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Remakes alter Adventure-Games sind zurzeit schwer angesagt, und das Kölner Indie-Studio Sunlight Games sorgt diesen November für Nachschub. Sie haben sich der Grundsanierung eines der eher unbekannten Spiele von Sierra On-Line angenommen, dem 1988 erschienen Klassiker „Gold Rush!“. Dieses bot für damalige Verhältnisse einige ungewohnte Features wie parallele Lösungswege und ein Echtzeitsystem im Spiel, welches die Handlung in immer andere Bahnen lenken konnte. Außerdem vermittelte es einiges an Hintergrundwissen zur (US-) amerikanischen Geschichte.

An der Story hat sich bei Gold Rush! Anniversary nichts zum Original geändert. Der Spieler steuert die Geschicke des Zeitungsredakteurs Jerrod Wilson aus Brooklyn, welcher eine Nachricht erhält, die ihn seinen verschollenen Bruder in Sacramento suchen lässt. Dummerweise schreibt man das Jahr 1849, und man kann nicht schnell mit seiner Kreditkarte einen Inlandsflug buchen, um übers Wochenende mal nach dem rechten zu schauen. Es stehen drei Möglichkeiten zur Verfügung: mit der Postkutsche reisen, mit einem Schiff nach Panama segeln und sich dann durch den Dschungel schlagen, oder einmal langwierig um das Kap Horn herum schiffen. Jede Möglichkeit hat ihre Vor- und Nachteile, und angesehen davon spielt die Zeit gegen Jerrod. Denn schon bald machen Gerüchte von Goldfunden in der Wüste Kaliforniens ihre Runden, was schnell im zum heute historisch bekannten amerikanischen Goldrausch führt. So will auf einmal jedermann dort sein Glück versuchen, was nicht nur unter anderem zu sinkenden Immobilien- und explodierenden Ticketpreisen sorgt. Verpasst der Spieler in Brooklyn einige Ereignisse, schließen sich für ihn bestimmte Türen für immer, so dass oft nur als allerletzter Ausweg die Fahrt mit der Postkutsche bleibt. Die bringt allerdings einige Unbequemlichkeiten und Risiken mit sich. Allerdings ist keine der Routen wirklich sicher, und Jerrod kann sehr wohl auch durch Krankheit oder Krokodilattacke für immer dahin scheiden.

Mit heutigen Spielgewohnheiten beißt sich das ganze Konzept gewaltig, aber Gold Rusch! Anniversary bleibt seinem Vorbild von '88 treu. Erneuert wurden nur die Grafik und die Bedienung, die im Gegensatz zum Original jetzt mit der Maus funktioniert. Wer möchte kann aber auch klassisch auf die Steuerung per Texteingabe im Parser umschalten, muss dann aber auf deutsche Bildschirmtexte verzichten. Zusätzlich werden die Figuren von englischen Sprechern vertont, was allerdings häufig etwas hölzern klingt. Das passt wiederrum ganz gut zur allgemeinen Präsentation, denn die ist irgendwo zwischen 1988 und 2014 hängen geblieben. Zwar sind alle Locations vorhanden und in ihrer aufgehübschten Versionen gut wieder zu erkennen. Allerdings wird der Stil der Grafik und der Animationen steril und altbacken. Und auch an der technischen Seite kann man an ein einigen Ecken meckern, wie zum Beispiel den absolut rudimentären Wegfindungsroutinen der NPCs oder anderen Unstimmigkeiten.

Wer also von seinen modernen Spielgewohnheiten nicht abrücken will, der könnte von Gold Rusch! Anniversary enttäuscht werden, denn auch die Einsteigerfreundlichkeit war damals bei weitem nicht so hoch wie heute. Veteranen, die noch einmal die Abenteuer des Jerrod Wilson nacherleben wollen und keine Probleme mit der Spielmechanik aus dem letzten Jahrtausend haben, können aber gerne einen Blick wagen und vielleicht dabei von alten Zeiten träumen. Am Umfang sollte der Spielspaß jedenfalls nicht scheitern, denn bei über 130 Szenen und drei verschiedenen Reisewegen gibt es einiges zu entdecken. 

Erhältlich für PC, Mac und Linux