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Titania Medien bleibt mit der 70. Folge ihrer beliebten Sherlock-Holmes-Reihe ihrem bewährten Rezept treu und liefert einen klassischen Whodunit-Krimi, der Fans der Reihe bestens unterhalten wird.


Der Fall


Eine elegante Frau, ein Erste-Klasse-Zugabteil, ein Mord – und ein junger Maler, der zur falschen Zeit am falschen Ort war. Die attraktive Edith Grant wird tot in einem Zugabteil aufgefunden, und die Indizien sprechen scheinbar eindeutig gegen einen jungen Künstler, der kurz zuvor öffentlich mit ihr in Streit geraten war und außerdem ein Medaillon vom Tatort mitgenommen hat. Für Inspektor Lestrade und Scotland Yard ist der Fall damit eigentlich gelöst. Für Sherlock Holmes natürlich nicht.


Was zunächst wie ein offener Kriminalfall wirkt, entpuppt sich schnell als klassische Falle aus Zufällen, Missverständnissen und gezielter Täuschung. Das Drehbuch versteht es, den Hörer auf falsche Fährten zu locken, ohne dabei unehrlich gegenüber seinem Publikum zu sein. Die Auflösung ist nachvollziehbar und befriedigend, auch wenn geübte Hörer die entscheidende Wendung womöglich früher erahnen als der gute Watson.


Atmosphäre und Inszenierung


Die Kulisse des viktorianischen Englands kommt in dieser Folge besonders schön zur Geltung. Das Setting rund um einen Fernzug der ersten Klasse verleiht der Geschichte eine angenehme Eleganz und erinnert an die großen Eisenbahn-Krimis der Literaturgeschichte. Die Geräuschkulisse – das Rattern der Räder, das Rauschen des Fahrtwinds, das gedämpfte Ambiente vornehmer Gesellschaft – trägt erheblich zur Atmosphäre bei. Die Produktion klingt sauber und professionell, wie man es von Titania Medien gewohnt ist.


Das Tempo ist gut gewählt: Die Geschichte nimmt sich genug Zeit für Ermittlung und Charakterzeichnung, ohne dabei in langatmige Passagen zu verfallen. In knapp einer Stunde Laufzeit wird ein runder, eigenständiger Fall erzählt, der kein Vorwissen aus früheren Folgen voraussetzt und damit auch als Einstieg in die Reihe taugt.


Die Sprecher


Das Herzstück dieser Produktion ist einmal mehr das bewährte Ensemble, das der Reihe seit Jahren ihren unverwechselbaren Charakter verleiht.


Joachim Tennstedt gibt Sherlock Holmes mit der ihm eigenen kühlen Präzision und einem Hauch arroganter Brillanz. Tennstedt trifft den Ton der Figur exzellent: intelligent, etwas unnahbar, aber stets mit einem trockenen Unterton, der die Figur menschlich und sympathisch hält. Er ist das Zentrum jeder Folge, und man hört ihm schlicht gerne zu.


Detlef Bierstedt als Dr. Watson ist sein kongenialer Gegenpol. Bierstedt – vielen auch als deutsche Stimme von George Clooney bekannt – leiht Watson eine warme, bodenständige Autorität. Sein Watson ist kein Tölpel, sondern ein verlässlicher, kluger Begleiter, der die Geschichte trägt und dem Hörer als Identifikationsfigur dient. Die Chemie zwischen Tennstedt und Bierstedt ist über die Jahrzehnte zu einer echten Stärke der Reihe gereift.


Lutz Reichert als Inspektor Lestrade trifft wie gewohnt den richtigen Ton zwischen professioneller Pflichterfüllung und leicht selbstgefälliger Betriebsblindheit. Lestrade ist in dieser Folge kein Bösewicht, sondern ein beamtentreuer Ermittler, der eben nur so weit denkt, wie seine Indizien reichen – und Reichert spielt das mit sichtlicher Freude.


Aus den Gaststimmen sticht Bodo Primus hervor, der seiner Figur eine angenehme Vielschichtigkeit verleiht. Thomas Balou Martin und Axel Lutter sorgen für Profil in ihren jeweiligen Rollen, und Uschi Hugo sowie Bene Gutjan runden das Ensemble stimmig ab. Die Nebenrollen sind durchweg solide besetzt, was in Hörspielen dieser Art keineswegs selbstverständlich ist.


Fazit


Die Dame mit dem blauen Hut ist eine klassische, gut gemachte Folge der Titania-Reihe, die keine neuen Maßstäbe setzt, aber verlässlich hohe Qualität liefert. Für Fans von Sherlock Holmes, viktorianischen Krimis und gut produzierten Hörspielen ist diese CD eine klare Empfehlung. Das Gespann Tennstedt und Bierstedt bleibt eine der stärksten Duos im deutschen Hörspielgeschäft, und Folge 70 zeigt einmal mehr, warum diese Reihe seit Jahrzehnten erfolgreich läuft.