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Afrikas Geschichte ist auch eine Geschichte der systematischen Ausbeutung. Menschen wurden versklavt, Rohstoffe geplündert und Kunst- und Kulturobjekte geraubt. Und das von allen Ländern, die ihre Kolonien auf dem Kontinent hatten. Und bis heute ist der größte Teil afrikanischer Kunst in europäischen Museen zu finden. Allein im Pariser Musée du Quai Branly finden sich 70.000 Gegenstände aus Afrika. Doch was ist aus den geplanten Rückführungen geworden? Der Frage geht das Buch „Afrikas Kampf um seine Kunst“ von Bénédicte Savoy nach, das beim Verlag C.H. Beck erschienen ist.

Schon vor 50 Jahren kämpfte Afrika um seine Kunst, die während der Kolonialzeit massenweise in europäische Museen gelangt war. Und es fand durchaus Unterstützung im Westen. Am Ende jedoch war der Kampf nicht nur vergebens, er wurde auch erfolgreich vergessen gemacht. Auf der Grundlage von unzähligen unbekannten Quellen aus Europa und Afrika erzählt Bénédicte Savoy die gespenstische Geschichte einer verpassten Chance, einer Niederlage, die heute mit umso größerer Wucht auf uns zurückschlägt.
Afrikas Bemühungen um seine in der Kolonialzeit nach Europa verbrachte Kunst sind keineswegs neu. Schon bald nach 1960, als 18 ehemalige Kolonien die Unabhängigkeit erlangten, wurde von afrikanischen Intellektuellen, Politikern und Museumsleuten eine ungeheure Dynamik in Gang gesetzt. In ganz Europa suchten daraufhin Politikerinnen und Politiker, Journalisten, Akademiker und einige Musemsleute einen Weg, afrikanische Kulturgüter im Sinne einer postkolonialen und postrassistischen Solidarität zurückzugeben. Die Argumente aber, mit denen andere versuchten, die Forderungen aus Afrika zu entkräften und Lösungen zu verhindern, ähneln auf frappierende Weise denen von heute. Schließlich verlief alles im Sand.
Bénédicte Savoy verfolgt den postkolonialen Aufbruch und sein Ersticken und fragt, welche Akteure, Strukturen und Ideologien damals dafür sorgten, dass das Projekt einer geordneten, fairen Rückgabe von Kulturgütern traurig scheiterte.

Überall wo Völker unterdrückt werden, bedienen sich die Unterdrücker auch an Kunstgegenständen. Besonders schlimm war es während der Kolonialzeit in Afrika. Da war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann diese geraubte Kunst endlich an die Länder zurückgegeben wird, aus denen sie stammt. Und das sollte auch passieren. Aber als die Berichte darüber zurückgingen, wurde auch die Aktivitäten dazu zurückgefahren. Dieses imposante Buch legt den Finger in diese Wunde und trägt hoffentlich mit dazu bei, dass das Thema wieder auf die Tagesordnung kommt. Dabei liest sich das Buch spannend wie ein Thriller. Ebenso wichtig wie lesenswert.

Hardcover / C.H. Beck / 256 Seiten / € 24.-