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Malte Herwig, gebürtiger Kasseler, hat Literatur, Geschichte und Politik studiert, promoviert hat er an der Oxford Universität. Neben Arbeiten für das Magazin der Süddeutschen Zeitung, dem Spiegel und dem Stern hat er einige Bestseller veröffentlicht. Vor zwei Jahre rief er den Podcast „Faking Hitler“ ins Leben, der die gefälschten Hitler-Tagebücher thematisiert. Nun hat er sich einem der bekanntesten Illusionisten angenommen, dem großen Kalanag. Der hieß eigentlich Helmut Ewald Schreiber und war zunächst Filmproduzent im Deutschen Reich. „Der große Kalanag – Wie Hitlers Zauberer die Vergangenheit verschwinden ließ und die Welt eroberte“ ist im Penguin Verlag erschienen.

Er war der größte Showstar der jungen Bundesrepublik, als Magier machte er nach dem Krieg eine Weltkarriere, Helmut Schreiber alias Kalanag. Seine Zaubervorführungen waren aufwendig, brillant, exotisch und schlugen die Zuschauer in ihren Bann. Doch sein größtes Kunststück war es, seine zwielichtige Vergangenheit in der NS-Diktatur verschwinden zu lassen. Als Filmproduzent und Präsident des Magischen Zirkels pflegte er enge Verbindungen zu Nazi-Größen wie Hitler, Göring und Goebbels, stellte seine Arbeit in den Dienst der nationalsozialistischen Sache, produzierte das einzige antisemitische Musical der Zeit und sorgte für die Gleichschaltung der deutschen Zauberkünstler. Auf der Grundlage von ausführlichen Archivrecherchen und Interviews erzählt Malte Herwig erstmals das wendungsreiche Leben dieses Mannes, der die ganzen Widersprüche der Kriegs- und Nachkriegszeit verkörpert.

Als Kind habe ich zum ersten Mal von Kalanag gelesen, in einem Yps-Heft. Da waren damals immer kleine Spielzeuge drin, und zu der Zeit gab es eine Serie mit Zaubertricks. Und im Heft standen auch einige Informationen zu großen Zauberkünstlern wie Houdini oder eben Kalanag. Meine Oma erzählte mir dann, dass sie ihn mal in einer Show gesehen hat und begeistert war. Und nun widmet sich das Buch von Malte Herwig diesem Mann und was man dort erfährt, stand nicht im Yps-Heft. Wie sich der Mann in die höchsten Kreise der NS-Zeit zauberte, das Publikum vor Reden von Hitler mit seinen Tricks unterhielt und später Propagandafilme für die Nazis produzierte. Und wie er alle Tricks aufwendete, um nach dem Krieg die größte Zaubershow der Welt auf die Beine zu stellen, mit Illusionen, die noch heute ihres gleichen suchten. Seine düstere Vergangenheit war ebenfalls wie weggezaubert. Das ist spannend und unterhaltsam geschrieben und beim Lesen staunt man mindestens ebenso viel, wie die Zuschauer seiner Shows. Ich muss sagen, dass ich schon lange kein Buch mehr so schnell durchgelesen habe wie „Der große Kalanag“, einfach großartig.

Hardcover / Penguin Books / 480 Seiten / € 24.-