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Per Kickstarter haben sich die Warhorse Studios die Finanzierung für ihr Spiel „Kingdom Come: Deliverance“ gesichert, ein Single-Player-RPG, das mit viel Realismus punkten soll. Und mehr als 35.000 Leute waren bereit, die Produktion zu supporten, was 1,1 Millionen Pfund in die Kassen brachte. Erschienen ist das Spiel nun für die Konsolen Xbox One und PS4 sowie für den PC.


Im Jahr 1404 ist Böhmen ein Teil des römischen Reichs. Das Spiel beginnt in der kleinen und friedlichen Ortschaft Skalitz, etwa 60 Kilometer von Prag entfernt. Dort wohnt auch Heinrich, Sohn eines Schmieds, eine Figur, die der Spieler steuert. Doch das friedliche Leben in Skalitz währt nicht lange, denn im Auftrag von Siegismund, dem verfeindeten Bruder von König Wenzel, fallen Trupper über die Ortschaft her, brennen sie nieder und töten zudem die meisten Einwohner. Heinrich ist der einzige Überlebende seiner Familie und sinnt auf Rache.


Doch das ist leichter gesagt als getan, denn Heinrich kann nur leidlich mit dem Schwert umgehen, andere Waffen sind ihm fremd, er kann weder lesen noch schreiben und über viele Kontakte verfügt er auch nicht. Also muss Heinrich nicht nur lernen, zu kämpfen, sondern auch, sich in der Welt zu behaupten. Dazu gehört auch die Kommunikation mit anderen Personen, da sollte jedes Wort bedacht werden. Sich mit dem Falschen anzulegen, kann im schlimmsten Fall zum Tode führen, denn gegen einen erfahrenen Kämpfer hat unser Heinrich zu Beginn keine Chance.


Auch sollte man sich an die Gepflogenheiten in der Stadt halten. Ständig mit gezogenem Schwert durch die Straßen zu laufen, bringt einen schnell in den Kerker. Besser ist es, seine Zeit damit zu verbringen, die eigenen Fähigkeiten zu verbessern. Und da gibt es so einiges zu tun. Mehr Skill beim Bogenschießen kann man immer brauchen, auch Redegewandtheit und sogar die Trinkfestigkeit kann erhöht werden. Manche Sachen trainiert man einfach durch Verwendung derselben, andere benötigen einen Lehrmeister, der einen für Geld oder den einen oder anderen Gefallen, voranbringt.


Gekämpft wird natürlich auch, und das nicht zu wenig. Aber auch hier geht es ziemlich realistisch zur Sache. Und schon mit Schwert oder Messer kommt das Kampfsystem ziemlich komplex daher und braucht schon eine gewisse Eingewöhnungszeit. Neben einfachen Angriffen, die aus verschiedenen Reichtungen möglich sind, gibt es auch Kombinationen und natürlich verschiedene Block-Varianten. Bogenschießen dagegen ist schon ein richtiges Abenteuer, Spielereien wie ein Fadenkreuz oder andere Zielhilfen sucht man hier vergeblich.


Nach dem Kampf gilt es dann, die eigenen Wunden zu behandeln. Bei kleineren Kratzern helfen Verbände, größere Wunden benötigen professionelle Hilfe. Eine blutende Wunde, die nicht behandelt wird, kann auch zum Tod führen. Das Spiel kommt auch hier ziemlich realistisch daher. Das gilt auch für die Begegnung mit den unzähligen Figuren im Spiel. Trägt man etwa ordentliche Kleidung und war erst vor kurzem in einem Badehaus, um sich zu waschen, verlaufen Gespräche deutlich einfacher, als wenn man schmutzig in Lumpen gehüllt einen Adligen anspricht.


Kommen wir nochmal auf den Realismus im Spiel zurück, Heinrich muss auch mit dem Wichtigsten versorgt werden, und das sind Schlaf und Essen. Und auch Speicher ist nicht jederzeit ohne weiteres möglich. Neben fixen Speicherpunkten kann man nur mit einem Retterschnaps speichern. Hin und wieder findet man welchen, kann diesen kaufen oder auch selbst brauen.


Ein Singleplayer Rollenspiel so ganz ohne Drachen und Zauberei, kann das funktionieren? Ja, das kann es und das funktioniert mit „Kingdom Come: Deliverance“ sogar richtig gut. Zwar werden RPG-Neulinge von der gigantischen Auswahl an Möglichkeiten vor allem zu Beginn förmlich erschlagen, aber nach einer Weile klappt alles recht gut. Die Grafik ist eine Wucht, unheimlich detailreich, und sorgt so für eine großartige Atmosphäre, was auch für die Soundkulisse gilt. Die Aufgaben sind abwechslungsreich, die Kämpfe ebenso realistisch wie fordernd und auch abweits der Wege gibt es sehr viel zu entdecken und zu erleben. „Kingdom Come: Deliverance“ ist schon jetzt ein Anwärter auf den Titel „Spiel des Jahres“ für die Xbox One.

 

Nina Schulz