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MARVEL MaXimum Collection – Review (PS5)


Nostalgie in Pixelform: Limited Run Games bringt mit der MARVEL MaXimum Collection eines der spannendsten Retro-Pakete der letzten Jahre auf die PS5. Für einen fairen Preis bekommt man eine echte Zeitkapsel des Marvel-Gaming-Goldenen-Zeitalters – eine Sammlung, die sowohl begeistert als auch gelegentlich nachdenklich stimmt, je nachdem, wie gut die eigenen Kindheitserinnerungen mit der harten Realität der damaligen Spieleentwicklung übereinstimmen. Doch eins ist klar: Wer in den 80ern und 90ern mit Joystick oder Münzen in der Hand aufgewachsen ist, wird hier unweigerlich in eine andere Zeit zurückversetzt.


X-Men: The Arcade Game (Arcade)


Das absolute Herzstück der Sammlung ist X-Men: The Arcade Game, und das aus gutem Grund. Das 1992 von Konami entwickelte Arcade-Brawler war seiner Zeit in vielerlei Hinsicht weit voraus: Ein breites, panoramaartiges Spielfeld für bis zu sechs Spieler gleichzeitig, große und detaillierte Sprites sowie eine Präsentation, die für Arcade-Verhältnisse filmreif wirkte. Wer das Original jemals in einer Spielhalle erlebt hat – umringt von Mitspielern, jeder auf seinen eigenen Bildschirmabschnitt fokussiert, Münze um Münze in Magnetos Armee versenkend – dem wird allein schon beim Start ein breites Grinsen ins Gesicht steigen.


Die Neuauflage bringt das Spiel in seiner vollständigen Arcade-Form zurück, komplett mit dem Breitbild-Sechsspieler-Modus, der bereits in früheren Digitalversionen für Begeisterung gesorgt hatte. Das große neue Feature ist der Online-Multiplayer mit Rollback-Netzcode sowie Cross-Play, was das Spiel erstmals wirklich zeitgemäß in die Online-Ära bringt. Bis zu sechs Spieler können sich gleichzeitig durch Sentinels, Blob und schließlich Magneto selbst prügeln – und das mit einer Verbindungsqualität, die man dem guten alten Konami-Brawler schlicht nicht zugetraut hätte. Cyclops, Wolverine, Storm, Dazzler, Colossus und Nightcrawler stehen zur Wahl, und jeder Charakter spielt sich anders genug, um mehrere Durchläufe interessant zu halten.


Ja, das Spiel zeigt sein Alter: Die Umgebungen sind wenig interaktiv, manche Bosse werden gegen Ende nochmals recycelt, und die Steuerung ist für heutige Verhältnisse simpel. Aber genau das macht seinen Charme aus. X-Men: The Arcade Game war nie ein Meisterwerk der Spielmechanik – es war ein Spektakel, ein gemeinsames Erlebnis, ein Münzfresser der Extraklasse. Und in dieser Rolle funktioniert es heute genauso gut wie damals.


Captain America and The Avengers (Arcade, MEGA, 8-Bit)


Ebenfalls von Konami stammt Captain America and The Avengers, und auch dieses Spiel war in Spielhallen seiner Zeit ein echter Publikumsmagnet. Captain America, Iron Man, Hawkeye und Vision kämpfen sich durch Horden von Red Skulls Schergen – und die Arcade-Version besitzt dabei ein filmisches Flair, das für 1991 wirklich beeindruckend war. Zwischensequenzen, Sprachausgabe, abwechslungsreiche Levels und ein durchaus ansprechendes Soundtrack-Paket machen die Arcade-Fassung zur stärksten Version im Bundle.


Interessant ist die Gegenüberstellung mit der 8-Bit-Version, die einen radikal anderen Ansatz wählt: Statt des Brawler-Gameplays setzt diese Fassung auf ein Jump-'n'-Run-System, das zwar nicht sonderlich tiefgründig, aber als Kuriosität der Spielgeschichte durchaus sehenswert ist. Die 16-Bit-MEGA-Version liegt irgendwo dazwischen und zeigt, wie unterschiedlich Entwickler damals versuchten, dasselbe Spiel für verschiedene Plattformen zu adaptieren. Alle drei Versionen gemeinsam ergeben ein faszinierendes Bild davon, wie flexibel – und manchmal auch inkonsistent – Spieleentwicklung in der Ära des Plattform-Wildwuchses war.


