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Als Journalist war Sven Felix Kellerhoff unter anderem für die Berliner Zeitung, die Badische Zeitung und den Bayerischen Rundfunk tätig. Seit 1997 arbeitet er für die Welt und ist seit 2003 dort Leitender Redakteur für Zeit- und Kulturgeschichte und seit 2012 zusätzlich Leiter des History Channel WELTGeschichte. Kellerhoff hat schon einige Bücher veröffentlicht, wie „Die NSDAP – Eine Partei und ihre Mitglieder“, „Ein ganz normales Progrom“ oder „Lobe der Revolution – Die Geburt der deutschen Demokratie“. In seinem neuen Buch „Anschlag auf Olympia“ widmet er sich dem Anschlag auf die Olymischen Spiele 1972 in München. Das Buch ist bei WBG Theiss erschienen.

Ein »Fest des Friedens« begeistert die Weltöffentlichkeit: Deutschland ist erstmals seit 1936 wieder Ausrichter der Olympischen Sommerspiele und präsentiert sich modern und weltoffen wie nie. Die Stimmung ist ausgelassen – bis zu jenem schicksalhaften 5. September: Palästinensische Terroristen bringen mehrere israelische Mannschaftsmitglieder in ihre Gewalt. Was folgt, ist ein stundenlanges Geiseldrama, das in einem Blutbad mündet.

Rund 50 Jahre nach dem Attentat in München enthüllt der Historiker und Journalist Sven-Felix Kellerhoff bislang verborgen gebliebene Details. Wie konnte es zur Katastrophe kommen, die später mit zur Gründung der legendären Spezialeinheit GSG 9 führte?

Für seine minutiöse Darstellung der Ereignisse wertet Kellerhoff neue Quellen aus und bringt Licht in die Geschehnisse rund um den Terroranschlag der Gruppe »Schwarzer September«. Warum existierte, trotz vorausgegangener RAF-Aktionen, nur ein ungenügendes Sicherheitskonzept? Welche Rollen spielten die Einsatzkräfte und Entscheidungsträger während des Geiseldramas und der gescheiterten Befreiungsaktion am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck, die 17 Menschenleben forderte? Wie reagierte der israelische Geheimdienst Mossad auf das Attentat?

Die Olympischen Spiele 1972 in München sind meine erste Sporterinnerung. Die Goldmedaille für Ulrike Meyfarth im Hochsprung oder Mark Spitz, der in sieben Schwimm-Disziplinen antrat, sieben mal Gold holte und sieben Weltrekorde aufstellte, bleiben immer in Erinnerung. Die furchtbaren Ereignisse durch den Anschlag arabischer Terroristen sind allerdings das, was bis heute als ersten mit den Spielen 72 in Verbindung gebracht wird. Das Buch „Anschlag auf Olympia“ schildert zunächst, was passierte, als die Terroristen in das Olympische Dorf eindrangen und das israelische Team als Geiseln nahmen, um die Freilassung von 232 Palästinensern, dem japanischen Terroristen Kozo Okamoto und die RAF-Terroristen Baader und Meinhof zu erpressen. Danach springt das Buch in der Zeit zurück bis hin zur ersten Idee, die Spiele nach München zu holen. Dabei wird detailreich geschildert, wie ein Sicherheitskonzept erarbeitet wurde, wie man sich Tipps der vorherigen Austragungsorte Mexico und Tokio eingeholt hat und warum trotz weiter aufkeimendem Terrorismus nicht alles für die Sicherung der Spiele getan wurde. Dann wird minutiös die Geiselnahme bis zum gescheiterten Befreiungsversuch und die daraus resultierenden Auswirkungen beschrieben. Das liest sich spannend wie ein Thriller, auch wenn man die Ereignisse zumindest in groben Zügen kennt. Vieles ist jedoch neu beziehungsweise bislang unbekannt. Großartiges Buch über ein dunkles Stück Olympiageschichte.

Hardcover / WBG Theiss / 240 Seiten / 20 Abb, / € 25.-