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Momo

Michael Endes zeitloser Roman gehört zu jenen Büchern, die man eigentlich gar nicht verfilmen kann, ohne etwas zu verlieren. Zu philosophisch, zu still, zu eigenwillig. Und doch wagt sich Regisseur Christian Ditter, der zuletzt mit internationalen Produktionen Erfahrung gesammelt hat, an eine neue Adaption des Stoffes – und gelingt dabei überraschend weit.


Das Herzstück des Films ist zweifellos Alexa Goodall in der Titelrolle. Die junge Darstellerin trägt den Film mit einer Natürlichkeit und Wärme, die selten ist. Ihr Momo ist kein überinszeniertes Kinokind, sondern ein echtes, erdiges Mädchen mit wachen Augen und einer stillen Stärke, die man sofort spürt. Dass sie tatsächlich zuhören kann – und das vor einer Kamera glaubhaft zu vermitteln weiß – ist keine Kleinigkeit, denn Zuhören ist schließlich Momos größte Superkraft.


Kim Bodnia als Vertreter der grauen Herren verleiht der Bedrohung eine kühle, bürokratische Unheimlichkeit, die genau richtig dosiert ist. Er ist gefährlich, ohne jemals zu overacten. Martin Freeman als Meister Hora bringt die nötige Würde und einen Hauch trockenen Humor in die Rolle des Zeitenhüters, wenngleich seine Screentime etwas knapp bemessen wirkt und man sich durchaus mehr von dieser Figur gewünscht hätte.


Ditter inszeniert das römische Amphitheater als Gegenwelt mit echtem Charme. Die warme Farbpalette, die an südeuropäisches Licht erinnert, steht in bewusstem Kontrast zu den sterilen, blaugrauen Welten der Zeitdiebe. Die Bildsprache ist dabei zugänglich genug für junges Publikum, ohne je ins Beliebige abzugleiten. Auch der Einsatz der mysteriösen Schildkröte Kassiopeia ist stimmungsvoll gelöst.


Wo der Film an Grenzen stößt, ist in der Tiefe. Endes Vorlage ist ein geduldiges Buch – es lässt sich Zeit, um über Zeit nachzudenken. Die Filmversion muss naturgemäß verdichten und vereinfachen, was gelegentlich auf Kosten der philosophischen Schwere geht. Einige emotionale Momente, die im Buch langsam wachsen, werden hier eher flott abgehakt. Auch Gino als bester Freund hätte mehr Raum verdient, um die Tragik seiner Entfremdung wirklich zu entfalten.


Zur Blu-ray: Constantin Film und Leonine liefern eine solide Veröffentlichung ab. Das Bild ist scharf und farbtreu, die warmen Außenaufnahmen kommen auf dem Heimformat sehr gut zur Geltung. Der Ton ist klar und die Musikuntermalung kommt druckvoll zur Geltung. Über die genaue Bonusmaterialausstattung sollten Interessierte vorab die Produktdetails prüfen, da diese je nach Edition variieren kann.


Fazit: 

Diese neue Momo-Verfilmung ist ein ehrlicher, gut gespielter Familienfilm mit echtem Herzblut – kein Meisterwerk, aber eine würdige und sehenswerte Adaption, die besonders jüngere Zuschauer für Endes Botschaft begeistern könnte. Und die ist heute, in Zeiten ständiger Beschleunigung und digitaler Ablenkung, aktueller denn je.