Spider-Man/Venom: Maximum Carnage (SUPER, MEGA)


Maximum Carnage gehört zu jenen Spielen, die man entweder als Kind geliebt oder gehasst hat – ein Mittelweg existierte kaum. Das Beat-'em-up basiert auf dem gleichnamigen Comic-Crossover aus dem Jahr 1993 und lässt den Spieler wahlweise als Spider-Man oder Venom durch die Straßen New Yorks prügeln. Was das Spiel bis heute auszeichnet, ist sein unverwechselbarer Soundtrack: Die Rockband Green Jelly steuerte Originalmusik bei, die dem Spiel eine Energie verleiht, die man so in kaum einem anderen 16-Bit-Titel findet. Jeder Schlag, jeder Treffer, jeder Fortschritt durch die Level wird musikalisch untermalt wie ein stampfendes, chaotisches Heavy-Metal-Konzert.


Die Sammlung bietet sowohl die SUPER- als auch die MEGA-Version, und der Vergleich lohnt sich: Während die SUPER-Fassung mit satten, lebendigen Farben und einer etwas flüssigeren Präsentation punktet, verströmt die MEGA-Version eine dunklere, düsterere Atmosphäre, die dem brutalen Thema des Comics vielleicht sogar besser entspricht. Spielerisch sind beide Versionen nahezu identisch, aber diese kleinen Nuancen machen den direkten Vergleich interessant. Als Spiel ist Maximum Carnage kein Klassiker im strengen Sinne – die Steuerung ist manchmal hakelig, das Gameplay repetitiv – aber als Erfahrung, als Zeitdokument und dank seines legendären Soundtracks ist es bis heute etwas Besonderes.


Venom/Spider-Man: Separation Anxiety (SUPER, MEGA)


Die direkte Fortsetzung zu Maximum Carnage erschien 1995 und dreht die Rollen um: Diesmal steht Venom im Vordergrund, Spider-Man ist sein Partner. Die Story führt die Spieler gegen die Life Foundation und die gefährlichen Ableger von Carnage selbst. Was Separation Anxiety gegenüber seinem Vorgänger verbessert, ist der vollwertige Koop-Modus für zwei Spieler gleichzeitig auf dem Bildschirm – ein Feature, das Maximum Carnage schmerzlich vermisste. Gemeinsam durch New Yorks Unterwelt zu prügeln macht deutlich mehr Spaß als alleine, und das Spiel ist klar darauf ausgelegt, zu zweit gespielt zu werden.


Auch hier sind wieder beide 16-Bit-Versionen enthalten, und auch hier lohnt der Vergleich. Separation Anxiety ist spielerisch kein großer Sprung gegenüber Maximum Carnage, aber es ist ein solides, gut umgesetztes Sequel, das von seiner Koop-Komponente lebt. Wer damals einen Freund oder eine Schwester zur Hand hatte, um sich gemeinsam durch dieses Spiel zu kämpfen, wird sich hier gut an diese geteilten Momente erinnern.


Spider-Man/X-Men: Arcade's Revenge (SUPER, MEGA, PORTABLE, GEAR)


Arcade's Revenge ist das ehrlichste Beispiel in dieser Sammlung für ein Phänomen, das viele Kinder der 90er kennen: Spiele, die man damals trotz ihrer offensichtlichen Mängel geliebt hat, weil man schlicht nichts Besseres kannte – oder weil die Verpackung so fantastisch aussah. Das 1992 erschienene Spiel verbindet Spider-Man und die X-Men in einem gemeinsamen Abenteuer gegen den Schurken Arcade und seinen tödlichen Vergnügungspark „Murderworld". In der Theorie klingt das großartig. In der Praxis ist es eines der frustrierendsten Spielerlebnisse der Ära.


Die Steuerung ist unintuitiv, die Levelgestaltung bisweilen absurd unfair, und die einzelnen Charaktere spielen sich so unterschiedlich, dass manche Abschnitte schlicht ungenießbar sind. Was die Sammlung jedoch zu einem echten Archivstück macht: Sie enthält nicht nur die SUPER- und MEGA-Versionen, sondern auch die Handheld-Fassungen für tragbare Konsolen der damaligen Zeit. Diese kleinen Versionen mit ihren winzigen Sprites und ihrer gedrosselten Technik geben einen faszinierenden Einblick darin, wie Entwickler damals versuchten, Heimkonsolen-Erfahrungen auf mobile Hardware zu quetschen. Spielerisch der schwächste Titel der Sammlung, historisch jedoch durchaus interessant.


