Nextgengamersnet
Games,  Movies and more


Annekathrin Kohout ist Kulturwissenschaftlerin, Bloggerin (sofrischsogut.com) und Resakteurin der Zeitschrift „Pop. Kultur und Kritik“. Sie ist Mitherausgeberin der Buchreihe „Digitale Bildkulturen“. 2019 erschien ihr Buch „Netzfeminismus“. Nun hat sie sich in ihrem neuen Buch dem Nerdtum gewidmet. „Nerds“ ist bei C.H. Beck erschienen.

Als das Informationszeitalter in den 1980er Jahren in seinen Anfängen steckte, galten Nerds als misanthropische Freaks und kauzige Streber. Während sie ihre Freizeit im heimischen Keller an komplizierte Geräte vergeudeten und sich von Tiefkühlpizza ernährten, genossen die High-School-Schönlinge ihre gesellschaftlichen Privilegien in vollen Zügen. Doch der Erfolg neuer Informationstechnologien läutete einen ungeahnten Siegeszug der Nerdfigur ein. Nerds, damit verbanden sich nun Namen wie Bill Gates und Steve Jobs. Aus den einstigen Außenseitern wurden charismatische Insider: «Nerdig» wurde das neue «cool». Doch seit den 1990er Jahren wird die männliche, weiße, privilegierte Nerdfigur hinterfragt und politisiert. Gerät der smarte Silicon Valley-Nerd im Licht dieser neuen Diskurse gar zum Alten Weißen Mann? Ist die große Zeit dieser für ein paar Jahrzehnte so wichtigen Sozialfigur schon wieder vorbei? In ihrem Buch zeigt die Kulturwissenschaftlerin und Bloggerin Annekathrin Kohout die wechselvolle Geschichte des Nerds, die zugleich eine Geschichte der Populärkultur und der Informationsgesellschaft ist.

Ich war schon immer ein Nerd und ein Geek. Aufgewachsen mit den ersten Videospielkonsolen und Heimcomputern hat sich daran bis heute, jenseits der 50, nichts geändert. Um so gespannter war ich auf das Buch, um zu sehen, wie die Autorin uns beschreibt. Und ich muss sagen, an so manchen Stellen habe ich mich und viele Freunde durchaus wiedererkannt. Heute ist es ja tatsächlich cool, Nerd zu sein. Aber wer sich in den frühen 80ern lieber an den Computer setzte, statt ins Kino oder in die Kneipe zu gehen, war eben ein Sonderling. Das Buch räumt mit so manchem Vorurteil und Klischee auf und ist enorm unterhaltsam geschrieben. Unbedingt lesen.

Paperback / C.H. Beck / 272 Seiten / € 16,95