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Der Tod ist bekanntlich keine Ruhe – zumindest nicht in Soulslinger: Envoy of Death, dem rogue-lite Shooter von Headup Games, der einen ins rauchige, düstere Limbo zwischen Diesseits und Jenseits wirft. Das Versprechen klingt verlockend: ein Gunslinger im Fegefeuer, ein korruptes Kartell, das Seelen hortet, und ein endloser Kreislauf aus Sterben, Wachsen und Zurückkehren. Doch hält das Spiel, was die atmosphärische Prämisse verspricht?


Stil und Atmosphäre


Optisch setzt Soulslinger auf einen markanten Wildwest-meets-Unterwelt-Look, der durchaus seinen Reiz hat. Die Umgebungen besitzen eine düstere Stimmung, und das Farbkonzept – viel Ocker, Schwarz und schmutziges Rot – unterstreicht das Gefühl, in einem Zwischenreich gefangen zu sein, das weder lebendig noch wirklich tot ist. Der Artstyle ist nicht poliert im AAA-Sinne, hat aber eine eigenständige Handschrift, die man ihm zugutehalten muss.


Gameplay und Mechanik


Als rogue-lite FPS lebt das Spiel vom Run-by-Run-Fortschritt. Nach jedem Tod kehrt man stärker zurück, gesammelte Seelenessenz dient als Währung für Upgrades und neue Fähigkeiten. Das Grundprinzip funktioniert – wer Titel wie Hades oder Dead Cells kennt und liebt, wird mit dem Loop vertraut sein. Der Unterschied liegt in der Ego-Perspektive, die dem Ganzen eine unmittelbarere, härtere Note gibt.


Die Schussmechanik fühlt sich auf der PS5 solide an, und der DualSense wird zumindest ansatzweise genutzt, ohne dass das haptische Feedback so recht zur Charaktereigenschaft des Spiels wird – eine vertane Chance. Die Waffen haben Wumms und die Feuergefechte können in guten Momenten richtig befriedigend sein, besonders wenn Upgrades greifen und man das Kartell mit einer gut ausgebauten Build niedermäht.


Allerdings zeigt sich mit der Zeit, dass die Levelstruktur und die Gegnervarianz etwas zu wünschen übrig lassen. Die Runs können sich wiederholen, bevor man das Gefühl hat, tatsächlich tief genug ins Spiel eingetaucht zu sein. Wer viel Geduld und Ausdauer mitbringt, wird belohnt – wer schnelle Abwechslung sucht, könnte frustriert werden.


Story und Motivation


Die Prämisse – Gunslinger kämpft gegen Seelen-Kartell im Limbo – ist eigentlich fantastisch und hätte das Fundament für eine dichte, charaktergetriebene Erzählung bieten können. Leider bleibt die Geschichte eher an der Oberfläche. Die Welt fühlt sich interessant an, aber es fehlen die erzählerischen Momente, die einem wirklich das Gefühl geben, in ihr zu stecken. Mehr Lore, mehr Persönlichkeit, mehr Feinde mit Gesicht hätten dem Spiel gut gestanden.


Technisch auf PS5


Technisch läuft Soulslinger auf der PS5 stabil, ohne spektakulär zu sein. Ladezeiten sind kurz, die Framerate hält sich in der Regel anständig. Großartige Next-Gen-Momente sucht man vergebens – das Spiel wirkt eher wie ein solider PC-Titel, der auf die Konsole portiert wurde, als wie eine Produktion, die die PS5-Hardware wirklich ausschöpft.


Fazit


Soulslinger: Envoy of Death ist ein ambitionierter kleiner Rogue-lite-Shooter mit einer Atmosphäre, die neugierig macht, und einem Gameplay-Loop, der grundsätzlich funktioniert. Headup Games hat hier ein Spiel abgeliefert, das klar für ein bestimmtes Publikum gemacht ist – nämlich für Genre-Fans, die mit dem Konzept des Scheiterns und Wachsens vertraut sind und sich von einer ungewöhnlichen Setting-Kombination angesprochen fühlen. Wer jedoch auf der Suche nach erzählerischer Tiefe, großer Gegnervarianz oder einem vollständig ausgeschöpften PS5-Erlebnis ist, wird feststellen, dass das Spiel an einigen Stellen zu früh die Patronen verschießt.


Ein rohes, durchaus charmantes Stück Indie-FPS, dem mehr Feinschliff gut getan hätte.