. Stirbt man, verliert man alles, was man dabei hatte. Dieses Prinzip klingt simpel, erzeugt aber eine psychologische Spannung, die kaum ein anderes Genre erreicht.


Als Runner – die Söldner und Schatzjäger der Spielwelt – kann man alleine oder mit einer Crew ins Feld ziehen. Beide Ansätze haben ihren Reiz. Solo bietet maximale Kontrolle und stille, intensive Erkundungsmomente. Mit einer Crew hingegen entstehen taktische Möglichkeiten, aber auch neue Risiken: Kommunikation, Vertrauen und Koordination entscheiden über Erfolg und Misserfolg. Ein falsch abgestimmter Rückzug kann die gesamte Gruppe kosten.


Die Schusswechsel selbst sind klassisch Bungie: präzise, befriedigend und mit einem deutlichen Gewicht hinter jedem Treffer. Waffen fühlen sich auf der PS5 dank DualSense-Integration unterschiedlich an – der Rückstoß eines schweren Gewehrs vermittelt sich spürbar anders als das schnelle Feuern einer Pistole. Die begrenzten Vorräte sorgen dafür, dass man nicht gedankenlos drauflosschießt, sondern jeden Schuss abwägt.


Progression und Beutesystem


Der Fortschrittskreislauf ist das eigentliche Rückgrat von Marathon. Extrahierte Beute wird genutzt, um stärkere Builds zusammenzustellen – bessere Waffen, verbesserte Ausrüstung, wirkungsvollere Fähigkeiten. Mit steigender saisonaler Power öffnen sich neue Bereiche, schwerere Herausforderungen und entsprechend höhere Belohnungen. Das klassische Risiko-Belohnungs-Prinzip zieht einen immer tiefer: Man hat gerade einen großartigen Run hinter sich und ist versucht, direkt wieder reinzugehen – mit der gesamten aufgebauten Ausrüstung auf dem Spiel.


Kosmetische Items werden als Belohnung für echte Leistungen vergeben, nicht nur als Battle-Pass-Füllmaterial. Das gibt Errungenschaften ein Gewicht, das man in vielen modernen Live-Service-Spielen vermisst.


Stärken und Schwächen


Bungies Kernkompetenz – das sogenannte „30-Sekunden-Loop"-Designprinzip – trägt Marathon. Jeder Moment im Gefecht fühlt sich durchdacht an, und die Karten sind so gestaltet, dass sie multiple Ansätze und Spielstile ermöglichen. Wer geduldig und taktisch vorgeht, wird belohnt. Wer blind vorprescht, stirbt schnell.


Auf der anderen Seite steht die Frage, die jeden Extraction Shooter begleitet: Wie lebendig bleibt die Community langfristig? Marathon braucht eine kritische Masse an Spielern, damit die PvP-Begegnungen die nötige Unvorhersehbarkeit entfalten. In ruhigen Zeiten kann das Genre schnell leer wirken. Außerdem ist der Einstieg für Neueinsteiger des Genres unbestreitbar hart – die ersten Stunden sind geprägt von Verlusten und Frustrationsmomenten, die nicht jeden Spielertyp ansprechen werden.


Fazit


Marathon ist Bungies mutigster Schritt seit Jahren. Der Abschied vom klassischen Destiny-Modell hin zu einem hochriskanten Extraction Shooter polarisiert – aber das Ergebnis ist ein Spiel, das handwerklich auf höchstem Niveau sitzt und eine genuine Spannung erzeugt, die süchtig macht. Tau Ceti IV ist eine Welt, in die man immer wieder zurückwill, auch wenn – oder gerade weil – jeder Run mit dem Verlust von allem enden kann.


Wer bereit ist, sich auf das Genre einzulassen und die steile Lernkurve zu akzeptieren, findet hier einen der aufregendsten Shooter auf der PS5. Wer einen entspannten, zugänglichen Sci-Fi-Shooter sucht, sollte die Erwartungen vorab klar justieren.