Silver Surfer (8-Bit)


Den Abschluss der Spieleliste bildet Silver Surfer für das NES – und was für ein Abschluss das ist. Silver Surfer ist legendär, aber nicht unbedingt aus den richtigen Gründen: Es gilt als eines der schwierigsten Shoot-'em-ups, die je für das NES erschienen sind. Jeder Pixel des Bildschirms scheint darauf ausgerichtet zu sein, den Spieler zu töten. Eine einzige Berührung – ob mit Feinden, Projektilen oder schlicht dem Hintergrund – bedeutet das sofortige Ende. Die Lernkurve ist weniger eine Kurve als eine senkrechte Wand.


Und dennoch: Silver Surfer hat zwei Dinge, die es unvergesslich machen. Erstens seinen Soundtrack, der von Tim Follin komponiert wurde und als eines der technisch beeindruckendsten Musikwerke der gesamten NES-Ära gilt. Die Melodien sind komplex, energiegeladen und weit über das hinaus, was man von der bescheidenen NES-Hardware erwarten würde. Zweitens seinen unverschämten Charme: Es gibt etwas seltsam Befriedigendes daran, immer wieder zu scheitern, zu lernen, ein weiteres Stück weiterzukommen und schließlich – dank der Zurückspulfunktion der Sammlung – tatsächlich Fortschritte zu erzielen. Silver Surfer ist kein gutes Spiel im traditionellen Sinne. Aber es ist ein Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst.


Moderne Features und Komfortfunktionen


Über die Spiele selbst hinaus hat Limited Run Games eine Reihe von modernen Komfortfunktionen integriert, die die Klassiker zugänglicher machen. Die Zurückspulfunktion und die Möglichkeit, jederzeit zu speichern, sind besonders willkommen – gerade bei Titeln wie Silver Surfer oder Arcade's Revenge, die in ihrer ursprünglichen Form schlicht unerbittlich waren. Wer möchte, kann über das integrierte Cheat-Menü unbegrenzte Leben aktivieren und die Spiele damit in gemütlichere Erfahrungen verwandeln. Das nimmt zwar einen Teil der Herausforderung, aber es macht die Inhalte für ein breiteres Publikum zugänglich – und letztlich sollte jeder selbst entscheiden, wie er spielen möchte.


Die verschiedenen Anzeigemodi sind eine schöne Dreingabe: Von scharfer, moderner Pixeldarstellung bis hin zu CRT-Filtern mit Scanlines lässt sich das Bild nach Belieben anpassen. Wer sich nach dem authentischen Röhrenfernseher-Feeling vergangener Jahrzehnte sehnt, wird hier gut bedient. Der integrierte Musikplayer, der Zugriff auf alle Soundtracks der enthaltenen Spiele bietet, ist eine Freude für alle, die die Chiptune-Melodien dieser Ära schätzen. Silver Surfer allein rechtfertigt diese Funktion fast schon.


Weniger überzeugend fällt das digitale Archiv aus. Handbücher, Verpackungscover und alte Werbeanzeigen sind vorhanden, aber der Umfang bleibt hinter den Erwartungen zurück. Offizielle Kunstwerke sind überraschend spärlich vertreten, und Design-Dokumente gibt es kaum. Für eine Sammlung, die sich „Maximum" auf die Fahne schreibt, hätte man sich hier mehr Sorgfalt gewünscht. Auch die fehlende Möglichkeit zur Tastenbelegung ist ein kleiner, aber spürbarer Kritikpunkt.


Fazit


Die MARVEL MaXimum Collection ist kein perfektes Paket, aber ein äußerst liebenswertes. Sie bündelt ein bedeutsames Stück Marvel-Spielgeschichte auf einer Plattform und macht es mit modernen Features zugänglich, ohne dabei den Charme des Originals zu opfern. X-Men: The Arcade Game allein ist für viele Fans den Preis wert – der Online-Multiplayer mit Rollback-Netzcode ist eine echte Bereicherung und gibt dem alten Klassiker neues Leben. Der Rest der Sammlung schwankt zwischen nostalgisch-unterhaltsam und historisch-interessant, mit gelegentlichen Ausflügen in offen frustrierendes Territorium.


Wer in den 80ern und 90ern mit Marvel aufgewachsen ist, wird hier zuverlässig in alte Zeiten zurückversetzt – mal lächelnd, mal fassungslos, aber nie gleichgültig. Und das allein ist schon eine ganze Menge wert.