Nextgengamersnet
Games,  Movies and more


Als Rote Kapelle wurden im zweiten Weltkrieg Gruppen bezeichnet, die sich gegen den Nationalsozialismus zur Wehr setzten. Später wurden Spionagegruppen der Sowjetunion, die in Frankreich und Belgien agierten ebenso bezeichnet. Über diese Gruppen entstanden viele Legenden und auch schlicht Lügen, um sie zu diskreditieren. Im vergangenen Jahr entstand die belgisch-israelisch-deutsche Koproduktion „Die rote Kapelle – Das verdrängte Widerstandsnetz“ unter der Regie von Carl-Ludwig Rettinger und Lorenz Findeisen. Lighthouse Home Entertainment hat den Dokumentarfilm auf DVD veröffentlicht.

Die „Rote Kapelle“ war eines der wichtigsten Widerstandnetze in Nazideutschland. Dass ihr Andenken nach dem Krieg verfälscht wurde, liegt nicht zuletzt an der medialen Aufarbeitung ihrer Aktivitäten. Anfang der 1970er Jahre wurden sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR gleichzeitig zwei große Filmprojekte auf den Weg gebracht: zum einen der aufwendige deutsch-französische Fernseh-Mehrteiler DIE ROTE KAPELLE/L’ORCHESTRE ROUGE, zum anderen der 70mm-DEFA-Spielfilm KLK RUFT PTX – DIE ROTE KAPELLE, eine der größten Kinoproduktionen der DDR überhaupt. Beide Filme erzählen jeweils nur die halbe Wahrheit. Denn ehemalige Gestapo-Leute auf der einen und die Stasi auf der anderen Seite haben die Darstellung entscheidend beeinflusst: hier eine fiebrige Agentenstory mit roten Spionen und Hochverrat, da ein heroisches Widerstandsdrama.

Wie sagt man so schön, „die Wahrheit liegt meist in der Mitte“, und so sehr wie hier hat dieser Spruch wohl noch nie gepasst. Der Dokumentarfilm schildert, wie die Gruppen der Roten Kapelle im Osten und Westen Deutschlands völlig unterschiedlich aufgefasst und verstanden wurden. Bei den einen als sowjetische Spione, bei den anderen als Helden des Widerstands. Das ist hochinteressant und spannend wie ein Thriller. Kann ich nur weiterempfehlen.

DVD / Lighthouse Home Entertainment / 118 min / FSK 12