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Er war Schriftsteller und Philosoph.Die Rede ist von Voltaire, dem wohl bekanntesten und einflussreichsten Autor der Aufklärung. Seine verschiedenen Werke wurden zumeist schnell in verschiedene Sprachen übersetzt, in italienisch und englisch verfasste er selbst Texte. Dabei machte er sich nicht nur Freunde und eckte mit seinen Werken oftmals bei verschiedenen Kreisen der Gesellschaft an. Volker Reinhardt hat eine Biographie Voltaires verfasst, die bei C.H. Beck erschienen ist. Reinhardt ist ein deutscher Historiker, der seit 1992 als Professor für Allgemeine und Schweizer Geschichte der Neuzeit an der Universität Freibug lehrt. Er gilt als Experte für die italienische Renaissance.

Der Philosoph, Aufklärer und Spötter Voltaire (1694 – 1778) hat unzählige Briefe, Dramen, sarkastische Gedichte, philosophische Erzählungen und weltgeschichtliche Abhandlungen hinterlassen und ist doch ein großer Unbekannter. Volker Reinhardt erzählt fesselnd von einem Literaten, der sich an einer staatlichen Lotterie bereicherte, über die Mächtigen und Etablierten spottete, die Hofgesellschaften in Versailles und Potsdam provozierte, sich virtuos zu tarnen verstand und schließlich in Ferney sein eigenes Reich schuf. Voltaires abenteuerliches Leben ist, wie seine Werke, ein eindrucksvolles Manifest für die Freiheit in einer autoritätsgläubigen Welt.

Voltaire ist ein Monument der Aufklärung, verewigt im Panthéon, verhasst als Zerstörer aller etablierten Ordnung. Sein «Traktat über die Toleranz» war nach den Anschlägen auf «Charlie Hebdo» 2015 eines der meistverkauften Bücher Frankreichs. Und doch ist der große Philosoph ein Unbekannter. Volker Reinhardt hat das riesige Oeuvre und die Quellen neu gelesen und entdeckt einen Lebenskünstler, der seine Fluchtwege immer im Blick hatte. Voltaire wurde reich, weil er eine Lotterie austrickste, erforschte zusammen mit einer Physikerin die Natur, düpierte die Versailler Hofgesellschaft, verärgerte Friedrich den Großen, kämpfte gegen die verlogene Kirche, deckte Justizskandale auf, warb der Stadt Genf für sein eigenes kleines Reich die Uhrmacher ab und verfolgte Rousseau mit grenzenlosem Sarkasmus. Volker Reinhardt erzählt von einem Abenteurer der Freiheit, der in einer Welt voller Krisen mit scharfem Verstand, beißendem Spott und menschenfreundlicher Toleranz seinen Garten bestellte und unserer eigenen Zeit den Spiegel vorhält.

In der Schule hat man damals mehr oder weniger versucht, mir so einiges über Voltaire einzutrichtern. Doch warum wurde das so staubtrocken gemacht, wo doch das Leben des Philosophen so interessant, facettenreich und voller Anekdoten war, die das Interesse der Schüler sicher eher geweckt hätten. Zum Beispiel die Geschichte, als Voltaire gemeinsam mit dem Mathematiker Charles Marie de La Condamine herausfand, dass sich ein Minister bei der staatlichen Lotterie verkalkuliert hatte und die beiden sämtliche Lose aufkauften und einen fetten Gewinn einstrichen. Die Biographie von Volker Reinhardt schilder das beeindruckende Leben von Voltaire in einer äußerst unterhaltsamen Weise. So macht Geschichte Spaß, da hätte sich mein damaliger Geschichtslehrer eine Scheibe abschneiden können. Tolles Buch und sicher auch eine prima Geschenkidee.

Hardcover / C.H. Beck / 607 Seiten / 52 Abbildungen / € 32.-