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Viet Thanh Nguyen war vier Jahre alt, als Saigon am Ende des Vietnamkrieges 1975 fiel. Seine Eltern flüchteten mit ihm in die USA. Dort kam er über ein Flüchtlingslager zunächst zu einer amerikanischen Familie, bis seine Eltern eine wirtschaftliche Existenz fanden. Er besuchte die Schule und studierte Englisch und Ethnic Studies in Berkeley und promovierte 1997 in Anglistik. An der University of Southern California arbeitet er als Hochschullehrer. Seit 2007 schreibt er Kurzgeschichten und sein erster Roman wurde 2016 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Nun ist sein neuer Roman bei Blessing erschienen. „Die Idealisten“ dreht sich um zwei vietnamesische Flüchtlinge im Paris der frühen 80er Jahre.

Paris, 1981: Die Hauptstadt der ehemaligen Kolonialmacht ist für viele vietnamesische Flüchtlinge der rettende Hafen nach einer langen Irrfahrt über die Weltmeere. Auch der namenlose Ich-Erzähler und sein bester Freund Bon haben es aus ihrer Heimat nach Europa geschafft. Auf der Suche nach einem Job geraten sie an die vietnamesische Drogenmafia. Als Dealer machen sie ein gutes Geschäft, und der Ich-Erzähler, ein ehemaliger kommunistischer Spion, profitiert von einem Wirtschaftssystem, das er eigentlich ablehnt. Im Konflikt mit sich selbst und ständig konfrontiert mit rassistischen Übergriffen, sucht er nach einem neuen Lebensentwurf. Dabei wird ihm der beste Freund zum größten Widersacher und der sichere Hafen Paris zur tückischen Falle.

Geschichten über den Vietnamkrieg oder die Zeit kurz danach kennen wir fast nur aus amerikanischer Sicht. Mal sind es die amerikanischen „Helden“ im Krieg, mal die desillusionierten und an PTBS leidenden Heimkehrer. Doch dieser Roman erzählt eine Geschichte aus vietnamesischer Sicht, spielt kurz nach Ende des Krieges und dreht sich um zwei Freunde, die es bis nach Paris geschafft haben. Und dort werden sie in die Kriminalität hereingezogen. Während einer der beiden sein neues Leben zu mögen beginnt, versucht der andere, wieder aus dem kriminellen Sumpf herauszukommen, was die Freundschaft der beiden mehr als nur auf eine Zerreißprobe stellt. Das ist nicht nur ebenso spannend, wie berührend, sondern regt auch zum Andenken über das Schicksal der aktuellen Flüchtlinge, etwa aus Syrien und Afrika an. Dieses Buch hat mich wirklich beeindruckt und ich empfehle es gern weiter.

Hardcover / Blessing / 496 Seiten / € 24.-