Vor knapp vierzehn Jahren erschien mit „Hearts of Iron“ vom schwedischen Entwickler Paradox Entertainment ein Echtzeitstrategiespiel, dass bei Kritikern und Spielern gleichermaßen gut ankam. Der Spieler führte eine von mehr als hundert Nationen durch die Zeiten des zweiten Weltkrieg und konnte den Verlauf der Geschichte entsprechend ändern. Seit einigen Wochen steht nun der vierte Teil in den Läden, vom gleichen Entwickler und vertrieben von Koch Media. Und im Vorfeld gab es gleich Unkenrufe der Spieler bezüglich Kürzungen in der deutschen Fassung, die sich dank Geolock auch nicht umgehen lassen. Und das, obwohl im Spiel gar keine Hakenkreuze auftauchen. Doch Paradox Entertainment hatte offenbar Angst vor einer verweigerten Freigabe und entfernte weitere Symbole und Portraits. Wir haben uns das Spiel angesehen.

Der Spieler hat die Wahl „Hearts of Iron IV“ in den Jahren 1936 oder 1939 starten zu lassen, dabei übernimmt er die Führung einer beliebigen Nation. Glücklich ist, wer schon die Vorgänger gespielt hat, jeder andere wird trotz dem recht kurzen Tutorial von Menüs und Werten förmlich erschlagen. Ein ins Spiel integriertes Wiki bringt zwar Licht in vieles, anderes bleibt aber trotzdem viel zu lange im Dunkeln. Durchkämpfen lohnt sich aber trotzdem, denn kaum ein anderes Spiel lockt mit der Möglichkeit, die Geschichte zu verändern so sehr wie dieses.

Die Tiefe des Spiels ist so gewaltig wie die Truppenbewegungen in diesem Konflikt. Und der Spieler hat folglich alle Hände voll zu tun und muss bei jedem seiner Schritte die Konsequenzen bedenken. Geht man ein Bündnis ein und erklärt anderen Nationen den Krieg oder hält man sich zunächst zurück? Im Kampf schickt man ganze Armeen zum Angriff oder Rückzug, kümmert sich um Nachschub und Rostoffe und setzt die Marine und die Luftwaffe ein. Aber auch in der eigenen Nation gibt es einiges zu tun.

Die Infrastruktur des Landes muss erhalten und ausgebaut werden, was nicht nur die Rüstungsproduktion betrifft. Aber die ist natürlich besonders gefragt und je mehr Fabriken gebaut werden, die sich darum kümmern, um so schneller ist die letzte Panzerbestellung einsatzbereit. Aber nicht jedes Land verfügt über alle Rohstoffe, also muss Handel mit anderen Nationen betrieben werden. Die Forschung hingegen kümmert sich um modernere Bewaffnung der Armee.

Ist die Armee gut gerüstet und verfügt über genügend Soldaten, kann sie in den Krieg geschickt werden, wo sich auch schier unerschöpfliche Möglichkeiten auftun. Und strategische Fehler werden unbarmherzig bestraft, denn die KI macht ihre Sache verdammt gut.

„Hearts of Iron IV“ ist ein unglaublich komplexes Strategiespiel, dass für Genre-Einsteiger kaum zu meistern ist. Selbst nach stundenlangem Studium der integrierten Enzyklopädie bleibt zu vielen im Unklaren. Hier hätte ein ausführliches Tutorial Abhilfe geschaffen. Wer sich mit den Vorgängern auskennt, bekommt ein Spiel mit riesiger Tiefe, dass fast unendlich viele Möglichkeiten bietet, seine Nation und die dazugehörigen Truppen zu führen. Die Grafik ist okay, zu viel sollte man hier aber nicht erwarten. Der Sound ist gelungen und bietet einige passende Stücke. Die Steuerung ist wie gesagt sehr gewöhnungsbedürftig. Wer die Zeit aufbringen will und sich in das Spiel reinfuchst, wird viel Spaß mit „Hearts of Iron IV“ bekommen.