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Der in der Tschechoslowakei geborene Filip Müller wurde im April 1942 im Alter von zwanzig Jahren in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Dort wurde er gezwungen, im jüdischen Sonderkommando zu arbeiten. Er war für die Beseitigung der Leichen und die Instandhaltung der Vernichtungsmaschinerie verantwortlich. Nach einer Weile, wollte er mit einer Gruppe in die Gaskammer gehen, um sein Leben zu beenden, aber eine Frau der Gruppe sagte zu ihm, dass sein Tod niemandem nützen würde, allerdings hätte er vielleicht die Möglichkeit, der Nachwelt von den Geschehnissen zu berichten. Bis 1945 blieb er in Auschwitz, kam dann nach Mauthausen, wo er im Mai befreit wurde. Erste Berichte über die Geschehnisse in Auschwitz veröffentlichte er 1946. Von 1958 bis 1973 sagte er in verschiedenen Prozessen als Zeuge aus. Nach 15 Jahren Arbeit und weiteren sieben Jahren für die deutsche Fassung erschien 1979 schließlich sein Buch „Sonderbehandlung – Meine Jahre in den Krematorien und Gaskammern von Auschwitz“. Zum 100. Geburtstag des 2013 verstorbenen Filip Müller haben seine Nachkommen eine Neuauflage seines Buches ermöglicht. Der Band ist bei WBG Theoss erschienen.

Wer, wie Filip Müller (1922 - 2013), KZ und Zwangsdienst im Sonderkommando Auschwitz-Birkenau über gur drei Jahre er- und überlebt hat, gehört zu den wichtigsten Zeugen des Grauens des Holocaust - und ist für sein Leben gezeichnet.

1979/80 veröffentlichte er auf Deutsch seinen Zeugen-Bericht „Sonderbehandlung“: Erschütternd, schonungslos und mit geradezu literarischer Wucht erzählt er von seiner Lagerzeit, beschreibt Täter und Opfer und gibt den Blick frei ins Herz der Finsternis. Es handelt sich dabei um die erste authentische Gesamtdarstellung der Geschichte des Sonderkommandos. Wer Müller, als einzigen Zeugen des Sonderkommandos, in Claude Lanzmanns Film „Shoah“ gesehen hat, vergisst sein Gesicht, seine Stimme nicht.

Nach der Veröffentlichung 1980 gab es massive Bedrohungen durch Alt- und Neo-Nazis, so dass Müller nie einer deutschen Neuausgabe zustimmt. Zum 100. Geburtstag 2022 nun macht seine Familie eine kommentierte Neuausgabe möglich.

Ich habe schon viele Bücher, die für den Leser nicht einfach zu ertragen sind, gelesen, aber noch nie eines wie „Sonderbehandlung“. Detailreich schildert Filip Müller hier seinen grausamen Alltag im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, beschreibt, wie er Leichen entkleidet, während ein anderer sie nach Zahngold untersucht, wie die Leiche dann in die Krematorien verbracht wurden, was nach und nach zu fürchterlicher Routine wurde. Durch die genauen Beschreibungen bekommt der Leser einen Eindruck, wie das KZ ausgesehen hat, welche Arbeitsschritte nötig waren und wie er immer wieder bekannte Gesichter unter den Leichen entdeckt hat. Die Lektüre ist wirklich nicht leicht und wirkt noch lange nach. Und das ist gut so. Es ist schlimm, dass es so ein Buch geben kann, geben muss. Und dennoch ist es das wichtigste Buch, das ich seit langem in den Händen gehalten habe. Gerade im Hinblick auf den wieder stärken aufkeimenden Antisemitismus sollte dieses Buch jeder gelesen haben.

Hardcover / WBG Theiss / 320 Seiten / € 28.-