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Tiberius Iulius Caesar Augustus war der Adoptivsohn von Augustus und folgte ihm als Kaiser des römischen Reiches nach. Seine Regentschaft, eine der längsten in der Geschichte des Reiches, hatte von 14 bis 37 nach Christus Bestand. Mit militärischen Erfolgen vergrößerte er das Imperium, doch beim Volk blieb der als menschenscheu bekannte Tiberius unnahbar. Viele Mythen und Geschichten ranken sich um seine Herrschaft, doch entspricht das auch den historischen Tatsachen? Holger Sonnabend, Professor für Alte Geschichte am Historischen Institut der Universität Stuttgart beantwortet diese und viele weitere Fragen in seinem Buch „Tiberius – Kaiser ohne Volk“. Erschienen ist das Buch bei WBG.

Ein Politiker braucht ein dickes Fell und muss einen Shitstorm aushalten können. Wer dem Unmut der Bürger nicht durch geschickte Selbstvermarktung begegnen kann, dem bleibt nur, seinen Hut zu nehmen. Was aber, wenn ein Rücktritt ausgeschlossen ist - wie bei einem Kaiser des römischen Weltreichs?
Tiberius (14-37 n. Chr.) hatte nicht dieses ›dicke Fell‹. Ein Rückzug ins Privatleben war für ihn nicht vorgesehen, und so entzog er sich nicht seinen Pflichten, wohl aber der Öffentlichkeit, flüchtete sich nach Capri.
Aber war der Augustus-Nachfolger tatsächlich ein schlechter Regent? Was ist dran an den Exzessen, über die römische Geschichtsschreiber berichten?
Holger Sonnabend zieht in dieser Biographie Bilanz. Er ergründet die politischen Leistungen des zweiten römischen Kaisers und verfolgt seinen Lebensweg. Es entsteht das Bild eines klugen und weitsichtigen, zugleich aber komplizierten und unglücklichen Mannes, der wegen seiner mangelnden kommunikativen Fähigkeiten das Volk verlor.

Heute hat man oft den Eindruck, dass vor allem die Politiker beliebt sind, die sich gut in den sozialen Medien verkaufen können. Das war damals nicht viel anders, freilich ganz ohne Internet, TV und Radio. Aber auch zur Zeit den Römischen Weltreiches mussten sich Politiker dem Volk verkaufen können, um akzeptiert und im besten Falle verehrt zu werden. Das war nicht das Ding von Tiberius, der kein schlechter Kaiser war, aber eben auch kein Poser, der sich vor der Öffentlichkeit mit schwungvollen Reden und Gesten ins beste Licht rücken konnte. Dabei ist die Vita des Adoptivsohns von Augustus unglaublich vielseitig und spannend. Die erste Biografie des Herrschers ist extrem interessant und erzählt die Geschichte eines Mannes, der zwar alles erreicht hatte, was zu dieser Zeit möglich war, aber trotzdem oder gerade deshalb kein glückliches Leben führen konnte. Ich habe schon unglaublich viele Biografien gelesen, aber diese gehört ohne Zweifel zu den interessantesten. Kann ich nur weiterempfehlen.

Hardcover / WBG / 272 Seiten / € 30.-